Aus Kabul berichtet Matthias Gebauer
Karl-Theodor zu Guttenberg ist am Morgen überraschend zu seiner ersten großen Auslandsreise in der afghanischen Hauptstadt eingetroffen. Der neue Verteidigungsminister landete am frühen Morgen auf dem internationalen Flughafen in Kabul. Aus Sicherheitsgründen blieb der Besuch bis zum letzten Moment geheim, auch die Delegation blieb klein - um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
Der Aufwand für den Minister ist dennoch enorm: Selbst in den gepanzerten Fahrzeugen müssen alle Insassen Schusswesten tragen. Eine wahre Armee von Bodyguards sichert die Fahrzeugkolonne. Damit zu möglichen Attentätern nicht vorab Informationen durchsickern, wann und wie westliche Politiker nach Kabul kommen, sind solche Sicherheitsmaßnahmen bei Afghanistan-Besuchen mittlerweile üblich.
Die Afghanistan-Reise von Guttenberg, der gerade 15 Tage im Amt ist, soll in einer kritischen Zeit für das Land am Hindukuschein Zeichen setzen. Guttenberg will aber auch schnell seine Verbundenheit mit den rund 4300 deutschen Soldaten zeigen, die am Hindukusch stationiert sind. Einen Fehler seines Vorgängers will der Minister keinesfalls machen - sich nachsagen lassen, dass er zu der Truppe keinen Draht habe.
Nach der Ankunft Guttenbergs sind vor allem politische Gespräche geplant. Der deutsche Botschafter wird in der Kabuler Vertretung über die politische Lage informieren, außerdem werden Organisationen wie die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und andere Vertreter die Situation im Land und die vielen Schwierigkeiten schildern, denen auch die zivilen Helfer in Afghanistan begegnen.
Fehlende Disziplin, Waffenverkauf an Taliban
Anschließend wird sich der Verteidigungsminister mit Isaf-Oberkommandeur Stanley McChrystal im Hauptquartier der Nato-Truppen treffen. Dabei dürfte Guttenberg offene Worte über den von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Laster in Nordafghanistan wählen. Auch wenn über die neue US-Strategie noch nicht entschieden ist, wird McChrystal den deutschen Gast schon mal darauf vorbereiten, dass auf seine Regierung bald neue Wünsche zukommen werden. Nach diesem Treffen wird Guttenberg für ein kurzes Gespräch mit Hamid Karzai im Kabuler Präsidentenpalast erwartet.
Die Entscheidung über eine neue US-Strategie ist grundlegend für den gesamten Afghanistan-Einsatz. Seit Wochen berät Präsident Barack Obama mit einer Expertenrunde über einen neuen Weg, die Verschlechterung der Lage im Kampf gegen den Terror und die Taliban zu stoppen. Dass er mehr Soldaten an den Hindukusch schicken will, steht fest - die Frage ist nur, wie viele und worauf sie sich als erstes konzentrieren.
Die Entscheidung Obamas wird dem Einsatz in Afghanistan möglicherweise eine neue Richtung geben, und das wird auch die deutschen Soldaten betreffen. Folglich wartet auch die Bundesregierung gespannt auf Ergebnisse. Vor Antritt seiner Asien-Reise machten die Berater des US-Präsidenten noch einmal klar, die Entscheidung sei noch nicht gefallen. Kurz vor dem Abflug habe sich Obama erneut mit seinem Kriegsrat getroffen.
Guttenberg will sich ein Bild von Kabul machen
Guttenberg wird mit dem afghanischen Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak reden, vor allem über die Ausbildung der afghanischen Armee. Der Aufbau von Militär und Polizei, der als Schlüssel für ein eigenständiges Afghanistan gilt, läuft längst nicht so reibungslos wie erhofft - die Armee macht eher durch fehlende Disziplin oder Skandale wie den Verkauf von Waffen an die Taliban auf sich aufmerksam.
Auf seinen wenigen Fahrten durch die Hauptstadt wird sich Guttenberg ein Bild von Kabul machen können - und sehen, wie sich die Stadt inzwischen durch die immer wieder verstärkten Sicherheitsmaßnahmen ins Absurde verändert hat.
Meterhohe Betonmauern schützen alle internationalen Einrichtungen und sollen die Wucht von möglichen Detonationen abhalten. Viele einst breite Straßen sind zu engen, dunklen Kanälen mutiert, in die kaum Sonnenlicht dringt.
Deutsche Botschaft gleicht einer Betonfestung
Die deutsche Vertretung liegt an einer dieser Straßen. Seit Monaten ist die Zufahrt für den normalen Verkehr gesperrt, da an der Straße mehrere internationale Organisationen ihre Büros haben. Die Botschaft selbst gleicht seit einem Sprengstoffanschlag vor dem Haupttor im Januar 2009 einem riesigen oberirdischen Betonbunker mitten in der Stadt. Alle Fenster sind zugemauert, erst kürzlich wurden kleine Sichtfenster installiert, um ein wenig Tageslicht in die Büros zu lassen.
Kabul, das wird Guttenberg sehen, gleicht auch hinter den zentimeterdicken Panzerglasscheiben keineswegs einer orientalischen Stadt mit Straßenhändlern und Basaren. Westliche Diplomaten rasen wie Guttenbergs Tross in Kolonnen durch die Straßen, auf den Dächern der Jeeps ohne Nummernschilder schaukeln unzählige Antennen - elektronische Störsender, die Fernzündungen von Sprengsätzen per Handy verhindern sollen. Aus Löchern in den Scheiben ragen oft Gewehrläufe.
Guttenberg besucht Afghanistan in einer Zeit, da alle Prognosen für das Land düster sind. Die Wahlen endeten wegen massiver Fälschungen, gegenseitiger Vorwürfe und vor allem wegen des störrischen Präsidenten Hamid Karzais in einer Farce. Karzai wird kommende Woche wieder als Staatsoberhaupt vereidigt, doch in Afghanistan hat er kaum noch Autorität und gilt als korrupter Machthaber, der seiner Familie und seinen Freunden die Pfründe zuschanzt. Um die Plätze an seinem Kabinettstisch wird noch heftig gekämpft. Die vielen zweifelhaften Gestalten, die ihm die Wiederwahl sicherten, wollen nun ihren Lohn.
Karzai unter Druck
Der Westen sieht Karzai kritischer denn je, doch niemand sieht eine Alternative zu dem Paschtunen. Der Präsident steht unter enormem internationalen Druck, erkennbare Zeichen gegen die Korruption zu setzen. Vor allem die USA dringen darauf. Doch dem afghanischen Machthaber dürfte dies schwer fallen.
Auch die Nato kann von ihren rund 100.000 Truppen im Land wenig Gutes vermelden. Vor allem für die US-Truppen im Süden und Osten sowie für die Briten war es das blutigste Jahr seit Beginn der Mission. In Großbritannien droht nach einem brutalen Mord an fünf Soldaten in der vergangenen Woche sogar die öffentliche Zustimmung zu dem Einsatz zu kippen.
Isaf-Chef McChrystal aber wird sich vermutlich nicht lange mit der Lage aufhalten, sondern Guttenberg um mehr Truppen für den Kampf bitten. Dabei wird McChrystal seinem Besucher auch sehr offen sagen, dass die Deutschen im Norden sehr gefährdet sind. Erst am Mittwoch wurde wieder ein Soldat bei einem Feuergefecht mit den Taliban schwer verletzt. Guttenberg wird von McChrystal wissen wollen, was die USA eigentlich im Norden vorhaben, da sie sich in den vergangenen Monaten immer häufiger in die Jagd nach Taliban eingemischt hatten. Bei der Bundeswehr wird dies mit Sorge gesehen.
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In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...
Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...
Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...
Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...
"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...
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