Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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24.09.2009
 

TV-Duell in Schleswig-Holstein

Krach-Kampf der Koalitionsfeinde

Von Christian Teevs

Herausforderer Stegner (l.), Ministerpräsident Carstensen: "Jetzt seien Sie doch mal still!"
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ddp

Herausforderer Stegner (l.), Ministerpräsident Carstensen: "Jetzt seien Sie doch mal still!"

Vier Jahre lang haben Peter Harry Carstensen und Ralf Stegner gemeinsam regiert. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident und sein SPD-Herausforderer lieferten sich beim TV-Duell einen heftigen Schlagabtausch - mit vertauschten Rollen.

Je länger die Sendung dauert, desto schwerer scheint es Ralf Stegner zu fallen, ein freudiges Glucksen zu unterdrücken. Der SPD-Kandidat wirkt höchst zufrieden. Mit sich, mit der Debatte, aber vor allem mit seinem Gegenüber.

Denn Peter Harry Carstensen attackiert. Der CDU-Regierungschef von Schleswig-Holstein unterbricht den Herausforderer, er lässt den Moderator nicht ausreden und greift Stegner persönlich an. Bereits zu Beginn des TV-Duells sagt Carstensen, er habe "kein Problem mit der SPD" gehabt, sondern "ein Problem mit Herrn Stegner". Deshalb habe er die Koalition im Juli aufgekündigt - und er bereue heute nur, dies nicht schon früher getan zu haben.

Am Sonntag wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt, zeitgleich mit der Bundestagswahl. Vier Tage davor liefern sich Carstensen und Stegner am Mittwochabend ein Duell, das den Namen verdient hat. Anders als bei Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinmeier ist bei den Kieler Streithähnen nichts davon zu spüren, dass sie vier Jahre in einer Großen Koalition regiert haben. Sie gönnen sich nichts, sie trauen sich nicht über den Weg - und sie wollen ihr Bündnis auch kaum in eine Verlängerung führen.

"Jetzt seien Sie doch mal still!"

60 Minuten lang streiten Stegner und Carstensen im NDR über den Schuldenberg des Landes, die Krise der HSH Nordbank, über Bildungs-, Familien- und Energiepolitik. Auffällig ist dabei vor allem, dass beide Spitzenkandidaten konträr zu ihrem Image auftreten. Der als "Roter Rambo" bekannt gewordene Sozialdemokrat gibt im Duell den gelassenen Sachpolitiker. Carstensen dagegen - sonst stets als gemütlicher Landesvater unterwegs - schimpft und poltert. "Jetzt seien Sie doch mal einen Moment still!", fährt er Stegner an. Oder: "Das ist doch jetzt wieder nicht richtig."

Natürlich provoziert Stegner seinen Kontrahenten auch, wo er kann. So sagt er nach einer weiteren Attacke des CDU-Mannes lakonisch: "Jeder zweite Satz bei Ihnen lautet: Stegner ist schuld. Vielleicht sollten wir mal über die Zukunft Schleswig-Holsteins sprechen."

Nicht nur mit Stegner, auch mit dem Moderator Andreas Cichowicz legt Carstensen sich an. Mehrfach unterbricht er den NDR-Journalisten und redet weiter, wenn dieser zum nächsten Thema kommen möchte. "Ich würde den Satz gerne noch zu Ende bringen", sagt er dann.

Hoher Unterhaltungswert, Wirkung fraglich

Cichowicz gelingt es dennoch, die Duellanten einigermaßen im Zaum zu halten. Er hakt nach, wenn Stegner ausweicht, wie beim Thema Haushaltskonsolidierung. Und er weist Carstensen darauf hin, dass er ihm die Redezeit bei der nächsten Frage abziehen werde, wenn er überziehe.

Bei allem Unterhaltungswert, den das Nord-Duell zweifellos hat: Fraglich ist, ob einer der Kontrahenten daraus Profit schlagen kann. Denn die Volksparteien haben beide unter dem Bruch der Koalition zu leiden. Die CDU ist in Umfragen bis auf 31 Prozent abgestürzt, die SPD liegt mit 26 bis 28 Prozent noch dahinter.

Profitieren werden am Sonntag höchstwahrscheinlich Grüne, FDP und SSW. Die Spitzenkandidaten der drei Oppositionsparteien traten am Mittwochabend ebenfalls im NDR auf - drei Stunden vor dem Duell. Auffällig war dabei die offen zur Schau getragene Harmonie. Alle drei Kleinparteien scheinen untereinander koalitionsfähig.

Kriegsbeil nicht begraben

Doch die Frage ist: Mit welchem großen Partner werden sie regieren? Carstensen erneuerte seine Avancen an Grünen-Chef Robert Habeck. Dass er mit Habeck gut zusammengearbeitet habe und gut reden könne, wisse man. Stegner konterte, die Schnittmengen zwischen Grünen und SPD seien sehr viel größer als zwischen Grünen und CDU.

Nicht festlegen lassen wollte er sich bei der Frage, ob er eine SPD-geführte Regierung von der Linkspartei tolerieren lassen würde. "Ich werbe nur für die SPD und nicht für eine Koalition", sagte er. Eine Große Koalition scheint indes nur bei einem Führungswechsel in beiden Parteien möglich.

Denn das Kriegsbeil zu begraben, wie Moderator Cichowicz es gleich zu Beginn der Sendung vorschlägt, haben Stegner und Carstensen nicht über sich bringen können. Das wäre aber auch wirklich eine Überraschung gewesen.

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