Von Lisa Erdmann
Hamburg - Um Punkt 20.30 Uhr schalteten die vier Fernseh-Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 zusammen. Auf allen Kanälen zu sehen: Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier, beide im schwarzen Anzug hinter grauen Stehpulten. Ihnen gegenüber die vier Moderatoren Frank Plasberg, Peter Limbourg, Maybrit Illner und Peter Kloeppel.
Der SPD-Kanzlerkandidat durfte wie vereinbart zuerst das Wort ergreifen - und Steinmeier tat das mit einem Lachen. Auf die Frage von Plasberg, warum Angela Merkel nach der Wahl nicht mehr im Kanzleramt sitzen sollte, sagte er: "Weil es eine bessere Alternative gibt, nämlich mich." Bei Merkels erster Antwort gab es gleich den ersten Schlagabtausch - allerdings nicht mit Steinmeier, sondern mit Maybrit Illner. Die Moderatorin wollte Merkel zu einem ersten Angriff provozieren. Doch die Kanzlerin wollte die Frage, warum Steinmeier der schlechtere Kanzler wäre, nicht direkt beantworten. "Ich beantworte die Fragen so, wie ich es mir vorgenommen habe." Sie beharrte darauf, dass sie in den vergangenen vier Jahren sehr gut in der Großen Koalition mit Steinmeier zusammengearbeitet habe. Allerdings sprach sie sich auch klar für ein Ende der schwarz-roten Koalition und einen Regierungswechsel aus.
| Merkel gegen Steinmeier: ARD-Umfrage zum Duell | ||
| Merkel | Steinmeier | |
| überzeugender | 42 | 43 |
| überzeugender bei unentschiedenen Wählern | 37 | 45 |
| besser als erwartet | 18 | 64 |
| schlechter als erwartet | 39 | 15 |
| sympathischer | 39 | 40 |
| angriffslustiger | 13 | 55 |
| verständlicher | 34 | 36 |
| bessere Argumente | 34 | 41 |
| glaubwürdiger | 42 | 37 |
| fairer | 30 | 9 |
| kompetenter | 51 | 31 |
| ist/wäre guter Kanzler | 78 | 56 |
| Merkel gegen Steinmeier: ZDF-Umfrage zum Duell | ||
| Merkel | Steinmeier | |
| besser geschlagen hat sich... | 28 | 31 |
| ...unter unentschiedenen Wählern | 18 | 34 |
| ...bei Unionswählern | 57 | 5 |
| ...bei SPD-Wählern | 4 | 64 |
| ...bei Männern | 24 | 37 |
| ...bei Frauen | 33 | 26 |
| ...bei unter 35-Jährigen | 34 | 37 |
| ...zwischen 35 und 59 | 26 | 34 |
| ...bei über 59-Jährigen | 30 | 27 |
| besser als erwartet | 10 | 51 |
| schlechter als erwartet | 21 | 10 |
| wie erwartet | 69 | 38 |
| Meinung verbessert | 13 | 47 |
| Meinung verschlechtert | 10 | 8 |
| Meinung unverändert | 77 | 44 |
| glaubwürdiger | 33 | 25 |
| sympathischer | 33 | 30 |
| zeigte mehr Sachverstand | 30 | 23 |
| kann besser Jobs schaffen | 37 | 15 |
| lieber als Kanzler - vor Duell | 64 | 29 |
| lieber als Kanzler - nachher | 55 | 38 |
| Angaben in Prozent, Quelle: Forschungsgruppe Wahlen | ||
In den ersten 20 Minuten blieb es dabei, dass Merkel sich immer wieder mit den Moderatoren beharkte. Sie wich in ihren Antworten häufiger aus und beharrte bei Nachfragen der Journalisten darauf, dass sie ausreden möchte. Zum Thema Finanzkrise forderte sie noch einmal Regeln für die internationalen Finanzmärkte. Der Staat sei der "Hüter der Ordnung", dies sei international "grob vernachlässigt" worden.
In dem weitgehend sachlich geführten Schlagabtausch betonten beide besonders ihre Unterschiede, wie mit der Finanz- und Wirtschaftskrise umgegangen werden soll. Merkel forderte, dass das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft möglichst international stärker Fuß fassen müsse. Steinmeier reklamierte dagegen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft. Er warf der Union vor, bei der Begrenzung von Managergehältern sowie von Boni und Abfindungen nur halbherzig zu handeln.
Eine deutliche Meinungsverschiedenheit zwischen beiden trat auch beim Thema Mindestlohn auf. Steinmeier breitete erneut die Position der SPD aus. Man müsse die Lohnspirale nach unten aufhalten. Die Praxis in anderen Ländern wie in Großbritannien habe gezeigt, dass über flächendeckende Mindestlöhne keine Arbeitsplätze verloren gehen. Merkel hielt dagegen. "Dadurch gehen Arbeitsplätze verloren", erklärte sie.
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Seinen ersten scharfen Angriff auf die Union führte Steinmeier beim Thema Opel. "Stellen Sie sich vor, Schwarz-Gelb hätte regiert - dann wäre Opel mausetot." Merkel billigte ihrem Herausforderer durchaus zu, bei der Opel-Rettung seinen Anteil gehabt zu haben: "Wie Sie das getan haben, Herr Steinmeier." Aber seinen Angriff wies sie zurück. Mehrere Landesregierungen aus Union und FDP hätten sich um die Rettung von Opel verdient gemacht.
Klare Unterschiede zeigten die Kontrahenten auch in Punkto Atomkraft. Merkel verteidigte die Kernenergie als "Brückentechnologie". Eine Zeit lang sei sie noch nötig. Energie müsse effizienter werden und die Preise akzeptabel. Steinmeier verwies dagegen auf die Pannen im Atomkraftwerk Krümmel und auf die in Salzlauge schwimmenden Fässer im maroden Atommülllager Asse. "Das ist alles der falsche Weg", hob er hervor und fügte hinzu: "Es muss beim Atomausstieg bleiben."
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Zehn Minuten vor Schluss sprach Merkel Steinmeier erstmals direkt an. Sie warf ihm vor, auf der einen Seite Schwarz-Gelb zu verteufeln und auf der anderen Seite nach der Wahl auch durchaus mit den Liberalen koalieren zu wollen.
Ein wirkliches Duell war es bis zum Schluss nicht. Eher eine sachliche Diskussion bei der man beiden Rednern durchaus Respekt für den anderen anmerkte. Persönliche Angriffe blieben aus, ebenso wie abschätzige Blicke für den jeweils anderen. Klare nüchterne anderthalb Stunden. Am Ende wunderte es nicht, dass Steinmeier zu Anfang der Runde erklärte, die beiden duzten sich auch nach vier Jahren gemeinsamer Arbeit nicht. Dafür zeigten sich beide zu zurückhaltend.
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"Eine gute Rede soll das Thema erschöpfen, nicht die Zuhörer."" mehr...
Wusste gar nicht, dass der Kompromiß aus 0% + 2% = 3% gibt, aber naja.. Gut, mit dem Politiker-Einmal-Eins tue ich mich ein bißchen schwer, die haben anscheinend immer noch ein paar versteckte Unbekannte in der Rechnung. [...] mehr...
Das Merkelchen hat sich gehör verschafft? Für was denn? Wollte sie etwa was sagen was noch niemand weiß? Ich hab nichts gehört. Journalisten,oder Moderatoren sollen das gewesen sein,gleich im Vierer-Pack,aber denen war [...] mehr...
Das Merkelchen hat sich gehör verschafft? Für was denn? Wollte sie etwa was sagen was noch niemand weiß? Ich hab nichts gehört. Journalisten,oder Moderatoren sollen das gewesen sein,gleich im Vierer-Pack,aber denen war [...] mehr...
Die CDU wollte damals 2% Erhöhung, wie man dann mit der 0% Erhöhung der SPD auf den Kompromiß von 3% kommt, ist mir immer noch unverständlich. mehr...
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