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09.11.2009
 

20-jähriges Jubiläum

Berlin feiert den Mauerfall

Feiern zum Mauerfall: Blumen, Domino und eine Bronzebüste
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AP

Die Welt schaut auf Berlin: In der Hauptstadt hat die Feier zum 20. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Beim zentralen Gottesdienst warnte Bischof Huber vor einer Verharmlosung der DDR. Kanzlerin Merkel fordert weitere Anstrengungen zur Vollendung der deutschen Einheit.

Berlin - Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gethsemanekirche haben 20 Jahre nach dem Mauerfall die offiziellen Feiern in Berlin begonnen. "Noch immer bewegen uns die Dankbarkeit und das freudige Staunen über dieses Ereignis", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt. Er rief dazu auf, "gemeinsam in Ost und West, in Geduld und Ausdauer weiter Brücken zueinander zu bauen". Zollitsch erinnerte daran, dass Freiheit ein Geschenk Gottes sei, und mahnte "zur fortdauernden Solidarität mit den Menschen und Völkern, die in Unfreiheit leben müssen".

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Wolfgang Huber, erinnerte an die Unterdrückung der Bürgerrechtler in der DDR. "Wachsam sind wir auch, wenn dem Unrecht des SED-Staats der Mantel der Verharmlosung umgehängt wird", sagte Huber und appellierte daran, "dass Freiheit nicht zur bloßen Floskel verkommt, sondern in wechselseitiger Verantwortung gelebt wird". Vor 20 Jahren habe man ein Wunder erlebt. "Wir erinnern uns an die Freudentränen, die Jubelgesichter, die Befreiung."

Zollitsch und Huber sprachen auch die Reichspogromnacht am 9. November 1938 an. "Die Erinnerung an den 9. November 1989 und nicht weniger die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938 lehren uns unmissverständlich: Mauern, ob real oder in den Köpfen und Herzen der Menschen, Mauern lösen keine Probleme", sagte Zollitsch in seiner Predigt. Er würdigte die Leistung der Bürger in der DDR, die sich die Freiheit erkämpft hätten.

An dem Gottesdienst nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Vertreter des Bundeskabinetts teil, darunter Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) sowie Vertreter der Opposition. Der Gottesdienst fand in der Gethsemanekirche im Stadtteil Prenzlauer Berg statt. Vor 20 Jahren war die Kirche einer der Zufluchtspunkte für die Opposition in der DDR gewesen.

"Das war der Tag aller Tage"

Auch an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße fand eine Andacht in der Kapelle der Versöhnung statt, an der Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit teilnahm sowie Walter Momper, der zu Wendezeiten Bürgermeister West-Berlins war. "Das war der Tag aller Tage", sagte Momper rückblickend. "Ich freue mich immer wieder darüber, dass wir so friedlich zusammengekommen sind. Für die jungen Leute ist halt die alte Zeit schon Geschichte."


Kanzlerin Merkel forderte anlässlich des Jahrestages des Mauerfalls weitere Anstrengungen zur Vollendung der deutschen Einheit. Zwar seien in Ostdeutschland einige "blühende Landschaften" entstanden, die Arbeitslosigkeit sei aber immer noch doppelt so hoch wie im Westen, sagte sie im ARD-"Morgenmagazin".

Neben dem Mut der Ostdeutschen hat nach Überzeugung von Merkel auch der technologische Fortschritt im Westen wesentlich zum Fall der Mauer beigetragen. Durch die hohe technologische Fähigkeit des Westens sei das planwirtschaftliche System an eine Grenze gestoßen, sagte Merkel am Montag in Berlin bei einer wissenschaftlichen Konferenz der Einstein Stiftung. Merkel begründete dies auch mit der Freiheit des Denkens. Fortschritt und Wohlstand mit neuen Gedanken zu verknüpfen habe es dem System des Ostblocks schwer gemacht, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten

Am Nachmittag wird Merkel gemeinsam mit Zeitzeugen und Bürgerrechtlern die Bornholmer Straße entlanggehen. Der Grenzübergang Bornholmer Straße war der erste, der vor 20 Jahren geöffnet wurde. Mit dabei sind auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow sowie der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft Solidarnosc und spätere Staatspräsident Polens, Lech Walesa. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist am Abend das "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor.

Am Morgen hatte Merkel die US-amerikanische Außenministerin Hillary Clinton im Kanzleramt empfangen. Anschließend wollte sich Clinton mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zum Arbeitsmittagessen treffen.

Die beiden Außenminister hatten sich bereits am Sonntagabend bei einer Galaveranstaltung des Atlantic Council im Hotel Adlon getroffen. Gemeinsam mit anderen hochrangigen ausländischen Politikern will Clinton am Abend an den Feierlichkeiten am Brandenburger Tor teilnehmen.

Schabowski: "Blicke mit Genugtuung und gewissem Stolz zurück"

Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) hat anlässlich des Jubiläums dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow für dessen Beitrag zum Mauerfall gedankt. Er empfinde "Dankbarkeit für die Menschen, die vom Osten her die Mauer eingedrückt haben, aber auch Dankbarkeit für den Mann, der die Welt in jenen Jahren verändert hat, nämlich Michail Gorbatschow", sagte Genscher am Montag im Saarländischen Rundfunk. Besonders freue er sich, dass heute alle Europäer die Chance hätten, diesen Tag in Freiheit zu begehen.

Der ehemalige SED-Politiker Günter Schabowski, der am Abend des 9. November 1989 mit der Verkündung einer neuen Reiseregelung den Mauerfall ausgelöst hatte, blickt nach eigenen Worten "mit Genugtuung und auch mit einem gewissen Stolz" auf diesen Tag zurück. Ihm sei damals klar gewesen, "dass das ein relativ einschneidender Schritt war", sagte Schabowski dem Berliner "Tagesspiegel". Allerdings sei ihm die historische Dimension des Augenblicks erst viel später bewusst geworden.

Vor einer Verklärung der Rolle Helmut Kohls als Kanzler der Einheit hat derweil Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) gewarnt. "Der Mauerfall vor 20 Jahren ist nicht das Ergebnis einer genialen Politik und genialer Politiker, sondern des Mutes vieler namenloser Menschen und das müssen wir verteidigen", sagte Thierse dem Radiosender Bayern 2.

Das Mitglied der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer verwahrte sich entschieden dagegen, dass der frühere Bundeskanzler Kohl als derjenige hingestellt werde, dem Deutschland die Einheit zu verdanken habe. "Das hat ganz viel mit Propaganda zu tun, auch mit parteipolitischer Propaganda", sagte Thierse. "Nein, die Ostdeutschen haben die Mauer eingedrückt, damit hat Helmut Kohl nichts zu tun." Kohl habe hinterher aber den Prozess der deutschen Einigung mit Intelligenz vorangetrieben, so Thierse

anr/ddp/AFP

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14.05.2010 von chirin: Welche Hoffnungen wecke der Mauerfall , welche erfüllten sich davon?

Als Westberliner fand ich es wunderbar, daß alle Menschen wieder ein Heimatland hatten und so reisen konnten, wie wir. Das ist auch heute noch meine Ansicht und dofe Leute gibt es hüben wie drüben. Als wir neulcih in Bansin [...] mehr...

14.05.2010 von Grünschnabel?:

Ich persönlich verband keinerlei Hoffnungen mit dem Mauerfall. Ich freute mich natürlich, wie die meisten. Wen's betraf, der konnte jetzt ungehinderter seine Verwandten im Osten besuchen. Seit dem Mauerfall hat sich im Westen [...] mehr...

11.03.2010 von Berg:

Sie fragen mich, als wäre ich Treuhandmanager oder der OB von Wittenberge. Diktatur gibt es dort seit 20 Jahren nicht mehr, es war die Demokratie, die den Leuten die Lebensgrundlagen entzogen hat: ganz demokratisch [...] mehr...

11.03.2010 von Peterldw:

Ja der größte und modernste Nähmaschinenbetrieb Europas. Der war wohl doch nicht so modern, sonst würde es ihn ja noch geben. Was für eine Lösung für Wittenberge hätten sie denn? Ja und die Häuser und Schlösser hätte man sich [...] mehr...

11.03.2010 von Berg:

Witzig, dass dieses Thema wieder aufflammt. Es stimmt, der Warenüberflüss hat sich aus dem Westen in den Osten ausgebreitet. Es stimmt auch, dass die Häuser nun weitgehend renoviert und bunt angemalt wurden. Doch wenn [...] mehr...

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