Von Roland Nelles
Über das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Wolfgang Schäuble könnte man ein Drama schreiben. Einst war er ihr Förderer. Er machte sie zur CDU-Generalsekretärin. Doch dann verdrängte sie ihn im im Zuge der Spendenaffäre im Jahr 2000 aus dem Amt des CDU-Vorsitzenden. Ihre politische Freundschaft kühlte ab. Später enttäuschte sie ihn abermals. Er machte sich Hoffnungen auf den Bundespräsidentenjob, sie nominierte dafür Horst Köhler. Das hat Schäuble nicht vergessen. Sicherlich weiß auch Merkel, dass sie vor dem Badener auf der Hut sein muss. Nichts ist schlimmer als enttäuschte Liebe.
Trotzdem gibt sie ihm nun den wichtigsten Job in ihrem Kabinett. Das wirkt souverän. In Wahrheit ist es aber so: Sie braucht ihn. Er ist ihre Allzweckwaffe.
Das Finanzministerium wird in den kommenden Jahren angesichts der schwierigen Haushaltslage der Dreh- und Angelpunkt der Regierung sein. Wer dieses Ressort kontrolliert, hat die Regierung im Griff. Merkel macht sich Schäubles Fähigkeiten zunutze: Er wird für sie die nach Geld rufenden Minister in Schach halten. Er wird ihr viel Schmutzarbeit abnehmen. Und wenn die Kasse nicht stimmt, wird erst einmal er angeguckt. Sie hofft wohl, dass sie sich derweil auf ihre Lieblingsrolle als moderierende Präsidialkanzlerin konzentrieren kann.
Fest steht: Schäuble ist die richtige Wahl für den schwierigsten Job im Kabinett. Der Multi-Minister, der in seiner langjährigen Karriere vom Kanzleramtschef bis zum Innenminister schon etliche Ämter ausgefüllt hat, kann im Finanzressort noch einmal zeigen, was in ihm steckt.
Es gibt keine Ausnahmesituation, die er nicht schon durchgestanden hätte
Wenn jemand aus den Reihen von Union und FDP die Aufgabe bewältigen kann, dann er. Schäuble hat einst den Vertrag zur Deutschen Einheit ausgehandelt, er sitzt seit beinahe 30 Jahren im Bundestag und es gibt keine politische und menschliche Ausnahmesituation, die er nicht schon ausgestanden hätte. Ein feiges Attentat im Einheitsjahr 1990 eingeschlossen.
Die anderen Kandidaten aus Merkels Personalpool erschienen stets nur wie Notlösungen. Karl-Theodor zu Guttenberg, der junge Star, wollte selbst nicht. Wenn er Muffensausen vor dem Finanzerjob hatte, war dies angesichts der Größe der Aufgabe sicherlich berechtigt. In dem schwierigen Amt hätte er schnell viel von seinem Star-Image einbüßen müssen. Hermann Otto Solms von der FDP wollte wohl, wurde aber von vielen in den Koalitionsverhandlungen als zu fahrig empfunden. Und Kanzleramtschef Thomas de Maizière hat offenbar andere Ambitionen: Das Innenministerium ist ein Amt, das er sich schon seit längerem wünscht.
Wollte Schäuble den Job? Das scheint sicher. In der Union ist manchem schon seit längerem aufgefallen, dass sich der Noch-Innenminister ganz nebenbei immer wieder auch zu finanzpolitischen Fragen äußerte.
Späte Rache an Oskar Lafontaine?
Unvergessen ist außerdem, dass es in den späten neunziger Jahren Schäuble war, der das Petersberger Steuerkonzept der damaligen schwarz-gelben Koalition entwarf. Seinerzeit sorgte Oskar Lafontaine als SPD-Chef über eine Blockade im Bundesrat dafür, dass es nie verwirklicht wurde. Diese Niederlage könnte Schäuble nun ausbügeln - wenn er die neue Steuerreform der Koalition durchsetzt. Noch hat die Koalition im Bundesrat eine Mehrheit.
Schäuble schien sich zuletzt in seinem Innenministeramt ein wenig zu langweilen. Das kann man gut verstehen. Er machte diesen Job schließlich schon zum zweiten Mal in seiner Karriere. Für einen Mann, der einst das Ziel hatte, Kanzler zu werden, muss es eine schreckliche Ödnis gewesen sein.
Die neue Aufgabe wird er deshalb sicher mit mehr Elan angehen. So mag sich Merkel über ihren Scoop jetzt freuen - doch schon bald könnte die Personalie für sie auch zur nervigen Belastung werden.
Denn für eine Rolle ist Schäuble bestens geeignet: die des heimlichen Kanzlers.
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Richtig, da Ihre Genossen von der SPD ja auch nichts Grossartiges zu kritisieren haben, denn den jetzigen Mist haben selbige schliesslich mit verzapft. mehr...
Es ist zu erwarten, daß Dirk Niebel in vier Jahren sein Ränzlein schnüren darf. Er sollte sich auf eine sehr lange Abwesenheit einrichten. mehr...
So fexibel wie Niebel eben! Gestern noch dagegen, heute schon mittendrin und nie dagegen gewesen. Immer diese Missverständnisse mit der Presse. Obwohl diese Regierung mit der Kanzlerin, Westerwelle als Außenminsiterin und dem [...] mehr...
Hat Günther Stoll die etwa gehabt? Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, die 100 Tage waren mal gute demokratische Sitte, die Opposition hält sich ja auch noch vornehm zurück. Es gab aber auch Zeiten, da hat man die letzten [...] mehr...
...aber nicht doch, lieber Morotti, das nennt man Flexibilität;-) mehr...
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