Von Veit Medick
Berlin - Der 4. November war ein schlimmer Tag für Andrea Ypsilanti. Es war der Tag, an dessen Ende sie Hessens Ministerpräsidentin hätte sein können. Doch vier eigene Abgeordnete verweigerten ihr aus heiterem Himmel die Gefolgschaft. Sie wurden als Aufrechte gefeiert, weil sie sich gegen einen Pakt mit der Linken stemmten. Ypsilanti aber wurde fortan geächtet. Weil sie den Pakt wollte. Obwohl sie ihn im Wahlkampf ausgeschlossen hatte.
Ein Jahr ist seitdem vergangen. Ein Jahr, in dem es ruhig war um die 52-Jährige - wenn man von der krachenden Niederlage der Hessen-SPD bei der Neuwahl am 18. Januar absieht, die sie für den Wortbruch kassierte. Jetzt, wo auch die Bundespartei in Trümmern liegt, ist sie wieder da. Ypsilanti mischt sich wieder ein. Sie sucht die politische Bühne.
Da ist zum Beispiel der Brief, den sie vor zwei Wochen öffentlich machte. Sie verzichte auf eine erneute Kandidatur für den SPD-Parteivorstand, schrieb sie darin, und schob dann Gründe hinterher, die man durchaus als Abrechnung mit der bisherigen Führungsspitze lesen konnte. "Systematisch" sei sie von dieser diskreditiert, "willkürlich und selbstgerecht" an den Rand gedrängt worden, eine "unbefangene Zusammenarbeit" sei deshalb ausgeschlossen. Beim Neuaufbau der SPD wolle sie mithelfen, wenn auch außerhalb der Gremien: "Wo gewollt und erwünscht bin ich gerne bereit, meine Erfahrungen und Erkenntnisse einzubringen."
Sätze, für die sie auch am kommenden Sonntag viel Zuspruch erhalten dürfte. Dann nämlich treffen sich Teile der SPD-Basis in Kassel zu einer Tagung, von der anzunehmen ist, dass sie mit den Regierungsjahren nicht gerade zimperlich umgehen wird. 14 Thesen, die sich die Ära von Gerhard Schröder vorknöpfen, dienen als Diskussionsgrundlage, Ypsilanti wird einen Kurzvortrag halten.
"Wo, das werde ich noch sehen"
Man darf annehmen, dass es damit nicht vorbei sein wird mit Ypsilantis neuem Tatendrang. Ihr Terminkalender sei prall gefüllt, heißt es in ihrem Umfeld, so prall, dass sie derzeit nicht einmal telefonisch erreichbar sei. Und natürlich: Wann, wenn nicht jetzt, sollte sie testen, ob sie noch eine Zukunft hat in der SPD? Die designierte neue Führungsspitze gibt sich demütig, die Basis ist aufgewühlt, der Ruf nach Bündnissen mit der Linkspartei wird lauter - eigentlich ein guter Zeitpunkt für ein Comeback. Natürlich wolle sie politisch aktiv werden, sagte sie auf der Frankfurter Podiumsdiskussion. "Wo, das werde ich noch sehen."
Aber natürlich in der SPD, versicherte sie.
Dass sie tatsächlich noch mal an vorderster Front mitmischt in der Sozialdemokratie - dazu wird es nicht kommen. Jedenfalls ist es sehr schwer vorstellbar, wenn man selbst einen ehemaligen Weggefährten fragen hört: "Wer ist Ypsilanti?" In Hessen wurde sie aus allen wichtigen Gremien gedrängt, der Landesverband ist noch immer mit Aufarbeitung beschäftigt. In Berlin haben die meisten führenden Sozialdemokraten, auch vom linken Flügel, ihren Wortbruch ebenfalls nicht vergessen. Im Gegenteil: Für viele war es genau dieser Wortbruch, der den Niedergang der Bundes-SPD erst wirklich in Gang setzte, das Glaubwürdigkeitsproblem der Partei massiv verschärfte.
Linkspolitiker locken Ypsilanti
Manch einer würde sich da wohl auf die Suche nach einer neuen politischen Heimat machen und zum Beispiel in Richtung Linkspartei abwandern. Ypsilanti würde dort offene Türen einrennen. Kein Wunder: Mit einem Schlag hätte die Partei eine weibliche Identifikationsfigur, eine Politikerin mit einem Haufen Parlamentserfahrung - und das auch noch im Westen. "Natürlich würden wir uns über Frau Ypsilanti freuen", sagt der stellvertretender Linkspartei-Chef Klaus Ernst. "Sie ist eine der wenigen, die in den letzten Jahren eine Wahl gewonnen haben und die für einen echten Politikwechsel standen. Warum sollten wir sie ablehnen?" Einen Wortbruch will Ernst bei der SPD-Politikerin nicht erkennen. "Sie war eher Leidtragende der hirnrissigen Abgrenzungspolitik uns gegenüber."
"Wie unsere Geschichte zeigt, nehmen wir Sozialdemokraten, die in der Sozialdemokratie keine Heimat mehr sehen, immer gerne auf", meint auch die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak und verweist auf so prominente Zugänge wir Oskar Lafontaine oder Ulrich Maurer. Und Kollegin Katja Kipping meint: "Wir würden uns über ein Neumitglied wie sie natürlich freuen."
Gespräche oder gar konkrete Abwerbungsversuche habe es allerdings noch nicht gegeben, versichern alle drei. Auch im hessischen Landtag sei man nur "kollegial" in Kontakt, sagt der dortige Linke-Fraktionschef Willi van Ooyen. "Aber sie hat richtige Politik gemacht, die wir damals unterstützten. Ablehnen würden wir sie nicht."
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die Ypsi ist nicht erst seit "gestern" in der Politik aktiv, sondern seit über 20 Jahren. Wer sich nach dieser langen Zeit noch "politische Unerfahrenheit" zubilligen lassen will oder muß, IST dumm. [...] mehr...
die Ypsi ist nicht erst seit "gestern" in der Politik aktiv, sondern seit über 20 Jahren. Wer sich nach dieser langen Zeit noch "politische Unerfahrenheit" zubilligen lassen will oder muß, IST dumm. [...] mehr...
..... Dummheit ganz sicher nicht, höchstens politische Unerfahrenheit. Vor allem aber ist sie gezielter Demagogie zum Opfer gefallen, sie ist ja regelrecht zu einer Unfrau gemacht worden. Bei anderen Politikern, die ihr Wort [...] mehr...
Die prämisse war "Koch muß weg, aber niiiiiiemals mit Hilfe der Linken, keine Hilfe egal welcherArt". Nicht nur Bruchstücke verwenden. Die Frau ist von Ihrer eigenen Dummheit geschlagen worden, von nichts anderem. mehr...
Die CDU schließt sich Ihrem Dank an! mehr...
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