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Rot-rote Machtspiele Lafontaine, die linke Sphinx

Linken-Chef Lafontaine: Hofft er auf die Große Koalition, um die SPD der Aufsteiger-Mitte endgültig zerstören?Zur Großansicht
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Linken-Chef Lafontaine: Hofft er auf die Große Koalition, um die SPD der Aufsteiger-Mitte endgültig zerstören?

2. Teil: Welche Linke will Lafontaine?

Einiges davon war dann in den neunziger Jahren als toskanischer Hedonismus verpönt. Doch Lafontaine wandelte sich und führte als Parteivorsitzender die zuvor schlimm zerstrittene und extrem heterogene Partei geschlossen und diszipliniert in die finale Auseinandersetzung mit Kohl. Durch seine harte Bundesratspolitik zerschmetterte er die Steuerpolitik der damaligen schwarz-gelben Regierung und katapultierte die Sozialdemokraten bekanntlich ins Kabinett.

Jahre später galt er lange als gescheiterter Bundesfinanzminister aus den Anfangsmonaten der Schröder-Regierung. Doch inzwischen hat sich die Interpretation bis weit in die nicht-keynesianische Wirtschaftswissenschaft verändert. Lafontaines Regulierungs- und Koordinierungsprojekte der Finanzpolitik haben eine verblüffende Rehabilitierung erfahren. Und 2005 bewies er abermals Gespür für Gelegenheiten, als er im Frühjahr unter dem Druck der vorgezogenen Bundestagswahlen die damalige WASG und PDS zur Fusion nötigte, auf diese Weise eine bundesweit lebensfähige neue Linkspartei schuf - und im September des gleichen Jahres dadurch die Mehrheit von Merkel und Westerwelle vereitelte. Seitdem sind das klassische Parteiensystem und die überlieferten Koalitionsmechanismen transformiert.

Lafontaine - einer der wenigen Strategen in der deutschen Politik

Eine geringe Leistung ist das nicht. Lafontaine ist unzweifelhaft einer der meistgehassten Politiker der Republik; aber er hat ebenso zweifellos mehr bewirkt und auch politisch-thematisch in Bewegung gesetzt als das Gros seiner Gegner. Aber was will er wirklich? Ist es der große Feldzug zur Vernichtung der Sozialdemokraten, von denen er sich verraten und verlassen fühlt? Oder strebt er die neue Einheit der Linken an, gewissermaßen eine sozialistische Einheitspartei nun auf freiwilliger Basis?

Seine größten Partien spielte Lafontaine, als er den Hegemonisten Kohl erledigte, als er Schröder zur Strecke brachte. Bis spätestens 2013 will er Merkel, Westerwelle und die Rest-Schröder-Truppe vom Spielfeld jagen. Doch: Reicht ihm das, diesem begabten Politiker, der sofort unglücklich oder zumindest gelangweilt wirkt, wenn ihm gelingt, was er sich vorgenommen hat?

Sicher ist Lafontaine einer der wenigen Strategen der deutschen Politik. Er denkt vom Ende her, nicht aus der Situation heraus. 2013 dürfte für ihn ein entscheidendes Datum sein. Bis dahin muss die Republik peu à peu föderal neu aufgestellt werden. Schwarz-Gelb im Bund könnte da aus seiner Perspektive gar nicht schlecht für einen steten Machtwechsel in den Ländern sein, für Rot-Rot in Berlin, im Saarland, in Thüringen, in Brandenburg, später in Mecklenburg-Vorpommern - im Mai 2010, wer weiß, in NRW? Oder hofft Lafontaine doch auf die Große Koalition, denn das könnte die SPD der Aufsteiger-Mitte endgültig zerstören. Welche Linke will er, der bald 70-Jährige? Geht es ihm überhaupt um die Linke?

Man tappt weiter im Dunkeln.

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insgesamt 3476 Beiträge
goethestrasse 30.08.2009
Althaus wurde abgestraft. Die ehemaligen CDU-Wähler lassen sich nicht für dumm verkaufen. Danke dafür !!!! Recht und Anstand sind zwei Paar Schuhe und nicht immer dasselbe. Machtversessenheit verträgt sich in diesem Fall [...]
Althaus wurde abgestraft. Die ehemaligen CDU-Wähler lassen sich nicht für dumm verkaufen. Danke dafür !!!! Recht und Anstand sind zwei Paar Schuhe und nicht immer dasselbe. Machtversessenheit verträgt sich in diesem Fall nicht mit moralischem Gewissen. Auch Thüringen ist kein Testfall für Berlin bzgl. der CDU. Eher bzgl. der Rolle die SPD und Linke ggf. spielen werden.
SaT 30.08.2009
Wer das fröhliche – um nicht zu sagen triumphierende - Gesicht von Steinmeier angesichts der SPD-Ergebnisse in den drei Landtagswahlen (24%, 18%, 10%) sieht kann nur zum Schluss kommen, dass die SPD den Anspruch Volkspartei zu [...]
Wer das fröhliche – um nicht zu sagen triumphierende - Gesicht von Steinmeier angesichts der SPD-Ergebnisse in den drei Landtagswahlen (24%, 18%, 10%) sieht kann nur zum Schluss kommen, dass die SPD den Anspruch Volkspartei zu sein aufgegeben hat.
raess2007 30.08.2009
Habs mir angeschaut. Ich glaub die sind alle drauf. Was soll's gewählt wird am 27.9. Abwarten...
Zitat von SaTWer das fröhliche – um nicht zu sagen triumphierende - Gesicht von Steinmeier angesichts der SPD-Ergebnisse in den drei Landtagswahlen (24%, 18%, 10%) sieht kann nur zum Schluss kommen, dass die SPD den Anspruch Volkspartei zu sein aufgegeben hat.
Habs mir angeschaut. Ich glaub die sind alle drauf. Was soll's gewählt wird am 27.9. Abwarten...
Martin Lösslein 30.08.2009
Was die Wahlen zeigen, ist: Die Wahlbeteiligung war relativ hoch, was zu Verschiebungen nach links führte. Die Nichtwähler wählen deshalb nicht, weil sie links sind und nicht, weil sie desinteressiert sind.
Was die Wahlen zeigen, ist: Die Wahlbeteiligung war relativ hoch, was zu Verschiebungen nach links führte. Die Nichtwähler wählen deshalb nicht, weil sie links sind und nicht, weil sie desinteressiert sind.
littlejon 30.08.2009
Tja, es wird spannend. Vielleicht merkelt die Union jetzt auch mal, dass die heiße Phase des BT-Wahlkampfs längst begonnen hat! Auf der anderen Seite - wenn die CSU so weiter macht wie bisher, schaffen Seehofer/Dobrindt [...]
Zitat von sysopIn Thüringen, Sachsen und im Saarland wurde der Landtag gewählt. Wie bewerten Sie die Ergebnisse im Hinblick auf die Bundestagswahl im September? Diskutieren Sie mit!
Tja, es wird spannend. Vielleicht merkelt die Union jetzt auch mal, dass die heiße Phase des BT-Wahlkampfs längst begonnen hat! Auf der anderen Seite - wenn die CSU so weiter macht wie bisher, schaffen Seehofer/Dobrindt entweder alle Voraussetzungen für RRG, oder zumindest für die Fortsetzung der allseits beliebten GroKo.
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Zum Autor
Uni Göttingen
Franz Walter, Jahrgang 1956, ist Parteienforscher und lehrt Politikwissenschaft an der Universität Göttingen. Seit März 2010 leitet er das Göttinger Institut für Demokratieforschung. Walter schreibt regelmäßig für SPIEGEL ONLINE.






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