Berlin - Sie griffen am helllichten Tag zu: Am 8. Juli 1952 wird Walter Linse auf offener Straße in Lichterfelde von Stasi-Leuten überwältigt und nach Ost-Berlin entführt. Der Anwalt und SED-Kritiker hatte immer wieder gegen Menschenrechtsverletzungen in der DDR protestiert. 1953 wird Linse in Russland hingerichtet.
Der Fall ist eines der vielen Verbrechen des SED-Regimes. Einer Studie zufolge hat die DDR-Staatssicherheit mehr als 400 Menschen aus dem Westen entführt oder in den Osten gelockt und dann an einer Rückreise gehindert. Es habe rund hundert gewaltsame Entführungen überwiegend aus West- nach Ost-Berlin gegeben, sagte die Historikerin Susanne Muhle am Freitag in Berlin.
In den anderen Fällen seien Menschen aus Westdeutschland etwa mit dem Hinweis auf eine angebliche Erkrankung eines Verwandten in den Osten gelockt und dort festgehalten worden. Es habe sich um Angehörige westlicher Geheimdienste oder prominente Antikommunisten gehandelt.
"Die Zahlen beruhen auf Dokumenten der Polizei in West-Berlin und eigenen Forschungen", sagte Muhle, die in Münster Geschichte studiert und sich für ihre Dissertation mit dem Thema beschäftigt hat. Die Arbeit, die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützt wurde, solle Ende dieses Jahres vorliegen. Der "Mitteldeutschen Zeitung" sagte die 29-Jährige, dass es die meisten Verschleppungen in den fünfziger Jahren gegeben habe.
hen/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Stasi | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH