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25.09.2009
 

Wortlaut der Bin-Laden-Rede

"Wir verlangen, dass ihr eure Soldaten abzieht"

Am Freitag veröffentlichte das Terrornetzwerk al-Qaida eine Tonbotschaft von Osama Bin Laden. Sie trägt den Titel "Botschaft an die europäischen Völker". Die knapp fünf Minuten lange Rede liegt SPIEGEL ONLINE vor. Im folgenden der Wortlaut des deutschen, von al-Qaida mitgelieferten Untertitels.

"Alles Lob gebührt Allah, der Unrecht sich selbst verbot und es unter uns (Menschen) verboten hat. Zu den europäischen Völkern: Friede sei mit jenen, die der Rechtleitung folgen. Ihr wisst, dass die Übertretung ihren Urheber zu Fall bringt und dass Unrecht ein tödliches Nachspiel hat.

Und ein gewaltiges Unrecht ist das Töten von Menschen ohne einen rechtmäßigen Grund. Dies ist genau, was eure Regierungen und Soldaten unter dem Deckmantel der Nato in Afghanistan tun. Sie töten Kinder, Frauen und Ältere, weil Bush auf sie wütend war.

Obwohl ihr Wissen darüber habt, dass sie in keiner Weise gegenüber Europa aggressiv waren, noch eine Beziehung zu den Ereignissen in Amerika haben. Warum verletzt ihr also Werte, die ihr als heilig erachtet, wie Gerechtigkeit und Menschenrechte? So wäre es nicht angebracht, über diese Angelegenheit sorgfältig nachzudenken und die Leute des Verstandes und der Vernunft zu fragen?

Nicht mehr lange und der Krieg in Afghanistan wird vorbei sein. Hiernach wird nicht mal mehr die Spur eines Amerikaners dort zu finden sein. Weitaus mehr werden sich hinter dem Atlantik weit weg zurückziehen, so Allah will. Bleiben werden dann nur noch wir und ihr. Sodann wird der, dem Unrecht angetan wurde, sich bei dem wiedervergelten, der ihm Unrecht tat.

Ihr habt in dem euch nahestehenden Georgien eine Lehrstunde. Ihre Anwohner wurden bombardiert und erniedrigt. Sie baten die Amerikaner um Hilfe, um ihre Souveränität über das verlorene zurückzubekommen. Doch fanden die Amerikaner für sie nur leere Worte. Als sie dann mit Nachdruck um Hilfe schrien, kamen die amerikanischen Kriegsschiffe. Diese kamen aber nicht, um die Souveränität über Ostesien (sic) und Abchasien wiederherzustellen. Sondern um ihnen anzubieten, was sie nicht brauchen; einige Zelte, ein bisschen Wasser und Waschmittel. Daher denkt darüber sehr sorgfältig nach.

Denn ein Vernünftiger verschwendet seine Kinder und sein Vermögen nicht im Interesse einer Bande in Washington. Es ist eine Schande für eine Person, Mitglied eines Bündnisses, dessen Führer sich um das Blut der Menschen nicht bekümmert und Dorfbewohner vorsätzlich aus der Luft bombardiert, zu sein. Und ich bin einer der Zeugen darüber (sic)!

Dann kommen die Humvees vorbei, und wenn der Besatzung klar ist, dass die getöteten Kinder sind, lassen sie die amerikanische Großzügigkeit niederströmen und geben den Hinterbliebenen der Opfer 100 Dollar für jedes Kind, das sie getötet haben. Das ist die traurige Tatsache. Gibt es in Europa etwa ein Schaf für 100 Dollar?!

Das ist der Wert des Lebens unserer unschuldigen Kinder in den Augen von Washington und seiner Verbündeten! So, wie stellt ihr euch unsere Reaktion vor? Wenn ihr gesehen hättet, wie euer amerikanischer Verbündeter mit seinen Helfern Tausende Taliban in Containern versammelt, und zwar wie Sardinen, sie dann bis zum Tode einsperrten oder in Flüsse warfen, dann hättet ihr die blutigen Ereignisse von Madrid und London nachvollziehen können. Alles, was ich erwähnt habe, sind dokumentierte Tatsachen. Als die Vereinten Nationen eine Untersuchung über die Verbrechen des Nordens eingeleitet hatten, setzte die Bush-Administration sie unter Druck und stoppte die Untersuchung. So sieht die amerikanische Gerechtigkeit aus.

Zusammengefasst: Wir verlangen weder etwas Unrechtmäßiges noch etwas Abwegiges; und gewiss gehört es zur Gerechtigkeit, dass ihr mit eurem Unrecht aufhört und eure Soldaten abzieht.

Vernünftig wäre es auch, dass ihr eure Nachbarn nicht schlecht behandelt.

Wenn Europa an der Wirtschaftskrise heute leidet, ihr Herz die Führung der Exportweltrangliste verloren hat und Amerika durch die vom Wirtschaftskrieg verursachte Verblutung in heftiges Schwanken geraten ist, wie wird es euch dann nach dem Abzug der Amerikaner - so Allah will -, wenn wir uns für das Wiedervergelten der Unterdrückten beim Unterdrücker einsetzen, ergehen. So glückselig ist der, der aus Fehlern eine Lehre zieht. Eine bescheidene Vorsorge ist besser als eine aufwendige Nachsorge. Die Rückkehr zur Wahrheit ist besser als das Beharren auf Falschheit. Und Friede sei mit denen, die der Richtung folgen."

Protokoll: Helga Hochwind

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