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10.09.2009
 

Unverständliche Parteiprogramme

Wahlkampf mit Wortmonstern

Von Markus Verbeet

Wahlprogramme: Wortwolken und Wichtigtuer
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SPIEGEL ONLINE

Was wollen SPD, CDU und Co. eigentlich? Sprachforscher haben jetzt versucht, die Kurzprogramme der Parteien zu verstehen. Gar nicht so einfach - denn die Wahlkämpfer lieben Schachtelsätze. Am besten fasst noch die Linke ihre Anliegen zusammen. Sie formuliert fast auf "Bild"-Niveau.

Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man vermutlich lachen. Was sind das für Wortungetüme: Die "Abflachung des Mittelstandsbauchs" fordert die Union, und Die Linke will eine "Effizienzrevolution, eingebettet in alternative Lebensstile". Die FDP hingegen stellt wichtigtuerisch fest: "Terrorismusbekämpfung ist eine Querschnittsaufgabe."

Doch leider ist es ernst, sehr ernst. Denn die Wörter sollen Wirklichkeit werden. Sie stammen aus den Programmen der Parteien für die Bundestagswahl. Sie erklären also - in der Theorie - die Pläne der Politiker, damit die Bürger vergleichen können. In der Praxis geht das gründlich schief. "Die Parteien geben sich wenig Mühe, den Wählerinnen und Wählern ihre Politik verständlich zu machen", heißt es in einer Studie von Sprachforschern. "Ohne ein hohes Bildungsniveau oder politisches Fachwissen sind die Inhalte der Bundestagswahlprogramme für die Wählerinnen und Wähler nur schwer zugänglich."

Ein Kommunikationsdesaster also - das hatten die Forscher der Universität Hohenheim und des Communication Lab in Ulm bereits vor einigen Wochen diagnostiziert. Zu viele Sätze in den Wahlprogrammen waren lang und verschachtelt, zu viele Wörter unverständlich, zu viele Formulierungen mehrdeutig. Vor allem Die Linke schnitt schlecht ab: Das Wahlprogramm erzielte nur 6,5 von 20 Punkten auf der "Verständlichkeitsskala" der Forscher. Es sei "nicht sehr viel leichter zu lesen als eine Doktorarbeit in Politikwissenschaft", so die Studie. Soweit, so schlecht.

Jetzt haben die Forscher erneut gemessen. Sie haben sich die Kurzprogramme vorgenommen, die alle großen Parteien vorgelegt haben. Diese verknappten Versionen sind deutlich dünner als die Originalprogramme. Aber sind sie auch verständlicher? Die Ergebnisse der neuen Studie, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt, zeigen: Die Parteien haben dazugelernt, die Kurzprogramme sind einfacher zu lesen.

Auf der Verständlichkeitsskala liegt die Linke vorn

Vor allem Die Linke schafft es jetzt, ihre Anliegen an die potentiellen Wähler zu bringen. Auf der "Verständlichkeitsskala" liegt das Kurzprogramm bei 16,4 von 20 Punkten - die "Bild"-Zeitung ist mit ihren Politik-Beiträgen nur unwesentlich besser. Die Grünen erreichen mit ihrem Kurzprogramm 14,4 Punkte. Die anderen Parteien bleiben deutlich dahinter: Die FDP liegt bei 11,5 Punkten, Union und SPD kommen auf 11,3 Punkte.

Die Forscher erfassten für ihre Analyse unter anderem die durchschnittliche Satz- und Wortlänge sowie den Anteil der Schachtelsätze und der Sätze mit mehr als 20 Wörtern. "Das Verfahren basiert auf einer langen Forschungstradition, vor allem in den USA", sagt Co-Autor Jan Kercher, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Über die inhaltliche Qualität der Programme sagen die Auswertungen natürlich nichts.

Aber klar ist auch, dass die schlaueste Idee nichts nutzt, wenn keiner sie versteht.

Die Forscher haben nicht nur die "formale Verständlichkeit" untersucht, sondern auch nach besonders häufig verwendeten Wörtern gesucht:

  • "Bei den Begriffen setzen CDU und CSU wieder auf Patriotismus und spielen insbesondere die ,Deutschland'-Karte", heißt es in ihrer Analyse.
  • Die SPD habe sich im Kurzprogramm "für keinen eindeutigen begrifflichen Schwerpunkt entscheiden" können.
  • Bei der FDP fiel vor allem das Wort "mehr" auf,
  • die Grünen hingegen wollen offenbar in erster Linie "Freiheit".

Bei ihrer Begriffsanalyse fanden die Forscher auch einen möglichen Grund dafür, dass Die Linke ihr Kurzprogramm so verständlich halten konnte: "Die Linke schließlich setzt in ihrem offiziellen Kurzprogramm vor allem auf ein Thema: sich selbst."

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insgesamt 26 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.09.2009 von olleolaf: Nunja,

Parteiprogamme, Wahlkampf + sowie Versprechen etc. nach der Wahl sind witzig. Nachdem man sich dann zum Gewinner erklärt hat, kommen Sprüchen wie: Wir konnten der/dem Wähler/In nicht vermitteln etc., blabla. Gemeint ist dann [...] mehr...

11.09.2009 von saul7: Wenn

es darum geht, in kurzen Worten ein Parteiprogramm "rüber zu bringen", dann sind Schachtelsätze durchaus hilfreich. Dass die nicht von allen Wählern verstanden werden, ist den Politikern eh wurscht. Wie sagte schon [...] mehr...

11.09.2009 von link121: Für mich ein Skandal- Medien gegen die linke

Es ist einfach nur lächerlich wie die Medien gegen die linke wettern. kleines beispiel gefälligst? http://magazine.web.de/de/themen/bundestagswahl/hintergrund/8800454-Wahlprogramme-kaum-zu-verstehen,pd=2.html der link zeigt [...] mehr...

10.09.2009 von myspace: #

Was gibt's da falsch zu verstehen, die Linke will erreichen daß alle reich werden. Die Linke nimmt sich selbst nicht ernst - da finde ich die FDP noch schlimmer, die vertreten ihre illusorischen Versprechen mit vollem Ernst. mehr...

10.09.2009 von samiroquai: Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Sehr gut, da hab ich echt lachen müssen über Ihr Seifensystem. Was Sie auch sehr gut zeigen, ist, wie einfach es eben sein kann, im Prinzip nichts zu sagen, aber mit vielen hochtrabenden Formulierungen. Zufällig haben Sie diesen [...] mehr...

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