ThemaSuperwahljahr 2009RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
17.08.2009
 

Industriepolitik

Union distanziert sich von Papier aus Guttenberg-Ministerium

Ein Konzeptpapier aus dem Wirtschaftsministerium zwingt die Union zu Schadensbegrenzung: Die SPD kritisiert den industriefreundlichen Entwurf - und Karl-Theodor zu Guttenberg distanziert sich klar von den Plänen. Auch Kanzlerin Merkel will mit den Vorschlägen nichts zu tun haben.

Berlin - "So geht es nicht" - das war die Meinung von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über einen ersten Entwurf für ein industriepolitisches Grundsatzpapier aus seinem Ministerium. Das sagte Ministeriumssprecher Steffen Moritz an diesem Montag.

Wirtschaftsminister Guttenberg: "Überholte Stoffsammlung"Zur Großansicht
REUTERS

Wirtschaftsminister Guttenberg: "Überholte Stoffsammlung"

Guttenberg habe diese "Ideensammlung", die von Referatsleitern zusammengetragen worden sei, "komplett verworfen", das Papier sei daher eine "überholte Stoffsammlung", deren "Sinn und Zweck es war, intern zu bleiben", sagte Moritz.

Demnach beauftragte Guttenberg sein Ministerium "vor einigen Monaten", Vorschläge für ein industriepolitisches Konzept zu sammeln. Daraufhin hätten die Referatsleiter Vorschläge zusammengetragen, die aus ihrer Sicht in dem Papier enthalten sein sollten, sagte Moritz.

Das Papier sieht Berichten zufolge unter anderem die Rücknahme der Gesetze zu Mindestlohnregelungen vor. Es soll zudem steuerliche Entlastungen für die Unternehmen und Erhöhungen bei den ermäßigten Mehrwertsteuersätzen beinhalten.

Die Aufregung war groß, als Einzelheiten des Papiers bekannt wurden. In der SPD stieß das Papier auf scharfe Kritik. "Was Herr zu Guttenberg anstrebt, lässt mich grausen: Arbeitnehmerrechte beschneiden, Mindestlöhne wieder abschaffen und Mehrwertsteuer erhöhen", sagte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Was im Guttenberg-Papier steht, führt zu mehr Arbeitslosigkeit", fügte Steinmeier hinzu.

Kritik kam auch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). "Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich selbst abgeschossen", meinte der Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg. "Wenn diese Vorschläge nur ansatzweise zutreffen, also Arbeitsmarkt flexibilisieren und Arbeitnehmerrechte beschneiden, Mindestlöhne abschaffen und die Mehrwertsteuer beispielsweise auf Lebensmittel erhöhen, dann ist der Shooting-Star der Union nicht wählbar." Das Papier aus dem Wirtschaftsministerium sei ein Offenbarungseid dessen, was von einer schwarz-gelben Koalition zu erwarten sei.

Am Montag distanzierten sich die CDU und Kanzlerin Angela Merkel von dem Papier aus dem Guttenberg-Ministerium. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm stellte klar, dass es keinen Auftrag von Merkel an Guttenberg gegeben habe, ein industriepolitisches Konzept vorzulegen. Es sei das Unionsregierungsprogramm, das die gemeinsamen Auffassungen von CDU und CSU, von Merkel und Guttenberg wiedergebe.

Bei dem Ministeriumspapier handele sich um eine "alte Stoffsammlung, über die es sich nicht lohnt zu diskutieren", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am Montag in Berlin. Das Papier werde auch nach der Bundestagswahl nicht aufgegriffen. Die Pläne der CDU für die nächste Legislaturperiode stünden im Regierungsprogramm der Partei, und dazu werde es keine Ergänzungen geben, betonte Pofalla.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel äußerte Zweifel an dem Dementi des Wirtschaftsministeriums: "Denn in dem Papier steht präzise das, was ich seit vier Jahren aus dem Wirtschaftsministerium höre", sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt".

hen/dpa/ddp/Reuters/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1811 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.09.2009 von rabenkrähe:

..... Die wenigsten hinterfragen doch, was in den Parteien wirklich abgeht und was bevorsteht. Umso größer ist nach den Wahlen dann die Enttäuschung. Ich bin gespannt, wer am Montag lacht und wer nicht. Daß die CDU stärkste [...] mehr...

25.09.2009 von Morotti:

Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Flut von neuen "Drohvideos" , und dem Auftauchen von Schäubles Vorstellungen , ist doch nicht zufällig. Die Videos, werden dem neuen / alten Koalitionspartner der CDU als [...] mehr...

25.09.2009 von saul7: Immerhin

gibt es ja noch die Hoffnung, dass aus diesen "Geheimplänen" nichts wird zumal die "Schwarzen" einen Koalitionspartner brauchen, der einer solchen "Neuausrichtung" der Geheimdienste nicht zustimmen [...] mehr...

25.09.2009 von Nandiux: Unglaublich....

Die Wahrheit erwartet uns erst nach der Wahl. Jetzt taucht schon wieder gaanz zufällig ein 'geheimes' Papier aus einem CDU - Ministerium auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,651329,00.html Die Union scheint [...] mehr...

24.09.2009 von rabenkrähe:

Das Verhältniswahlrecht läßt doch neuen Bewegungen überhaupt kleinen Raum. Herrschte es hierzulande, wären die Grünen bis heute nicht im Parlament. Das Wahlsystem ist schon weitgehend okay, es müßte nur mal überarbeitet und [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Superwahljahr 2009

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP