Aus Thüringen berichtet Christian Teevs
Erfurt - Das Handy klingelt, Gregor Gysi ist dran. "Hallo Chef", ruft Bodo Ramelow. Er fährt gerade von Erfurt nach Nordhausen, nun soll er seinem Fraktionsvorsitzenden Bericht erstatten, wie es in Thüringen läuft. "Merkel hat jetzt auch den Wahlkampf gegen mich eröffnet", sagt Ramelow, dann stutzt er: "Nein, nicht gegen dich, Gregor. Gegen mich!"
Ohne Frage: An Selbstbewusstsein mangelt es Bodo Ramelow nicht. Der 53-Jährige ist einer, dessen Name fällt, wenn es darum geht, wer Lafontaine und Gysi einmal an der Parteispitze beerben könnte. Als Wahlkampfmanager hat er entscheidenden Anteil am Erfolg der Linken in Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Er gilt als kühler und pragmatischer Taktiker. Im Frühjahr schimpfte er über Sektierer in den eigenen Reihen, die das Regieren als Verrat an der eigenen Sache erklärten. Bei der Thüringer Landtagswahl in zehn Tagen könnte Ramelow sein Standing erneut verbessern. Er steht kurz davor, den Erfolg von 2004 zu wiederholen. Damals kam die Linke auf 26,1 Prozent, in der jüngsten Umfrage steht sie bei 24 Prozent, fünf Prozentpunkte vor der SPD.
Mit einer rot-rot-grünen Koalition könnte der Linke Ministerpräsident Dieter Althaus ablösen. Die CDU hat in der aktuellen Umfrage auch mit der FDP keine Mehrheit. Doch Ramelow hat ein Problem: Beide Wunschpartner haben ausgeschlossen, ihn zum Regierungschef zu wählen. Ein Linksbündnis gibt es also nur unter SPD-Führung.
Und so führt der Linke einen etwas merkwürdigen Wahlkampf. Am Wochenende sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", er brauche in einer neuen Regierung keinen Schreibtisch. Was allgemein so interpretiert wurde, er würde SPD -Spitzenkandidat Christoph Matschie das Ministerpräsidentenamt überlassen, selbst wenn die Linke vor der SPD landete. Diese Auslegung wies er zurück und sagte: "Wir sind der Koch, die SPD ist der Kellner."
Ramelow gibt zu, dass seine Art, die Debatte mit auslegbaren Aussagen zu befeuern, durchaus Kritik erzeuge. "Gysi hat mir gesagt: Hör auf damit!" Aber er könne und wolle seinen Kurs nicht ändern. Das Taktieren macht ihm sichtlich Spaß, er sagt aber auch: "Wenn sich SPD und Grüne so flexibel zeigen würden wie ich, hätten wir das ganze Problem nicht."
Matschie spricht ihm die charakterliche Eignung ab
Am Mittwoch fährt Ramelow gemeinsam mit Matschie und der Grünen-Chefin Astrid Rothe-Beinlich durch Erfurt. Eine Bustour auf Einladung der "Liga der Freien Wohlfahrtspflege". Die Politiker besuchen drei Kindertagesstätten, das Thema lautet "Sechs Minuten sind zu wenig". Es geht um die Personalprobleme in den Kitas und die Sorgen der Erzieherinnen, die vielfach unbezahlte Überstunden machen, um ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Inhaltlich sind sich Linke, SPD und Grüne einig: Sie wollen 2000 neue Stellen und das Erziehungsgeld der CDU wieder abschaffen.
Aber der Ton zwischen den drei Spitzenkandidaten ist rauer geworden: Als Matschie den Treffpunkt am Erfurter Landtag erreicht, fragt er Ramelow lakonisch: "Warum bist du denn so nervös, Bodo?" Der Sozialdemokrat spielt auf Ramelows Aussage an, die SPD könne ihren Spitzenmann fallenlassen, um den Weg für eine Koalition frei zu machen. Später spricht er ihm auch noch die charakterliche Eignung ab, das Amt des Ministerpräsidenten auszuüben.
Während der Bustour ist von dem Zoff allerdings nichts zu spüren. Tatsächlich gehen Matschie und Ramelow recht harmonisch miteinander um. Seite an Seite schreiten sie durch Kitas, beim Pressegespräch attackieren sie gemeinsam den CDU-Kultusminister Bernward Müller, der als Vertreter von Althaus gekommen ist. Unterschiedliches Talent beweisen die beiden Kontrahenten bei der Szenensuche für Fotografen und TV-Teams. In der Kita "Pinoccio" in Waltersleben setzt sich der SPD-Kandidat sofort zu den malenden Kindern auf einen Mini-Hocker. Ramelow dagegen stakst steif durch den kleinen Raum und wirkt etwas verloren. Auch beim obligatorischen Biss in die Thüringer Bratwurst wirkt er nicht locker.
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schwarz-rot bereitet doch nicht schwarz gelb vor, die Medien wollen uns das doch nur glauben machen genau wie die Wahlumfragen. Die kriegen auch diesmal keine Mehrheit, glauben sie mir. Deshalb liebe schwarz-roter Murks als wenn [...] mehr...
Schreiben Sie ruhig noch ein paar solche Beiträge. Das läßt noch den einen oder anderen Nichtwähler aufwachen. Mit *diesem Ergebnis* (http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439)... ;-) mehr...
Abwarten. Die Linke hat einen Riesenvorteil - sie ist nicht so machtgeil wie die SPD und kann bequem auch die Oppositionsbank wählen, ohne die eigene Position zu schwächen. Jeder, aber wirklich jeder potentielle Linkenwähler [...] mehr...
Ja, mag ja so sein und sollte kein Streitpunkt sein. Aber nun mal ehrlich, wenn nun ein ausgewiesener CDU-Wähler ( selbst behauptet ), hier behauptet das "Gysi Steigbügelhalter von Schwarz-Rot?" sein soll so frag [...] mehr...
Ist ja gut. Das aber ein CDU Wähler hier vom "Steigbügelhalter" Gysi für eine ROT/SCHWARZ -Regierung spricht, ist ja nun mehr als verrückt. Der wahre Steigbügelhalter ist doch wohl die SPD. mehr...
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