Von Lisa Hemmerich
Berlin - Es war erst die zweite Pressekonferenz dieser Art, ein Novum in der Geschichte der DDR. Das Fernsehen der DDR übertrug die Sitzung live aus dem internationalen Pressezentrum in der Mohrenstraße in Berlin.
Günter Schaboswki referierte an diesem trüben Herbsttag über die zehnte Tagung des Zentralkomitees der SED. Niemand ahnte an diesem Abend, dass es eine historische Pressekonferenz werden würde. Fast eine Stunde lang redete der SED-Funktionär über Fragen zu Reformen der Partei, Wirtschaft und Gesellschaft.
Die Journalisten dösten vor sich hin. Schabowskis Parteichinesisch schläferte ein.
Bis kurz vor 19 Uhr der Journalist Riccardo Ehrman von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa eine Frage stellte, die die DDR-Bürger damals am meisten bewegte: nach dem neuen Reisegesetz. Es folgte eine ausschweifende Antwort, an deren Ende die entscheidenden Worte des Politbüro-Mitglieds Schabowski fielen: "Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."
Das war der Moment, in dem Schabowski zu blättern begann
Ein Raunen ging durch den Saal. Der damalige Reporter der "Bild", Peter Brinkmann, hakte nach: Ab wann das neue Gesetz gelten solle? Das war der Moment, in dem Günter Schabowski in seinen Zetteln zu blättern begann, die ihm der neue SED-Generalsekretär Egon Krenz kurz zuvor in der Sitzung des Zentralkomitees zugesteckt hatte. "Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich", stammelte Schabowski. Es sind jene berühmten Halbsätze, die heute zum 20. Jahrestag des Mauerfalls tausendfach wiederholt werden.
Doch über die Jahre nahmen die verschiedenen Versionen zu Schabowskis Zettel und dem Ablauf der Pressekonferenz zu. Nun präsentiert das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) den kompletten Mitschnitt der 70-minütigen Pressekonferenz aus dem DDR-Fernsehen. "Um der Legendenbildung zu begegnen", wie es in der Pressestelle heißt. Bis Dienstagfrüh um 11 Uhr wird diese Pressekonferenz auf der DRA-Seite zu sehen sein.
Der Auftritt Schabowskis war das (bislang) folgenreichste Versehen der deutschen Fernsehgeschichte. Denn in der Eile hatte er die Sperrfrist übersehen: Eigentlich sollte die Nachricht erst ab vier Uhr früh des nächsten Tages im DDR-Rundfunk verkündet werden. So hatte es Gerhard Lauter, ein Beamter des DDR-Innenministerium vorgesehen, der die Passage zum DDR-Reisegesetz noch am selben Vormittag des 9. November zusammen mit Offizieren der Staatssicherheit neu formuliert hatte. Eigenmächtig - in der Hoffnung, die ausblutende DDR doch noch stabilisieren zu können.
Zunächst herrschte Verwirrung bei den Journalisten
Doch Schabowski wusste nichts von einer Sperrfrist. Und so nahm, aus Sicht der SED-Oberen, das Verhängnis seinen Lauf. Die DDR-Grenzorgane waren nicht informiert, erst im Nachhinein wurde klar, welch brenzlige Situation am 9. November in Berlin entstand.
Davon ist auf den Bildern der Pressekonferenz nichts zu sehen. Die Verkündung führte zunächst zur Verwirrung unter den Journalisten: War die Mauer wirklich offen? Schließlich vermeldete als erste westliche Agentur AP um 19.05 Schabowskis Sätze als "Öffnung" der Grenze. Um 19.41 folgte dpa: "Die DDR-Grenze ... ist offen."
Heute ist sicher: Die Interpretation durch westliche Medien war mitentscheidend. Vor allem, als der damals bekannte Moderator Hanns Joachim Friedrichs um 22.42 Uhr in den ARD-Tagesthemen jenen Satz formulierte, mit dem viele in Ost und West erst die verquaste Ankündigung des SED-Funktionärs richtig begriffen: "Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind, die Tore in der Mauer stehen weit offen."
Viele setzten sich nun in Bewegung. Zehntausende Berliner stürmten noch in der Nacht zu den Kontrollposten und forderten unter Berufung auf das SED-Politbüro-Mitglied deren Öffnung.
Um 23.30 Uhr herum wurde schließlich an der Bornholmer Brücke die erste Sperre geöffnet - eigenmächtig durch den Oberstleutnant Harald Jäger. Schabowski, Lauter, Jäger, Ehrman, Brinkmann und Tausende von Berlinerinnen und Berlinern - sie machten in dieser Nacht Geschichte. Die Mauer war gefallen.
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Als Westberliner fand ich es wunderbar, daß alle Menschen wieder ein Heimatland hatten und so reisen konnten, wie wir. Das ist auch heute noch meine Ansicht und dofe Leute gibt es hüben wie drüben. Als wir neulcih in Bansin [...] mehr...
Ich persönlich verband keinerlei Hoffnungen mit dem Mauerfall. Ich freute mich natürlich, wie die meisten. Wen's betraf, der konnte jetzt ungehinderter seine Verwandten im Osten besuchen. Seit dem Mauerfall hat sich im Westen [...] mehr...
Sie fragen mich, als wäre ich Treuhandmanager oder der OB von Wittenberge. Diktatur gibt es dort seit 20 Jahren nicht mehr, es war die Demokratie, die den Leuten die Lebensgrundlagen entzogen hat: ganz demokratisch [...] mehr...
Ja der größte und modernste Nähmaschinenbetrieb Europas. Der war wohl doch nicht so modern, sonst würde es ihn ja noch geben. Was für eine Lösung für Wittenberge hätten sie denn? Ja und die Häuser und Schlösser hätte man sich [...] mehr...
Witzig, dass dieses Thema wieder aufflammt. Es stimmt, der Warenüberflüss hat sich aus dem Westen in den Osten ausgebreitet. Es stimmt auch, dass die Häuser nun weitgehend renoviert und bunt angemalt wurden. Doch wenn [...] mehr...
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