Mittwoch, 10. Februar 2010

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Bekkay Harrach

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20.09.2009
 

Terror-Video

Bonner Qaida-Kader ruft zum militanten Dschihad auf

Von Yassin Musharbash

Botschaft von al-Qaida: In vier Videos droht Abu Talha Deutschland
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AFP

Botschaft von al-Qaida: In vier Videos droht Abu Talha Deutschland

Neue Botschaft von Bekkay Harrach: Zwei Tage nach seiner Anschlagsdrohung gegen Deutschland hat sich der Bonner Islamist mit einem weiteren Propagandabeitrag zu Wort gemeldet. Allerdings richtet dieser sich nicht an die deutsche Öffentlichkeit, sondern soll deutschsprachige Muslime zum militanten Dschihad bewegen.

Berlin - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen eine Propagandabotschaft in deutscher Sprache abgesetzt. Das zweite Band wurde am Sonntagmorgen von al-Qaidas Medienabteilung al-Sahab im Internet veröffentlicht. Sprecher ist erneut der aus Bonn stammende und im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vermutete Deutsch-Marokkaner Bekkay Harrach.

Am Freitag hatte Harrach in einem spektakulären Drohvideo Terroranschläge in Deutschland innerhalb von 14 Tagen nach der Bundestagswahl angekündigt, falls der Ausgang der Wahl nicht ein Signal für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan enthalte. Diese Botschaft hatte sich explizit an die deutsche Öffentlichkeit gerichtet.

Die neue Botschaft vom Sonntag dagegen adressiert offenbar deutschsprachige Muslime und soll sie zum militanten Dschihad motivieren. Auch diese Rede liegt SPIEGEL ONLINE vor. Sie ist 39 Minuten lang. Deutsche Sicherheitsbehörden bestätigten die Existenz der Botschaft und werten sie zurzeit aus.

Die Rede vom Sonntag trägt den Titel "O Allah, ich liebe Dich". Es handelt sich um eine Erbauungspredigt, in der Harrach eine Art inneren Monolog eines zweifelnden Muslims aufführt, der am Ende seiner Überlegungen zu der Überzeugung gelangt, zu den Waffen greifen zu müssen. Sie enthält keine neuerlichen Terrordrohungen gegen Deutschland.

Al-Qaida will Druck aufbauen - und potentielle Rekruten ansprechen

Harrach spricht in der Rede zwar in der Ich-Form ("Ich habe gesündigt, die Sünden machen mir zu schaffen …"), aber es ist offensichtlich, dass er nicht seine persönlichen Gedanken abbildet. Stattdessen versucht er in der fast schon literarischen Rede darzulegen, dass auch ein Muslim, der die religiösen Gebote nicht einhält und schwere Sünden begangen hat, ein guter Mudschahid sein kann. Ja sogar, dass der militante Dschihad diese Sünden tilge. Harrach führt Beispiele von Dschihad-Kämpfern aus der islamischen Geschichte an, die Alkoholiker waren oder andere Sünden begangen hatten. Es handelt sich mithin um einen Dschihad-Aufruf, nicht um ein neues Drohvideo.

Harrach hat in der Form ähnliche Ansprachen bereits vor Jahren ins Internet gestellt, lange bevor er sich an den Hindukusch aufmachte. Einige dieser frühen Predigten liegen SPIEGEL ONLINE vor.

Mit dieser zweiten Veröffentlichung innerhalb von drei Tagen beabsichtigt al-Qaida offensichtlich zweierlei: Zum einen soll der durch das Drohvideo vom Freitag aufgebaute Druck aufrechterhalten werden; zum zweiten wird diesmal die im ersten Video fast gar nicht enthaltene Ansprache an die potentiellen Rekruten nachgeholt.

Bekkay Harrach ist nach den Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden durchaus ernst zu nehmen, er wird der mittleren Führungsebene des Terrornetzwerks zugerechnet und soll in die Planung von Anschlägen im Ausland involviert sein.

"Grund zur Panik besteht nicht"

Im Gegensatz zu der Aufnahme vom Freitag enthält die vom Sonntag keine Bewegtbilder, sondern lediglich eine Tonspur und ein Standbild Harrachs, das ihn vermummt zeigt. Am Freitag hatte er erstmals sein Gesicht gezeigt, und sich zudem in einem Anzug und mit Krawatte präsentiert - vermutlich in dem Bestreben, als eine Art Unterhändler al-Qaidas ernst genommen zu werden.

Eine unabhängige Bestätigung für die Authentizität der zweiten Harrach-Botschaft von diesem Wochenende steht noch aus. Allerdings sprechen Veröffentlichungsort und -modus sowie Stimme und Tonfall des Sprechers dafür. Eine eindeutige Datierung der Aufnahme ist nicht möglich, der einzige Hinweis ist, dass der Ramadan kurz bevorstehe. Bezieht sich diese Aussage auf das laufende Jahr, wäre sie wohl wenige Wochen alt.

Politiker verschiedener Parteien warnten indes vor Panikmache. "Ihr könnt machen, was Ihr wollt. Wenn wir Euch erwischen, stecken wir Euch hinter Schloss und Riegel. Unterschätzt uns nicht", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble der "Leipziger Volkszeitung" an die Adresse islamistischer Extremisten. Die Bundesregierung werde das Menschenmögliche tun, um Anschläge zu verhindern. Aber selbst wenn ein Anschlag passiere, ändere dies nichts. "Wir lassen uns doch nicht von Al Kaida oder von Herrn Bin Laden vorschreiben, wen wir wählen", sagte der CDU-Politiker.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte, es gebe "keine speziellen, konkreten Drohungen gegen bestimmte Ziele, weder in München, noch in Berlin, Hamburg oder sonst irgendwo". Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sprach von einer "Zuspitzung" der Sicherheitslage in Deutschland. "Grund zur Panik besteht aber nicht", sagt er. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) betonte, al-Qaida gehe es kurz vor der Bundestagswahl um das Schüren von Ängsten. "Wir dürfen uns davon aber nicht einschüchtern und beeinflussen lassen."

"Das ist eine gezielte Ansage vor der Bundestagswahl", sagte der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz. Es werde von den Sicherheitsbehörden alles Menschenmögliche getan, um die Drohungen ins Leere laufen zu lassen.

Mit Material von dpa und AP.

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