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14.10.2009
 

Lafontaine-Nachfolge

Genossinnen ringen um die Macht

Von Björn Hengst

Linksfraktion: Wer wird die Frau neben Gysi?
Fotos
DPA

Eine Frau aus dem Westen soll Lafontaines Platz an der Linken-Fraktionsspitze übernehmen. Das wünscht sich der Parteichef - und löst damit Streit aus: Prominente Genossinnen aus dem Osten sind dagegen.

Hamburg - Als Gregor Gysi in der ersten Sitzung der neuen Linksfraktion auf das zahlenmäßige Übergewicht der Frauen verwies, applaudierten die Genossinnen noch enthusiastisch: 40 weibliche und 36 männliche Parlamentarier - für viele Frauen war das eine Genugtuung.

Allzu oft hatten sie sich in Partei und Fraktion wie in einem Club älterer Herren gefühlt. Neben den Spitzenmännern Gysi, 61, Oskar Lafontaine, 66, und Lothar Bisky, 68, blieb zuletzt nicht viel Platz für weibliche linke Politik. Ein "Herren-Triumvirat" dominiere die Linke, sagte Parteivize Katja Kipping einmal dem SPIEGEL.

Das soll jetzt anders werden. Parteichef Lafontaine hatte nach seinem überraschenden Verzicht auf den Fraktionsvorsitz eine quotierte Doppelspitze für Partei und Fraktion vorgeschlagen. Mann, Frau, Ost, West - so soll das Modell nach dem Willen Lafontaines aussehen. Demnach würde der Saarländer künftig zusammen mit einer Frau aus dem Osten die Partei führen. Der erneut an die Fraktionsspitze gewählte Gysi hätte eine Genossin aus dem Westen an seiner Seite.

"Was ist Ost, was ist West?"

Die Linke soll weiblicher werden, aber wie, darüber sind sich selbst die Frauen nicht einig. In den nächsten acht Wochen wollen sich die Genossinnen im Frauenplenum einigen, ob eine von ihnen an die Spitze neben Gysi rücken soll - und wer dafür kandidiert. Sicher ist schon jetzt: Lafontaines Vorschlag stößt bei vielen Linke-Frauen auf Widerspruch.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak stellt das gesamte Modell in Frage. Mit einer doppelten Fraktionsspitze würden sich die Frauen festlegen, "dass sie die Macht mit den Männern teilen wollen", sagte Wawzyniak SPIEGEL ONLINE. Dabei sei doch denkbar, dass die Fraktion in vier Jahren allein von einer Frau geführt würde.

Auch die Ost-West-Quotierung hält Wawzyniak für fragwürdig. So gebe es in der Fraktion ostsozialisierte Parlamentarierinnen, die über einen Westverband in den Bundestag eingezogen seien und umgekehrt: "Was ist dann Ost, was ist West?"

Bedenken melden vor allem Vertreterinnen aus dem Osten an. Sie wollen sich nicht auf eine Westfrau festlegen. Die Entscheidung dürfe nicht von "abstrakten Kriterien" abhängen, sagte die stellvertretende Fraktionsvize Gesine Lötzsch SPIEGEL ONLINE. Wichtiger sei "eine breite Unterstützung für eine Person".

Es geht auch um die politische Ausrichtung der Fraktion

Ähnlich argumentiert die wiedergewählte Parlamentarische Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann. Eine Fraktionsvorsitzende müsse "nicht zwingend aus dem Westen kommen", findet die Brandenburgerin. Vielmehr solle die Kompetenz entscheiden. Enkelmann ist bereits seit 2005 Parlamentarische Geschäftsführerin und verfügt ähnlich wie die Ostdeutschen Lötzsch und Kipping über mehr Bundestagserfahrung als viele Linke-Parlamentarierinnen aus dem Westen.

Bei der vordergründigen Ost-West-Debatte dürfte es auch um eine weitere Frage gehen: um die Ausrichtung der Linksfraktion. Die weiblichen Abgeordneten aus dem Osten - wie Enkelmann, Lötzsch und Petra Pau - repräsentieren den pragmatischen Realo-Flügel der Partei.

Aus den Westverbänden dagegen kommen dagegen eher Vertreterinnen des fundamentalistischen Flügels. So stellen die NRW-Linken mit Inge Höger, Ulla Jelpke, Ulla Lötzer und der ostdeutschen Sahra Wagenknecht im Bundestag gleich vier Linksaußen-Frauen. Jelpke will sich für eine westdeutsche Frau an der Seite von Gysi einsetzen. "Die NRW-Linke hat viele starke Frauen in den Bundestag geschickt."

Im neu gewählten Fraktionsvorstand sitzen vor allem Vertreter des Realo-Flügels. Eine weitere pragmatisch orientierte Politikerin an der Seite Gysis dürfte den Fundamentalisten deshalb umso weniger gefallen.

Dagmar Enkelmann ist sich dennoch sicher, dass sich die Genossinnen auf eine gemeinsame Kandidatin einigen werden: "Bei 40 Frauen wird sich schon jemand finden."

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02.02.2010 von dandy: Wahrscheinlich machen

Wahrscheinlich machen die Redakteure des Spiegel nur deshalb nur negative Beiträge über die Linkspartei, weil Sie für positive Berichterstattung nicht bezahlt werden. mehr...

01.02.2010 von otmars1: Tja hätten die mal Nachgedacht.

Blöd nur wenn man so ein heisses Eisen mit nackten Händen aus der Esse holen will. Da kann man sich ein ganz böses Aua holen. Hätte man sich lieber nicht von der eigenen Klientel getrennt gell! Denn die kennt sich mit so was [...] mehr...

01.02.2010 von ANDIEFUZZICH: 1. Klasse

Klassische Demokratie. Die deutsche? Das Eisen ist kalt geworden, weil niemand mehr das Feuer geschürt hat; das Geschmeide will selbst die Spd nicht mehr haben, da es sich in diesem Zustand schwer formen lässt. mehr...

01.02.2010 von Morotti:

Was die SPD selbst hineingelegt hat. Viel Spaß dabei. mehr...

01.02.2010 von knut beck:

Es kann - wenn alles mit rechten Dingen zugeht - in einer klassischen Demokratie immer nur eine richtige Opposition geben. Alles andere sind Kindereien. Die SPD muss jetzt das Eisen aus dem Feuer holen! mehr...

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