Mittwoch, 10. Februar 2010

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Afghanistan-Krieg

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13.11.2009
 

Besuch in Afghanistan

Guttenberg schickt Verstärkung nach Kunduz

Aus Kunduz berichtet Matthias Gebauer

In Masar-i-Scharif wurde er gefeiert, für Kunduz hat er Zusagen im Gepäck. Am zweiten Tag seiner Afghanistan-Reise besucht Verteidigungsminister Guttenberg den gefährlichsten Ort des Einsatzgebiets der Bundeswehr - und verspricht Verstärkung. 120 weitere Soldaten sollen anrücken.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reiste mit Zusagen nach Kunduz, zur gefährlichsten Station seiner Afghanistan-Reise. Nachdem die Truppe bereits im Sommer Verstärkung erbeten hatte, genehmigte Guttenberg nun die Entsendung einer frischen Infanteriekompanie aus Deutschland. Die rund 120 neuen Soldaten, die hauptsächlich den Schutz des Camps verbessern sollen, werden bereits im Januar in Kunduz ankommen, die Unterbringungen für die Soldaten sind bereits in Bau. Wenn andere Truppenteile außerhalb des Camps im Einsatz sind, soll die neue Kompanie mögliche Angriffe auf das Lager abwehren.

Mit den neuen Soldaten ist das aktuelle Mandat des Bundestags für die Afghanistan-Mission dann voll ausgeschöpft, die Obergrenze liegt bei 4500 Soldaten. Gut 1100 Männer und Frauen sind zurzeit in Kunduz stationiert, überall im Lager wird gebaut, um die zusätzlichen Soldaten unterzubringen. Obwohl schon der letzte Kommandeur der Truppen, General Jörg Vollmer, im Spätsommer eine deutliche Verstärkung des Camps gefordert hatte, will die Bundesregierung zunächst das alte Mandat für drei Monate verlängern und die Ergebnisse einer internationalen Afghanistan-Konferenz abwarten. Diese soll Anfang des Jahres stattfinden.

Die Region ist instabil

Guttenberg war am Freitagmorgen per Hubschrauber ins Feldlager nach Kunduz geflogen. Die Lage in der Region ist instabil, laut Militärjargon herrscht eine "erhebliche" Gefährdung. Seit die Taliban die neue Transportroute der Nato durch den Norden als Ziel erklärt haben, häufen sich Anschläge auf Versorgungskonvois. In der vergangenen Woche fackelten Aufständische in Imam Sahib nördlich des Bundeswehrlagers mehrere Lastwagen mit Waren für die US-Truppen ab. Die Nato ist wegen der vermehrten Angriffe alarmiert.

Auch die Bundeswehr kommt bei ihren Patrouillen regelmäßig unter Feuer. Erst am Mittwoch wurde ein deutscher Soldat schwer verletzt, als die Taliban den Konvoi in ihrer Hochburg Chahar Darreh südwestlich des Lagers attackierten. Etwas später wurde auch noch ein Helikopter beschossen. Zwar sind die Angriffe in den letzten Wochen im Vergleich zum Sommer etwas zurückgegangen, von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Jederzeit rechnet der neue Kommandeur Oberst Kai Rohrschneider mit neuen Angriffen.

Als Guttenberg nach Norden flog, wurde aus Kabul ein erneuter Anschlag gemeldet: Ein Selbstmordattentäter hatte sich in der Nähe des amerikanischen Camp Phoenix in die Luft gesprengt. Dabei wurden sechs Menschen verletzt - afghanische Zivilisten und technisches Personal der Nato. Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid erklärte der Nachrichtenagentur AP, man habe einen Militärkonvoi treffen wollen.

Begeisterter Empfang für den neuen Minister

Es war eine kurze Nacht für den neuen Verteidigungsminister gewesen. Bis zum späten Abend musste der Chef der Bundeswehr im nordafghanischen Masar-i-Scharif entweder Autogramme geben oder für die Kameras der Soldaten posieren. Kaum stellte sich der Minister, der einen langen Tag mit politischen Gesprächen in Kabul hatte, an einen Tisch, wurde er schon von den nächsten Soldaten umringt und zu einem neuen Gruppenfoto gebeten.

Der Abend im größten deutschen Lager glich zeitweise dem Auftritt eines Popstars. Gefeiert wurde der neue Minister, der den Soldaten in einer kurzen Rede, die er ohne Manuskript hielt, Mut und Respekt zusprach. "Wir bauen nicht nur Brunnen in Afghanistan", rief er den Soldaten zu. Das müsse endlich auch in Deutschland ankommen, so Guttenberg. Viel deutlicher konnte man den Bruch mit dem Mantra seines Vorgängers Franz Josef Jung nicht ausdrücken, der den Einsatz stets als Stabilisierungs- und Wiederaufbaumission bezeichnet hatte.

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