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16.10.2009
 

Gleichberechtigung

Neue Regierung will Männer emanzipieren

Von Annett Meiritz

Studenten in Dresden: "Männer- und Jungenförderung praktisch nicht existent"Zur Großansicht
dapd

Studenten in Dresden: "Männer- und Jungenförderung praktisch nicht existent"

Frauenförderung ist längst etabliert, doch Studien zeigen: Schon in der Schule sind Jungen benachteiligt, viele junge Männer könnten zu Verlierern im Karriererennen werden. FDP und Union drängen jetzt auf eine "eigenständige Jungen- und Männerpolitik" - und wagen damit einen Richtungswechsel.

Hamburg/Berlin - Männer sind Sieger. Sie verhandeln härter, steigen schneller auf und verdienen mehr. So widmet sich die Bundespolitik auch fast ausschließlich den Frauen: Frauen im Aufsichtsrat, Abschaffung des Ehegattensplittings, Elterngeld, Kitaplätze - all das soll die Arbeits- und Familienwelt fairer machen.

Die Benachteiligung von Männern spielte bislang dagegen kaum eine Rolle. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ließ 2008 erklären, die Schwierigkeiten für heranwachsende Jungen in der Schule fielen "nicht in ihre Ressortkompetenz".

Das soll sich nun ändern. Künftig will das Bundesfamilienministerium gezielt Jungen und Männer unterstützen. Darauf haben sich die Familienpolitiker von Union und FDP in ihrer Koalitionsarbeitsgruppe geeinigt. Im Entwurf der AG heißt es:

"Wir wollen eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik entwickeln und dabei insbesondere die Bildungs- und Entwicklungschancen von Jungen und Männern verbessern, ihre Lebensentwürfe erweitern und neue Perspektiven eröffnen."

Eine "eigenständige Jungen- und Männerpolitik" - in dieser Deutlichkeit wurde das noch in keinem Koalitionsvertrag formuliert. "Männer- und Jungenförderung war in den vergangenen Jahren praktisch nicht existent", sagt Miriam Gruß, jugendpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion und bayerische FDP-Generalsekretärin, SPIEGEL ONLINE. Sie selbst habe in der Arbeitsgruppe die Aufnahme des Unterkapitels vorgeschlagen. "Das war längst überfällig", so Gruß.

Keine männliche Bezugsperson

In der Tat schlagen Kinder- und Bildungsforscher seit Jahren Alarm, warnen vor einer "Feminisierung der Schullandschaft". Jugendstudien küren Mädchen zur "neuen Elite", Frauenzeitschriften und Feuilleton überbieten sich mit Essays über die "Krise des Mannes". Der Deutsche Philologenverband fordert eine Leseoffensive für Jungen an Schulen, der Jugendforscher Klaus Hurrelmann eine Männerquote für Lehrer und Erzieher. Dass Handlungsbedarf besteht, bestätigen zahlreiche Studien:

  • 47 Prozent der Mädchen gehen auf ein Gymnasium, bei den Jungen sind es nur 41 Prozent. Abiturnoten von Jungen sind im Schnitt eine Note schlechter als die der Mitschülerinnen. Zwei Drittel aller Hauptschüler ohne Abschluss sind Jungen. Ein paar Jahre später stellen junge Frauen die Mehrheit der Hochschulabsolventen und brechen ihr Studium seltener ab. (Quelle: Bundesbildungsministerium)
  • Die Benachteiligung zieht sich bis ins Arbeitsleben: 55 Prozent der deutschen Arbeitslosen sind männlich. Die Wirtschaftskrise vertieft die Kluft, trifft Männer härter als Frauen - Tendenz steigend, weil Frauen etwa vom Ausbau der Dienstleistungsbranche profitieren. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
  • Die Zahl der Lehrerinnen wächst, an vielen Grundschulen oder Kindertagesstätten sind männliche Lehrkräfte die große Ausnahme. Damit fehlt Jungs im Grundschulalter oft die männliche Bezugsperson. (Quelle: Aktionsrat Bildung)

"Die Lebensentwürfe für Jungen und Männer erweitern", wie es im Entwurf des Koalitionsvertrags steht, kann eine Menge bedeuten. Kommt jetzt ein großangelegtes Förderprogramm für Jungs? Eine Männerabteilung in der Regierung, ein bundeseigener Männerbeauftragter?

Keinesfalls, sagt Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) SPIEGEL ONLINE: "Die Jungen- und Männerpolitik ist keine neue Aufgabe, sondern beschreibt den selbstverständlichen Inhalt einer geschlechtergerechten Politik, wie sie natürlich schon immer im Bundesfamilienministerium gemacht wurde." Von einem "Männer"-Zusatz im Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend könne keine Rede sein.

"Hier muss niemand Angst haben"

Sibylle Laurischk, Sprechern der FDP-Fraktion für Integration und Migration, spricht von einer "erweiterten Bandbreite der Gleichstellungspolitik". Jungen- und Männerförderung, insbesondere im Bildungsbereich, würde künftig mehr berücksichtigt. "Das heißt nicht, dass wir mit der Frauenpolitik aufhören."

Anderswo sorgte die Institutionalisierung von Männerrechten bereits für Aufruhr. 2001 richtete das Wiener Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz eine "Männerpolitische Grundsatzabteilung" ein. Von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der rechtspopulistischen FPÖ des verstorbenen Jörg Haider durchgesetzt, stand das Vorhaben von Anfang an in der Kritik. Die oppositionelle SPÖ lief Sturm, Frauenverbände fürchteten die Umschichtung von Fördergeldern.

"Hier muss niemand Angst haben, die Frauenpolitik gerate in den Hintergrund", sagt FDP-Politikerin Gruß. "Wir öffnen unseren Blickwinkel lediglich für etwas, das lange vernachlässigt wurde." Konkrete Maßnahmen für die kommende Legislaturperiode seien noch nicht diskutiert worden. Ihrer Meinung nach ist es Aufgabe der Politik, "junge Männer verstärkt für soziale Berufe zu begeistern". Eines sei aber klar: "Ein Boys Day allein genügt nicht - aber eine Quote für Kindergärtner wird es sicher auch nicht geben."

Mitarbeit: Sebastian Fischer

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20.01.2010 von Dampflok:

Allerdings ist auch - interessant für jene, die daran glauben, Geschlecht sei nicht existent und quasi austauschbar - die Scheidungsquote bei Hausmännern um ein Vielfaches höher als bei Männern mit klassischer Rollenverteilung. [...] mehr...

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19.01.2010 von samsonax:

Psychologendeutsch ist das. Psychologen haben neben den Juristen die höchste Scheidungsquote. mehr...

19.01.2010 von Montanabear: Maskuline Emanzipation

Ja, und was ist mit den Onkels ? Früher haben die doch auch mitgewirkt. mehr...

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