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24.09.2009
 

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier

"Noch mal antreten? Aber dann mit Amtsbonus"

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier: "Wende mit dem TV-Duell"Zur Großansicht
ddp

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier: "Wende mit dem TV-Duell"

Rückschläge verkraften, die Partei aufbauen, Zuversicht ausstrahlen: Hinter Frank-Walter Steinmeier liegen harte Monate. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der SPD-Kanzlerkandidat über Wendepunkte im Wahlkampf, "aberwitzige" Steuerpläne von Schwarz-Gelb - und die Schwächen der eigenen Strategie.

SPIEGEL ONLINE: Herr Steinmeier, noch drei Tage bis zur Bundestagswahl - Zeit für ein Resumée. Was war eigentlich Ihr schönster Moment im Wahlkampf?

Steinmeier: Die schönsten Momente sind die Knoten- und Wendepunkte. Ich hab das doch gespürt - wir waren als SPD nach der Europawahl massiv unter Druck. Die Umfragesituation war mies, in der Berichterstattung gab es Klatschen. Das waren harte Wochen.

SPIEGEL ONLINE: Wann kam Ihrer Meinung nach die Wende?

Steinmeier: Spätestens mit dem Fernsehduell. Was mich übrigens nicht überrascht hat: Die inhaltliche Leere der Union hatte ich immer schon kritisiert. Beim Duell konnten sich dann alle Zuschauer davon überzeugen.

SPIEGEL ONLINE: Zumindest gelten Sie als Gewinner des Duells. Gab es bei dem TV-Auftritt einen Moment, bei dem sie merkten: Jetzt läuft's richtig gut?

Steinmeier: Was heißt zumindest? Das Urteil nach dem Duell war doch relativ eindeutig. Fast alle Umfragen haben mich als klaren Sieger gesehen. Entscheidend war vielleicht, dass ich die Unterschiede zu Schwarz-Gelb deutlich gemacht habe, ohne mich von der Regierungsarbeit in der Großen Koalition zu distanzieren.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie falsch gemacht im Wahlkampf?

Steinmeier: Wir hätten vielleicht noch früher, noch entschiedener und geschlossener die SPD-Anteile an der Regierungsarbeit herausstellen sollen. Vernehmlicher noch vor Beginn der heißen Wahlkampfphase. Denn wir haben allen Grund, stolz zu sein. Ohne den Druck der SPD sähe das Land heute anders aus.

SPIEGEL ONLINE: Worauf stolz? Es sieht wirklich nicht danach aus, dass die SPD die Wahl gewinnt.

Steinmeier: Dieses Land sähe nach 12 Monaten Krise ganz anders aus, wenn die SPD nicht Regierungsverantwortung gehabt hätte. Wäre im letzten September Schwarz-Gelb am Ruder gewesen, wäre vieles anders gekommen. Die Verlängerung der Kurzarbeit wäre wohl nicht gekommen, ein Investitionsprogramm für Städte und Gemeinden nicht - und schon gar nicht die Umweltprämie. Finanzminister Peer Steinbrück und ich waren es, die ein Programm gegen die Krise maßgeschneidert haben, das ich als Brücke über die Krise hinweg verstehe.

SPIEGEL ONLINE: Monate von anstrengendem Wahlkampf liegen hinter Ihnen. Würden Sie sich noch einen Anlauf zutrauen?

Steinmeier: Ja. Aber dann mit dem Amtsbonus im Rücken (lacht).

SPIEGEL ONLINE: Schön wär's für Sie! Aber die FDP hat eine Ampel-Koalition ausgeschlossen, für die SPD geht es im Grunde nur noch um eine Neuauflage der Großen Koalition. Reicht das, um die passive Wählerschaft an die Urne zu holen?

Steinmeier: Ich will die unentschlossenen Wähler gewinnen. Ich kenne meine Partei so gut, dass ich sage: Koalitionswahlkämpfe haben die Anhänger noch nie überzeugt. Wahlkampf geht mit der SPD immer dann besonders gut, wenn das Wahlziel ist, eine starke SPD zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Wäre denn eine Neuauflage von Schwarz-Rot für Sie ein Problem?

Steinmeier: Ich führe keinen Wahlkampf für eine Koalition. Mein Ziel ist allein, die SPD so stark wie möglich zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie tatsächlich noch an eine Ampel?

Steinmeier: Was soll ich mir den Kopf der FDP zerbrechen. Ich habe ja nicht ohne Not gesagt: Die FDP hatte mit Hans-Dietrich Genscher den dienstältesten Außenminister der Republik. Es könnte sein, dass Guido Westerwelle der dienstälteste Oppositionspolitiker wird.

SPIEGEL ONLINE: Klingt frustriert.

Steinmeier: Überhaupt nicht. Ich werfe der FDP nicht vor, Beschlüsse nicht ernst zu meinen. Aber das taktische Verhalten der FDP vor den Wahlen nervt mich. Wir müssen unserer demokratischen Verantwortung am Wahltag gerecht werden, eine stabile Regierung zustande zu bringen - und dies unter Auswertung des Ergebnisses. Davor kann keiner weglaufen.

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Frank-Walter Steinmeier, 53, ist Kanzlerkandidat der SPD. In der rot-grünen Bundesregierung leitete der promovierte Jurist von 1999 bis 2005 das Kanzleramt von Gerhard Schröder und wurde anschließend Außenminister der Großen Koalition. Steinmeier ist mit der Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender verheiratet, sie haben eine Tochter.





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