Aus Thüringen berichtet Christian Teevs
Mit der Grünen-Chefin liefert sich Ramelow bei der Busfahrt einen Schlagabtausch. Auf die Frage an Rothe-Beinlich, ob die Grünen Ramelow an die Macht helfen würden, schaltet sich der Linke selbst ein: "Da wird sie wieder sagen, wegen unserer Ex-Stasi-Mitarbeiter geht das nicht." Albern sei das. Rothe-Beinlich unterbricht ihn erbost: "Darf ich die Frage bitte selbst beantworten?"
Später sagt sie, die Grünen seien tatsächlich unzufrieden mit Ramelows Vergangenheitsbewältigung. "Solange in seiner Partei Stasi-belastete Personen zentrale Positionen besetzen, können wir ihn nicht zum Ministerpräsidenten wählen." Rothe-Beinlich meint die Abgeordneten Ina Leukefeld und Frank Kuschel, die in der DDR für die Staatssicherheit gearbeitet haben. Ramelow weist die Vorwürfe zurück: "Beide stehen sie zu ihrer Vergangenheit, haben niemand angeschwärzt und waren keine Schweine." Er habe schon Leute rausgeschmissen, aber bei Leukefeld und Kuschel sehe er dazu keinen Anlass.
Doch selbst Vertraute kritisieren seinen Kuschelkurs: Am Mittwochnachmittag trifft Ramelow bei den Genossen in Nordhausen ein. Knapp 40 Menschen haben sich bei über 35 Grad auf dem Theaterplatz versammelt, darunter Hans-Helmut Schoppe, Pastor im Ruhestand. Er rede oft mit Ramelow, sagt der 82-Jährige - über den Glauben, die Kirche, aber auch über Politik. Der gläubige Protestant hat sich bemüht, in seiner Partei eine Debatte über Religion anzuregen. Hat denn Ramelow nun eine Chance auf das Amt des Ministerpräsidenten? Schoppe wiegt den Kopf, da sei er skeptisch: "Von seinen Qualitäten her könnte er das sicher. Aber er hat ein Problem mit diesen Fundamentalisten, die muss er zurückpfeifen."
"Es geht nicht um meine Person"
Doch Ramelow hält an seiner Entscheidung fest, er lasse Leukefeld und Kuschel nicht fallen. Loyalität sei ihm wichtig, sagt er. Dann erzählt er eine Episode aus seiner Schulzeit, die ihn geprägt habe. Nach der Ausbildung zum Lebensmittelkaufmann besuchte er im hessischen Marburg die Berufsschule. Seine Klasse sei damals gespalten gewesen - in eine Gruppe 15-, 16-jähriger Schüler und eine Gruppe, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg machen wollte, also schon deutlich älter war. Ramelow: "Die Jungen haben uns gehasst, aber wir hatten uns geschworen: Keiner fällt durch." Das zu schaffen, habe ihm große Genugtuung bereitet.
Immer wieder wird der 53-Jährige derzeit gefragt, ob er denn nicht hoffen müsste, dass die SPD am Ende vor ihm landet - damit ein Linksbündnis möglich wäre. Das weist Ramelow pflichtgemäß entschieden zurück, er lasse nicht zu, dass die Linke zu einer zweitklassigen Partei degradiert werde. Er habe sich jedoch bemüht, Flexibilität zu zeigen. Die SPD müsse nun entscheiden, ob sie Reformen wolle oder weiter Dieter Althaus. Sein oberstes Ziel sei, die CDU in die Opposition zu schicken.
Und dann gibt es noch einen Satz, den Ramelow beständig wiederholt: "Es geht mir nicht um meine Person." Wieder so eine Aussage, die genug Raum für Spekulationen lässt.
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