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17.09.2009
 

Wahlkampfauftritt

SPD-Liebling Wowereit kokettiert mit K-Frage

Von Annett Meiritz

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit: "Wie ist die Stimmung?"Zur Großansicht
dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit: "Wie ist die Stimmung?"

Lässig wie ein Barkeeper, unterhaltend wie ein Showmaster, beliebt wie ein Popstar: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit könnte bald den Sprung in die Bundespolitik schaffen. Sogar als Kanzlerkandidat wird er gehandelt - was dem Hauptstadtchef offensichtlich gefällt.

Hamburg - Ein roter Teppich ist nirgendwo in Sicht, aber den braucht Klaus Wowereit auch gar nicht. Kaum betritt er den Raum, kommt Stimmung auf. "Wooowi", quiekt ein Mädchen, keine 18 Jahre, im Mundwinkel klemmt eine Lollikugel. Ihr junger Begleiter probiert einen Zwei-Finger-Pfiff. Das ist nicht unbedingt typisch für einen Diskussionsabend zum Thema "Soziale Stadt im 21. Jahrhundert".

Berlins Regierender Bürgermeister ist zu Gast in Hamburg-Ottensen, er trifft sich zur Podiumsrunde mit Olaf Scholz, Arbeitsminister im Kabinett Merkel und Direktkandidat für den Bezirk Altona. Im Kulturzentrum "Fabrik" unterstützt Wowereit seinen Parteifreund im Wahlkampf. Eingeladen wird er gern, denn ob Bayern, Hessen oder Rheinland-Pfalz - der Hauptstadtchef sorgt für ein volles Haus.

Es gab im Sommer diese Umfrage, in der Wowereit zum Favoriten für die SPD-Spitze gekürt wurde. Scholz landete hinter ihm, ebenso Umweltminister Sigmar Gabriel und die Vizevorsitzende Andrea Nahles. Auch im SPIEGEL-Ranking der beliebtesten Politiker überholt Wowereit immer wieder den Großteil der Minister. Obwohl er gar kein bundespolitisches Amt bekleidet. Im August kam er auf Rang acht, nur einen Platz hinter Steinmeier.


Sein medialer Dauereinsatz hilft sicherlich. Ob bei der Berlinale-Eröffnung, beim Kuchenanschneiden im KaDeWe, auf dem Presseball, im Auswertungstalk zum Kanzlerduell oder auf der "Wetten, dass...?"-Couch: Wowereit ist überall.

In Ottensen schwingt er sich ans Rednerpult und ruft: "Wie ist die Stimmung in Hamburg?" Wo gerade noch ein durchschnittliches Wochentagspublikum saß, sitzen jetzt Fans. "Guuut!", rufen sie im Chor. Der Regierende Bürgermeister flachst, das gehe jawohl besser, er wiederholt seine Frage und erntet entzücktes Gejohle.

"Dieses System ist pervers"

Man könnte glatt vergessen, dass da ein Politiker steht. Bis Wowereit in den Wahlkampfmodus schaltet. Er spricht über Lehren aus der Krise, über "Moral und Anstand in der Wirtschaft", über ungerechte Bildungspolitik und Parallelgesellschaften. Er schimpft auf überzogene Gewinnerwartungen und Managergehälter ("Dieses System ist pervers"), fordert eine Moraldebatte und Mindestlöhne.

Im Saal sind 300 Menschen, viele müssen stehen. Es gibt Marktplatzreden der Kanzlerkandidaten, die weniger gut besucht sind. Ebenso wie Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier arbeitet sich Wowereit im Turbotempo durch alle Wahlkampfthemen, dampft das Parteiprogramm auf 20 Minuten ein, Fallbeispiele inklusive. Auch die eigenen Reihen bekommen Kritik ab: "Ich bedaure, dass das Thema wieder auf die Tagesordnung gekommen ist", sagt er zum jüngsten Gedankenspiel von SPD-Vizechef Peer Steinbrück. Der Finanzminister hatte am Dienstag eine Neuauflage der Großen Koalition ins Gespräch gebracht und damit seine Partei verstört.

Der Hauptstadtkönig ist in seinem Element, und das sieht man auch: Gut gebräunt, der Anzug sitzt, sogar die merkwürdige Ponyfrisur, die er am Duellsonntag bei "Anne Will" trug, ist korrigiert. Während Zuschauer Fragen stellen, macht er sich Notizen. Und bekommt es selbst dann hin, nicht wie ein Studienrat zu wirken. Weil er seine Gedanken nicht auf einen schnöden Zettelblock schreibt, sondern auf eine Postkarte mit dem Hauptstadt-Slogan "be Berlin".

Die Frage nach der Kanzlerschaft

Seit acht Jahren steht Wowereit an der Spitze Berlins, gilt gemeinsam mit Scholz, Nahles oder Gabriel als "Führungsreserve" der SPD. Selbst wenn sich die Sozialdemokraten nach der Bundestagswahl wieder in eine Große Koalition retten sollten, würde die Frage nach künftigem Führungspersonal und die Debatte um eine rot-rote Machtoption nur vertagt. Immer wieder wird er als möglicher Kanzlerkandidat für 2013 gehandelt.

Bisher schweigt Wowereit über seine bundespolitischen Ambitionen, aber er tut es so nonchalant wie kaum jemand. "Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich nicht mehr viel über berufliche Perspektiven nachdenke", sagt er an diesem Abend. Wowereit ist 55, zwei Jahre älter als Steinmeier. Sein Job mache ihm Spaß, das sehe man doch wohl, oder?

Der Frage eines Zuschauers nach Wowereits Zukunft in der SPD weicht er, wie häufig, mit einem zweideutigen Spruch aus: "Nur eines kann ich Ihnen sagen: 2013 bin ich auf jeden Fall in Berlin." Dann schüttelt er geduldig Dutzende Hände, lässt sich fotografieren und filmen, schreibt Autogramme.

"Ich habe die Frage bewusst nicht beantwortet", erklärt er nach der Veranstaltung und lächelt, "das sollte auch so sein - eindeutig uneindeutig sozusagen." Schon lange vor dem Superwahljahr und dem Umfragetief für die SPD wurde über seine Absichten spekuliert. Ist das nicht ganz schön schmeichelhaft? "Bedingt", sagt Wowereit, "nicht wenn solche Spekulationen dafür eingesetzt werden, Frank-Walter Steinmeier zu schaden."

Zehn Tage vor der Bundestagswahl ist das die einzig richtige Antwort.

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Was meint Ihr, wenn das Thema Chemtrails in den Walkampf gekommen wäre, wie die Wahl dann augegangen wäre? Googelt mal unter Chemtrails-Nebenwirkungen - das ist interessant! MfG Kro70 mehr...

27.09.2009 von Spessartplato:

Ich beneide Sie um diesen erfrischenden, absolut der Wahrheit entsprechenden Beitrag! Ich denke, Lafontain wäre wirklich der einzige, der Ackermann n i c h t anruft, allerdings auch von Ackermann im Fall des Falles nicht [...] mehr...

27.09.2009 von Spessartplato:

Kompliment-Sie sind ein intelligenter Rentner! Sie lassen sich weder vom "C" der CDU noch vom "S" der SPD vera... Auch ich habe für "Frischen Wind" gestimmt-die Heuchelei der letzten Jahre treibt [...] mehr...

27.09.2009 von rolfvonsylt: Schönes Wetter

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