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01.11.2009
 

Gesundheitswesen

Rösler will Systemwechsel durchdrücken

Gesundheitsminister Rösler: "Auch unangenehme Dinge in Kauf nehmen"Zur Großansicht
Getty Images

Gesundheitsminister Rösler: "Auch unangenehme Dinge in Kauf nehmen"

Mehr Freiheit, mehr Wettbewerb: Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler will unbedingt einen Systemwechsel im Gesundheitswesen einleiten - ohne Rücksicht auf die eigene Popularität. Widerstand droht dem FDP-Politiker nicht nur aus der Opposition.

Berlin - Es ist sein erstes großes Interview und eine Kampfansage an die Verteidiger des Status Quo: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will auch gegen Widerstände ein neues Gesundheitssystem in Deutschland durchsetzen. "Ich habe ein klares Ziel: ein neues Gesundheitssystem auf den Weg zu bringen, das für 80 Millionen Menschen gut funktioniert", sagte Rösler der "Bild am Sonntag". Dabei wolle er keine Rücksicht auf seine eigene Popularität nehmen. "Wenn man sich diesem Amt verpflichtet fühlt, muss man auch unangenehme Dinge in Kauf nehmen", sagte er.

Rösler kündigte an, im neuen Gesundheitssystem für mehr Freiheit und Wettbewerb sorgen zu wollen. "Wir brauchen mehr Freiheit: Freiheit bei der Wahl der Therapie, bei der Wahl des Arztes und bei der Wahl der Krankenkasse", sagte er. Die Krankenkassen müssten wieder untereinander im Wettbewerb stehen, unterschiedliche Beiträge verlangen dürfen und unterschiedliche Leistungen anbieten können. "Derzeit gibt es doch überall die gleiche Leistung zum gleichen Preis, ohne dass irgendein Patient durchschaut, was eigentlich mit seinem Geld geschieht, und wer was wie abrechnet", sagte der Minister.

Rösler sagte, Ärzte sollten künftig wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben und von Bürokratie entlastet werden. Er selbst habe Medizin studiert, weil er mit Menschen zu tun haben wollte. "Als ich fertig war, hatte ich mehr mit Qualitätssicherungsbögen zu tun, also mehr Zeit für Bürokratie als für Behandlung", sagte er. Er sei in die Politik gegangen, um das zu ändern. "Wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten gibt, wenn Ärzte und Pfleger Zeit für ihr berufliches Ethos bekommen, brauchen Sie auch keine Qualitätssicherungsbögen."

Seehofer warnt Rösler

Die Gesundheitspolitik war eines der zentralen Streitthemen bei den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP. Dabei ging es unter anderem um die Zukunft des Gesundheitsfonds. Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und FDP sich nur darauf verständigt, zu Beginn der Legislaturperiode eine Regierungskommission einzusetzen. Diese soll nach Wegen suchen, wie das Gesundheitswesen langfristig zu finanzieren ist.

Gegen eine radikale Neuordnung, wie sie Rösler anpeilt, regt sich auch in der Koalition Widerstand. CSU-Chef Horst Seehofer warnte den FDP-Politiker in der "Welt am Sonntag" davor, einen Systemwechsel herbeizuführen. Ein Gesundheitssystem, in dem die Lasten solidarisch verteilt seien, gehöre "zu meinem Markenkern", sagte Seehofer. Dieser stehe nicht zur Disposition.

"Innerhalb dieses Rahmens" wünsche er dem neuen Gesundheitsminister "viel Erfolg", fügte Seehofer hinzu. Er habe schon so viele Gesundheitsreformen verhandelt, dass er wisse, dass es keinen radikalen Systemwechsel geben könne. Er sei sich sicher, dass auch ein FDP-Gesundheitsminister rasch zu dieser Erkenntnis gelange.

Noch schärfer attackierte der designierte SPD-Chef Sigmar Gabriel den liberalen Minister. Bei einer Veranstaltung der SPD-Basis im niedersächsischen Loxstedt empörte sich Gabriel, die Regierung wolle den privaten Anbietern im Gesundheitswesen Gelder zuschanzen. Der Sozialdemokrat nannte Rösler einen "scheinheiligen Spalter und Ideologen".

phw/ddp/AFP/dpa

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24.11.2009 von Henner Dehn:

Richtig, da Ihre Genossen von der SPD ja auch nichts Grossartiges zu kritisieren haben, denn den jetzigen Mist haben selbige schliesslich mit verzapft. mehr...

24.11.2009 von capu65:

Es ist zu erwarten, daß Dirk Niebel in vier Jahren sein Ränzlein schnüren darf. Er sollte sich auf eine sehr lange Abwesenheit einrichten. mehr...

23.11.2009 von hook123:

So fexibel wie Niebel eben! Gestern noch dagegen, heute schon mittendrin und nie dagegen gewesen. Immer diese Missverständnisse mit der Presse. Obwohl diese Regierung mit der Kanzlerin, Westerwelle als Außenminsiterin und dem [...] mehr...

23.11.2009 von yogtze:

Hat Günther Stoll die etwa gehabt? Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, die 100 Tage waren mal gute demokratische Sitte, die Opposition hält sich ja auch noch vornehm zurück. Es gab aber auch Zeiten, da hat man die letzten [...] mehr...

23.11.2009 von yogtze:

...aber nicht doch, lieber Morotti, das nennt man Flexibilität;-) mehr...

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Der Gesundheitsfonds

In den Gesundheitsfonds fließen alle Beiträge der 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Für die rund 150 gesetzlichen Kassen setzt die Bundesregierung seit 2009 einen einheitlichen Beitragssatz fest. Zum 1. Januar 2011 wurde er von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent des Bruttolohns erhöht. Die Arbeitnehmer zahlen davon 8,2 Prozent. Der Anteil der Arbeitgeber wurde unabhängig von künftigen Beitragserhöhungen auf 7,3 Prozent eingefroren.

Aus den Einnahmen des Fonds wird den Kassen das Geld dann zugewiesen. Das Volumen ist für ein Jahr im Voraus fixiert. 2011 bekommen sie 178,9 Milliarden Euro. Für jeden Versicherten erhalten die Kassen je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand Zu- und Abschläge. Krankenkassen mit älteren und kranken Versicherten erhalten mehr Geld als Kassen mit einer Vielzahl an jungen und gesunden Versicherten.

Erzielen die Kassen einen Überschuss, können sie eine Prämie an ihre Versicherten ausschütten. Die Entscheidung über deren Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung, monatlich oder jährlich, bleibt der Kasse überlassen.

Kassen, die mit den zugeteilten Mitteln nicht auskommen, dürfen einen Zusatzbeitrag verlangen. Er wird vom Versicherten als feste Summe gezahlt. Theoretisch können die Kassen die Zusatzbeiträge in beliebiger Höhe festsetzen. Mitglieder haben aber ein Sonderkündigungsrecht, wenn Zusatzbeiträge erhoben oder erhöht werden, und können zu einer günstigeren Kasse wechseln.






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