ThemaGorlebenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
22.08.2009
 

Atompolitik

Gorleben-Erkundung stößt auf neue Probleme

Salzstock Gorleben: mit der Atomstrategie "vor die Wand gefahren"Zur Großansicht
ddp

Salzstock Gorleben: mit der Atomstrategie "vor die Wand gefahren"

Eine politische Sackgasse: Die Erkundung des Salzstocks in Gorleben ruht, weil es Rot-Grün so wollte. Im Falle eines Wahlsiegs möchte Schwarz-Gelb weiterforschen - doch nun laufen die Nutzungsrechte aus, die man selbst so ausgehandelt hatte. Alternative Standorte gibt es bislang nicht.

Hannover/Berlin - Bei der weiteren Erkundung des Salzstocks Gorleben als mögliches Atommüll-Endlager drohen einem Zeitungsbericht zufolge neue Schwierigkeiten. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag laufen etwa hundert Verträge mit Grundbesitzern aus der Region, in denen sie die Rechte am unterirdischen Salz abtraten und damit die bisherige Erkundung ermöglichten, zum 31. Dezember 2015 aus. Anschließend gehen diese Salzrechte wieder auf die Eigentümer des darüber liegenden Grund und Bodens über - zumeist Gegner eines Atommülllagers in der Region. Wie die "SZ" meldet, haben Recherchen einer Anti-Atom-Aktivistin die Verträge der Grundbesitzer mit dem Bundesamt für Strahlenschutz zutage gefördert.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), dem die Erkundungsrechte mit den Verträgen übertragen worden waren, bestätigte den Bericht. "Die Zahl dieser Verträge kann gegenwärtig nicht genau beziffert werden, aber die genannte Größenordnung ist nicht unwahrscheinlich", sagte ein Sprecher am Samstag.

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte erneut eine offene Suche nach einem geeigneten Standort für ein Atommüllendlager. "Das ist der Sargnagel für das Thema Gorleben. Es ist Zeit für Union und FDP, sich einzugestehen, dass sie sich verrannt haben", sagte der Sprecher.

Derzeit ruht die Erkundung Gorlebens infolge eines Moratoriums, das die rot-grüne Bundesregierung im Energiekonsens mit den Stromkonzernen vereinbart hatte. Dieses Moratorium wird spätestens im Herbst 2010 enden. "Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass das Moratorium zügig aufgehoben werden muss, damit die Erkundung weitergeht", sagte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Union und FDP wollen das Moratorium im Falle einer neuen schwarz-gelben Bundesregierung nach der Bundestagswahl beenden.

Auch die Energiekonzerne dringen auf eine schnelle Wiederaufnahme der Erkundung. Laut BfS soll "zu gegebener Zeit" über eine Verlängerung der Rechte mit den Grundbesitzern verhandelt werden.

Sollten die auslaufenden Verträge nicht verlängert werden, bliebe aus Sicht der Konzerne nur die Enteignung der Grundbesitzer. Diese Möglichkeit hatte die ehemalige rot-grüne Bundesregierung jedoch aus dem Atomgesetz gestrichen. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert einen BfS-Sprecher mit dem Hinweis, dass die Flächen, um die es geht, in die Erkundungsbereiche für das mögliche Atomendlager hineinreichen.

"Gau in der Atomstrategie"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) attestierte der Union, mit ihrer Strategie "vor die Wand gefahren zu sein". "Es rächt sich eben, wenn man immer nur die Interessen der Atomwirtschaft vertritt und mit dem Kopf durch die Wand will", erklärte der SPD-Politiker in Berlin. Selbst bei einer Aufhebung des Erkundungsstopps 2010 wäre Gorleben bis zum Jahr 2015 nicht zu Ende zu erkunden, betonte er. Gabriel verwies darauf, dass die bis 2015 befristeten Verträge unter früheren schwarz-gelben Regierungen entstanden seien.

Gabriel vertritt schon länger die Auffassung, die Erkundung müsse auch nach 2010 weiter ruhen. Er will stattdessen eine neue bundesweite Standortsuche durchsetzen, was die Union jedoch verweigert. Gabriel betonte, er habe dem Bundeskanzleramt und der Union bereits 2006 vorgeschlagen, Gorleben weiterzuentwickeln, sofern zwei Bedingungen erfüllt werden:

  • die Festlegung von Sicherheitskriterien für Endlager
  • und ein Standortvergleich.

Dies sei aber von CDU und CSU harsch abgewiesen worden. Damit habe die Union einen "Gau ihrer Atomstrategie" verursacht.

oka/AP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 7151 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.11.2009 von physik:

Ich habe nirgends ausgeschlossen, dass es auch noch andere Bereiche gibt, die diesen fixen Begriff verwenden. Ihre billigen Rechtfertigungsversuche wirken in meinen Augen allerdings recht erheiternd... vor allem dass [...] mehr...

10.11.2009 von _gimli_:

http://www.n-tv.de/panorama/93-000-statt-4-000-Tote-article179005.html Wem glaubt man? Die Zahl von 47 ist natürlich Unfug, bezieht sie sich doch nur auf die faktisch sofort Verstorbenen. mehr...

10.11.2009 von _gimli_:

Was konkret bezeichnen Sie als Unsinn? Seltsame Message. Verstehe ich nicht. mehr...

10.11.2009 von bürostuhlpilot:

Unsinn. Fertigung, Betrieb und Entsorgung sind sehr viel berechenbarer als der Betrieb von Kernkraftwerken. Von Photovoltaikanlagen ganz zu schweigen. Sie betreiben gefährlich unsinnig-dumme Verharmlosung und Desinformation, [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Gorleben

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Atomkraftwerke in Deutschland

Zahlen

Getty Images
In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach mehreren schweren Pannen seit weit mehr als einem Jahr abgeschaltet. Krümmel wurde nach einem Brand im Juni 2007 erst im Juni 2009 wieder hochgefahren. Der älteste Meiler, Biblis A, ist seit Ende Februar nicht mehr am Netz und wird derzeit gewartet. Der benachbarte Block Biblis B ist seit Januar 2009 wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet. Das AKW Stade ging Ende 2003 außer Betrieb und wurde 2005 stillgelegt. Obrigheim ging Mitte 2005 außer Betrieb.

Geografische Verteilung







TOP



TOP