Von Lisa Hemmerich
Grauer Anzug, dunkle Hornbrille, gepflegter Spitzbart: Frank Heinrich wirkt nicht wie ein Pastor, schon gar nicht wie jemand von der Heilsarmee. Zusammen mit seiner Frau leitet er seit zwölf Jahren als "Kapitän Heinrich" die Heilsarmee in Chemnitz - das ist in der evangelischen Freikirche einer der Titel für Führungspersonen.
In Chemnitz arbeitet er eng mit den Jesus Freaks zusammen - die vor allem dafür bekannt sind, Alkohol und Tabak sowie Sex vor der Ehe abzulehnen, was auch die Heilsarmee fordert. "Wir haben eine ähnliche geistliche Genetik", erklärt der ordinierte Geistliche und vierfache Familienvater. "Wir gehen auf die Leute am Rande der Gesellschaft zu, sprechen deren Sprache." Gleichzeitig betont er, seit Jahren Vorsitzender der evangelischen Allianz in Dresden zu sein. "So extrem können wir also nicht sein."
"Suppe, Seife, Seelenheil", mit diesem Dreiklang lässt sich die Arbeit der Heilsarmee zusammenfassen. Es geht um das körperliche, soziale und geistige Wohl. "Unser Maßstab ist die Bibel, ohne theologische Besonderheiten und Aufgesetztheit, für Lieschen Müller und jedermann verständlich", sagt Heinrich.
"Das ist nicht die Bronx von Chemnitz"
"Blut" und "Feuer" heißt es auf dem Stern im Zentrum der Heilsarmee-Flagge. "Für viele klingt das hart", sagt der 45-Jährige. "Dabei symbolisiert das Rot des Bluts, dass mein Konto auf Null steht und mit Nichts auf dem Konto kann ich nicht leben." Feuer versinnbildlicht Pfingsten, Licht und Besserung. "Und wir nennen uns Armee, weil wir für das Heil kämpfen", erklärt er.
In den Chemnitzer Stadtteilen Kaßberg und Makersdorf Süd, ein Teil des ehemaligen Fritz-Heckert-Gebiets, eines der größten Plattenbausiedlungen Deutschlands, predigt er sonntags, arbeitet in der Seelsorge, betreut einen Jugendclub und ein Begegnungszentrum. "Es ist Quatsch, das die Bronx von Chemnitz zu nennen", sagt Heinrich. "Das ist kein benachteiligtes Viertel mehr. Vieles hat sich geändert."
Dennoch finden sich unter der Woche gerade Bedürftige bei der Heilsarmee ein: Hartz-IV-Empfänger, alleinerziehende Mütter, Alkoholiker und Jugendliche. "Wir sind ein offenes Haus. Hier herrscht immer Gewusel, wie ein Ameisenhaufen." Besucher bekommen einen Kaffee, finden jemanden, der zuhört, aber auch kirchlichen Beistand. Kinder erhalten mittags eine warme Mahlzeit vom Verein "Tellerlein Deck Dich", den Heinrich gegründet hat.
Kandidatur für den Bundestag war innerer Auftrag
Den Sonntagsgottesdienst besuchen zudem Christen aus der Umgebung. "Als wir 1997 anfingen, kamen gerade mal zwei Leute zum Gottesdienst", erzählt Heinrich. Heute sind es an beiden Standorten insgesamt rund hundert. Das Publikum ist im Schnitt 35 Jahre alt, jünger also als bei anderen Gemeinden. "Da sind viele dabei, die zuvor noch nie in der Kirche waren", erzählt Heinrich.
Mit seinem Engagement scheint er einen Nerv getroffen zu haben: Er ist der erste Christdemokrat, der seit 1994 in Chemnitz ein Direktmandat erhielt. Auch wenn es nie sein Ziel war, in die Politik zu gehen, weil er als Pastor bewusst nicht parteiisch sein wollte. Als er vor zweieinhalb Jahren in die CDU eintrat und später kandidierte, folgte er einer "inneren Stimme, einem Auftrag".
Im Bundestag will Heinrich "denen eine Stimme geben, die keine Stimme haben". Er kennt die Probleme von Hartz-IV-Empfängern und von Menschen, die bei ihm Sozialarbeit ableisten, weil sie zu Geldstrafen verurteilt wurden, die sie nicht zahlen können. Konkret will er sich für bessere Betreuung von Hartz-IV-Empfängern einsetzen, für Kinder, die in der Schule nicht zurecht kommen, die wegen ihrer Kleidung auffallen, für Menschen, die von der Gesellschaft abgeschnitten sind.
Seine Themen werden von der Linken nur vordergründig besetzt
Heinrich will dafür sorgen, dass die Politik diesen Menschen eine andere Aufmerksamkeit widmet als bisher. "Ich debattiere nicht nur über Sachen und Geld, sondern kenne konkrete Fälle." Praktiker und Hilfeempfänger sollten mehr einbezogen werden. Zudem sei Bildung entscheidend. "Die Leute können nur raus, wenn sie selber klettern", sagt Heinrich.
Seine Schwerpunkte sind Arbeit und Soziales, Jugend und Familie. "Typische Themen von der Linken, die sie aber nur vordergründig besetzt", sagt Heinrich. "Da nehme ich in der CDU kaum jemandem was weg." Außerdem will er sich für seine neue Heimat, Chemnitz, einsetzen. Aufgewachsen ist Heinrich bei Freiburg, die Heilsarmee hat ihn 1997 nach Sachsen entsandt. "Chemnitz ist die drittgrößte Stadt in Ostdeutschland." Das wird so nicht wahrgenommen, dabei hat die Stadt so viel zu bieten. Für den Bundestag ließ sich "Kapitän Heinrich" freistellen.
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So fexibel wie Niebel eben! Gestern noch dagegen, heute schon mittendrin und nie dagegen gewesen. Immer diese Missverständnisse mit der Presse. Obwohl diese Regierung mit der Kanzlerin, Westerwelle als Außenminsiterin und dem [...] mehr...
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...aber nicht doch, lieber Morotti, das nennt man Flexibilität;-) mehr...
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