Von Ole Reißmann
Hamburg - Die ersten Prognosen zu den Landtagswahlen kursierten bereits am Nachmittag im Internet, vor Schließung der Wahllokale. Über den Kurznachrichtendienst Twitter gaben zwei Nutzer gegen halb fünf Zahlen für das Saarland, Sachsen und Thüringen bekannt.
Dabei dürfen die sogenannten "Exit Polls", Umfragen am Tag der Stimmabgabe, nicht öffentlich gemacht werden. Die Wahl könnte, so die Befürchtung, sonst unzulässig beeinflusst werden. Die Wahlgesetzte von Bund und Ländern verbieten das ausdrücklich - wer dennoch Umfrageergebnisse verrät, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Darauf steht eine Strafe von bis zu 50.000 Euro.
Quellen für ihre Zahlen nannten die beiden Twitter-Nutzer nicht - doch ihre Prognosen weichen nur wenig von den Umfrage-Ergebnissen des Instituts Infratest dimap ab, die um 18 Uhr im Fernsehen zu sehen waren. Mal sind sie um ein Prozent zu hoch, mal um ein halbes Prozent zu niedrig - nur bei der Schätzung für die Linke in Thüringen liegen die Twitterer richtig daneben. Fast alle Zahlen ähneln denen der Prognose so sehr, dass sie kaum geraten sein können.
"Sehr problematisch" findet das der stellvertretende Landeswahlleiter von Sachsen, Uwe Reimund Korzen-Krüger. Man werde rechtliche Schritte prüfen, "wenn sich herausstellt, dass Ergebnisse vor 18 Uhr veröffentlicht wurden, die nicht nur auf Hörensagen sondern auf Umfrageergebnissen nach der Stimmabgabe beruhen", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Zwar kennen Politiker und damit auch Journalisten die Ergebnisse der Exit-Polls schon am Nachmittag des Wahlsonntags, bisher hielten sie aber weitestgehend dicht. Sie können die Exit-Polls gut gebrauchen, um ihre ersten Reaktionen und Statements vorzubereiten. Bisher wussten sie mit diesem Privileg umzugehen - und hielten dicht.
Doch das mit der Geheimhaltung war einmal. Seitdem die Eingeweihten sich nicht nur gegenseitig SMS schicken - von Telefon zu Telefon - sondern auch den Kurznachrichtendienst Twitter im Internet verwenden. Dass Horst Köhler im Mai dieses Jahres erneut zum Bundespräsidenten gewählt wurde, sollte eigentlich der Präsident des Bundestags feierlich verkünden. Doch bevor Norbert Lammert ans Mikrofon trat, hatten zwei Abgeordnete aus SPD und CDU die Wiederwahl Köhlers mit einer Kurznachricht im Internet bekanntgegeben.
Angesichts der neuen Gesprächigkeit warnt Bundeswahlleiter Roderich Egeler schon vor einer Katastrophe bei der Bundestagswahl: "Es wäre der GAU, wenn die Wählerbefragungen vor Schließung der Wahllokale öffentlich bekannt würden." Denn wenn sich herausstellen sollte, dass die vorab herausposaunten Exit-Polls die Wahlen beeinflusst haben, könnten die Abstimmung nachträglich angefochten und für ungültig erklärt werden - wie jetzt auch bei den Landtagswahlen.
Wer daran die Schuld tragen würde, ließe sich dann womöglich schon nicht mehr feststellen. Einer der beiden Twitter-Verräter löschte seinen Account am Sonntag noch vor 18 Uhr - da hatten die Zahlen aber bereits die Runde in dem Kurznachrichten-Kosmos gemacht, waren unaufhaltsam wiederholt und kopiert worden.
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Danke für die Richtigstellung. mehr...
Da muss man Kurth in Schutz nehmen: es war der FDP- Kandidat, der das behauptet hat. Sowohl von Kurth als auch von Rothers zeigten sich darüber "empört". [...] mehr...
Tja. Da sind Sie nicht der einzige. Nun ist es zu spät. Nach altem Recht war es so, daß nur die Ratsmitglieder und die Bezirksvertretungen gewählt wurden. Danach konstituierte sich der Rat und stellte aus seiner Mitte den OB. [...] mehr...
Ja. Leider haben Sie und andere das wohl immer noch nicht begriffen. Jetzt ist es zu spät. Für Sie zur Erkenntnis: Der Rat ist das gewählte Gremium der Bürger ihrer Stadt. Bei der Oberbürgermeisterwahl wird - sind die [...] mehr...
Aber leider nur mit rd. 1,5% der Stimmen (Kommunalwahl hat halt keine Sperrklausel). Hoffentlich wird's bei der Bundestagswahl ein bisschen mehr, damit es die anderen zumindest etwas zwackt. mehr...
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