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27.09.2009
 

Bundestagswahl

Wahlbeteiligung geht deutlich zurück

So wählt Deutschland: Hunde, Trachten, Spitzenkandidaten
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DDP

Liegt es am schlappen Wahlkampf? Die Beteiligung der Bundesbürger am Urnengang liegt bis zum Nachmittag deutlich unter den Werten von 2005. Nun droht ein Minusrekord.

Berlin - Die Politiker aller Parteien haben die Bundestagswahl mal wieder zur Richtungsentscheidung erklärt - doch davon lassen sich die Bürger offenbar nicht beeindrucken: Nach Angaben des Bundeswahlleiters gaben bis 14 Uhr nur 36,1 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab - bei der vergangenen Wahl 2005 lag die Beteiligung bis zum selben Zeitpunkt noch bei 41,9 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von fast sechs Prozentpunkten. Die Stimmen der Briefwähler sind in diesen Zahlen jeweils noch nicht enthalten.

Insgesamt gingen vor vier Jahren 77,7 Prozent der Bürger wählen. Es war die niedrigste Beteiligung bei allen bisherigen Bundestagswahlen. Dass die Wahlbeteiligung auch dieses Mal nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr geringer als 2005 sein wird, ist angesichts der Zahlen von 14 Uhr absehbar. Am Ende könnte das Minus aber geringer ausfallen: Fast überall ist das Wetter heute sehr schön - gut möglich, dass viele Wähler erst auf dem Rückweg von einem Ausflug wählen gehen. Zudem war in vielen Gemeinden die Zahl der Briefwähler höher als vor vier Jahren.

In den einzelnen Bundesländern ging die Wahlbeteiligung bis 14 Uhr unterschiedlich stark zurück. Besonders drastisch war das Minus in Hessen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

So entwickelte sich die Wahlbeteiligung in ausgewählten Bundesländern
Bundesland Wahlbeteiligung 14 Uhr (in %) Vergleich zu 2005 (in Prozentpunkten)
Baden-Württemberg 36,6 -5,0
Brandenburg 36,3 -5,2
Hessen 40,5 -8,3
Mecklenburg-Vorpommern 36,4 -7,3
Saarland 40,0 -3,6
Sachsen 34,7 -8,0
Sachsen-Anhalt 34,5 -6,2
Schleswig-Holstein 48,3 -5,6
Thüringen 37,7 -5,5

Im Gegensatz zu vielen Bürgern haben die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei bereits ihre Stimmen abgegeben. Die CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel ging am Mittag mit ihrem Ehemann Joachim Sauer in Berlin-Mitte an die Wahlurne. Merkel gab sich gut gelaunt und scherzte mit den anwesenden Fotografen. CSU-Chef Horst Seehofer gab seine Stimme per Briefwahl ab.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wählte am Morgen in Berlin-Zehlendorf. Der SPD-Politiker äußerte sich erfreut über das "wunderbare Wahlwetter" und sagte, er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung und eine Stärkung der Demokratie. Steinmeier äußerte sich zuversichtlich über den Ausgang der Wahl. Er sei sich "ganz sicher, das wird eine starke SPD", die die Regierung diesmal "von vorne" anführe.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast gab in ihrem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg in Berlin ihre Stimme ab. Ihre Partei habe bis zuletzt Wahlkampf gemacht, sagte Künast. Nun sei sie "respektvoll gespannt" auf die Ergebnisse. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi ging am Mittag ebenfalls in Berlin ins Wahllokal. Der Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, wählte per Brief. FDP-Chef Guido Westerwelle ging in Bonn zur Urne. "Ich denke, es wird für uns alles gut gehen", sagte er bei der Stimmabgabe.

Meinungsumfragen sehen engen Wahlausgang

Die Wahllokale sind seit 8 Uhr geöffnet. Über 62 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, für die nächsten vier Jahre einen neuen Bundestag zu wählen. Es treten 27 Parteien und 3556 Kandidaten an, die um mindestens 598 Mandate kämpfen. Rund 3,5 Millionen junge Wähler können in den 299 Wahlkreisen zum ersten Mal ihre Stimme abgeben.

In den Meinungsumfragen ist zuletzt der Vorsprung für eine Koalition von Union und FDP geschrumpft. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb sowie SPD, Linkspartei und Grünen ab, die allerdings nicht miteinander koalieren wollen. Damit scheint auch eine Fortsetzung der Großen Koalition möglich.

böl/dpa/ddp

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