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14.09.2009
 

Analyse des TV-Duells

Steinmeier überrascht die Wähler - ein bisschen

Von Philipp Wittrock

Wahlkampf im Fernsehen: So lief das TV-Duell
Fotos
DPA / ARD

Auf das Duell folgt der Kampf um die Deutungshoheit: "Klarer Sieg für uns", jubeln Union und SPD nach dem TV-Duell. "Unentschieden", urteilen die Wähler. Immerhin, Frank-Walter Steinmeier hat viele Zuschauer positiv überrascht. Reicht das für die Wende?

Berlin - Schlussworte, Verabschiedung, Handschlag - und los ging das Rennen um die Deutungshoheit. Kaum war das Duell zwischen Kanzlerin und Herausforderer am Sonntagabend vorbei, da schwärmten sie auch schon aus, die Strategen, die spin doctors von Union und SPD. Die Botschaft, die sie unters Volk bringen wollten, stand natürlich schon vorher fest: klarer Sieg!

Franz Müntefering, der schon in den vergangenen Wochen durch mutige Aussagen ("Merkel kann schon mal die Koffer packen") aufgefallen war, sollte der Erste sein. "Das war ein Durchbruch in diesem Wahlkampf", jubelte der SPD-Chef unmittelbar nach dem Streitgespräch. Es habe, da ist sich Müntefering ganz sicher, bisher noch kein Fernsehduell gegeben, bei dem sich einer der Kandidaten so klar durchgesetzt habe. In der ARD freute sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit über "Rückenwind", und Generalsekretär Hubertus Heil verkündete über Twitter: "Frank Steinmeier ist der bessere Kanzler. Das ist heute klar geworden."

Wenig überraschend: Die CDU sieht das genau andersherum. Überzeugender und souveräner fand Unionsfraktionschef Volker Kauder seine Parteichefin. Der Herausforderer habe sich darin erschöpft, gegen etwas zu sein. "Das reicht für einen Kanzler nicht." Steinmeier stehe für unsichere politische Experimente und fehlende Glaubwürdigkeit, mäkelte auch Generalsekretär Ronald Pofalla. Merkel dagegen habe "noch einmal eindrucksvoll gezeigt, dass sie bereit ist, vier weitere Jahre Verantwortung für Deutschland zu übernehmen". Sie habe Steinmeier "auf Abstand gehalten", freute sich Pofalla.

Steinmeier punktet

Mehr wollte sie wohl nicht, mehr schaffte sie auch nicht. Denn in den Blitzumfragen, die die großen Meinungsforschungsinstitute schon kurz nach dem Duell vorlegten, stand unter dem Strich zwar ein Unentschieden. Doch die Zahlen der Demoskopen zeigen auch: Merkel hat aus der Sicht der Befragten nicht gerade geglänzt. Steinmeier dagegen hat sich nicht nur achtbar, sondern gut geschlagen, mitunter sogar besser, als viele vor dem Duell erwartet hatten.

In der Endabrechnung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF sahen 31 Prozent der Befragten den SPD-Spitzenkandidat vorn, 28 Prozent fanden Merkel besser, 40 Prozent konnten keinen Sieger erkennen. Die Meinungsforscher von Infratest dimap ermittelten für die ARD nach dem 90-minütigen Duell einen Sieg von 43 zu 42 Prozent für Steinmeier - demoskopisch ein Remis. Ähnliches gilt für die Werte von Forsa, wenn hier auch die Amtsinhaberin knapp vorn liegt: Nach der Erhebung für RTL stimmten 37 Prozent für Merkel, 35 Prozent für Steinmeier.

Die interessanteren Werte finden sich im Detail. So ermittelte die FG Wahlen, dass unter den unentschiedenen Wählern Steinmeier mit 34 zu 18 Prozent vor Merkel liegt. Auch hat der Außenminister bei 51 Prozent der Zuschauer einen besseren Eindruck hinterlassen, als sie vorher erwartet hatten. Das sagten nur zehn Prozent über die amtierende Bundeskanzlerin. Auch in der Kanzlerfrage konnte der Vize aufholen: Wollten ihn vor der Sendung nur 29 Prozent als Regierungschef (Merkel: 64), waren es im Anschluss 38 (Merkel 55).

Einfluss auf Wahlentscheidung ungewiss

Auch in der Erhebung von Infratest dimap schnitt Steinmeier für viele Wähler besser ab als erwartet. 64 Prozent waren positiv überrascht, nur 15 Prozent sahen Steinmeier unter seinen Möglichkeiten. Bei Merkel war es umgekehrt. 39 Prozent fanden, sie habe schlechter und 18 Prozent, sie habe besser als zuvor gedacht abgeschnitten.

In der Forsa-Umfrage fanden zwar mehr Zuschauer Steinmeier sympathischer, auch wurden ihm die besseren Argumente zugesprochen. Doch auf die entscheidende Frage, wer denn nun kompetenter und besser geeignet sei, das Land zu führen, antworteten 58 Prozent: Merkel. Der Vizekanzler liegt abgeschlagen bei 28 Prozent.

Ob all diese Eindrücke aus den 90 Minuten am Sonntagabend am Ende tatsächlich Einfluss auf die Wahlentscheidung haben, ist ungewiss. In einer Forsa-Umfrage gaben immerhin 14 Prozent der 2000 befragten Zuschauer an, das Duell habe sich auf ihre Entscheidung ausgewirkt, 84 Prozent verneinten das. Das ist zwar die überwiegende Mehrheit - Meinungsforscher haben jedoch schon vor dem Duell darauf hingewiesen, dass am 27. September auch ein paar hunderttausend Stimmen darüber entscheiden könnten, zu welcher Regierungskonstellation es reicht. Der Vorsprung für Merkels Wunschkonstellation Schwarz-Gelb jedenfalls wackelte zuletzt in den Umfragen.

Schelte aus der Opposition

Vielleicht ärgerte sich Guido Westerwelle auch deshalb darüber, dass die Kanzlerin sich am Abend nicht eindeutiger zu einem Bündnis mit der FDP bekannte. Er hätte gerne danebengestanden und sich ganz klar für Schwarz-Gelb ausgesprochen, klagte der Liberalen-Chef am späten Abend im Sender Sat.1.

Westerwelle hatte schon im Vorfeld wiederholt kritisiert, dass überhaupt ein Duell zwischen der Regierungschefin und ihrem Stellvertreter angesetzt wurde. Angesichts der Großen Koalition forderte er, stattdessen die Opposition in einer Spitzenrunde einzubinden. In diesem Sinne ätzte Westerwelles Generalsekretär Dirk Niebel einmal mehr über das "Selbstgespräch" der Regierung. Seine Wertung ein 0:0, weil "keiner auf ein Tor geschossen" habe.

"Viel Lärm um nichts" und einen "großen Einheitsmischmasch" erkannte Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, dazu den Wunsch, die Große Koalition fortzuführen. Diese "klare Signal" sah auch Dietmar Bartsch, der Bundesgeschäftsführer der Linken, er lästerte im ZDF über einen "langweiligen Abend" ohne wirkliche Kontroverse. Steinmeier habe sich nicht als Alternative zu Merkel präsentiert, sondern sich nur "als Vizekanzler beworben".

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22.09.2009 von H. Krämer: Politiker-Einmal-Eins

Wusste gar nicht, dass der Kompromiß aus 0% + 2% = 3% gibt, aber naja.. Gut, mit dem Politiker-Einmal-Eins tue ich mich ein bißchen schwer, die haben anscheinend immer noch ein paar versteckte Unbekannte in der Rechnung. [...] mehr...

21.09.2009 von bosemil: Das war angeblich ein Duell ?

Das Merkelchen hat sich gehör verschafft? Für was denn? Wollte sie etwa was sagen was noch niemand weiß? Ich hab nichts gehört. Journalisten,oder Moderatoren sollen das gewesen sein,gleich im Vierer-Pack,aber denen war [...] mehr...

21.09.2009 von bosemil: Das war angeblich ein Duell ?

Das Merkelchen hat sich gehör verschafft? Für was denn? Wollte sie etwa was sagen was noch niemand weiß? Ich hab nichts gehört. Journalisten,oder Moderatoren sollen das gewesen sein,gleich im Vierer-Pack,aber denen war [...] mehr...

21.09.2009 von klauss53:

Die CDU wollte damals 2% Erhöhung, wie man dann mit der 0% Erhöhung der SPD auf den Kompromiß von 3% kommt, ist mir immer noch unverständlich. mehr...

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