ThemaAfghanistan-KriegRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
15.11.2009
 

Afghanistan-Einsatz

Guttenberg hält Bezeichnung "Krieg" für treffend

Guttenberg in Afghanistan: Der Minister will die Sprache der Soldaten sprechenZur Großansicht
REUTERS

Guttenberg in Afghanistan: Der Minister will die Sprache der Soldaten sprechen

Schluss mit beschönigendem Politikersprech: Verteidigungsminister zu Guttenberg hat Verständnis dafür, wenn die Bürger den Afghanistan-Einsatz als "Krieg" bezeichnen. Und Außenminister Westerwelle will eine klare Perspektive für den Truppenabzug.

Berlin - Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat Verständnis für die Verwendung des Begriffes "Krieg" im Zusammenhang mit den Vorgängen in Afghanistan gezeigt. "Das ist eine Empfindung", sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Wenn man mit Blick auf den Bundeswehreinsatz in Afghanistan von einem "nicht internationalen bewaffneten Konflikt" oder ähnlichem rede, sei das sicher nicht die Sprache der Soldaten oder der Bevölkerung. Zwar müsse man trennscharf abgrenzen. Nach dem Völkerrecht gebe es in Afghanistan keinen Krieg. "Aber ich glaube, wir dürfen den Begriff schon so in der Umgangssprache nutzen, damit er auch verstanden wird", sagte der Minister.

Bei Guttenbergs Überraschungsbesuch in Kabul in der vergangenen Woche war der Hubschrauber-Konvoi des Verteidigungsministers am Freitagmittag wenige Minuten nach dem Start im nordafghanischen Kunduz offenbar vom Boden aus beschossen, aber nicht getroffen, worden.

Anlässlich des Volkstrauertags am Sonntag erinnerte Guttenberg in einer Feierstunde am neuen Ehrenmal im Berliner Bendlerblock an die 3100 Angehörigen der Bundeswehr, die seit 1955 im Dienst ums Leben kamen. "Der Verlust hat eine Lücke gerissen, die nicht mehr gefüllt werden kann", sagte er. "Wir werden sie nicht vergessen."

"Soldaten brauchen Rückhalt in der Heimat"

Der Tod der Soldaten rufe in Erinnerung, dass Sicherheit und Freiheit nicht selbstverständlich seien. Gerade gefährliche Einsätze wie der in Afghanistan erforderten in letzter Konsequenz als "höchsten Preis" auch das eigene Leben. In diesem Jahr starben nach Guttenbergs Worten neun Bundeswehr-Angehörige, die meisten von ihnen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz. "Unsere Toten sind nicht anonym", sagte der Minister. "Hinter jedem Namen verbirgt sich ein Schicksal."

In einer Feierstunde zum Volkstrauertag im Reichstag warb Bundespräsident Horst Köhler um Unterstützung für die deutschen Soldaten in Afghanistan. "Sie stehen in einem schwierigen und gefährlichen Einsatz, sie brauchen Rückhalt hier bei uns in der Heimat", sagte er.

Köhler erinnerte an die Einigung Europas nach dem Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs und würdigte dabei die Rolle des vor 90 Jahren gegründeten Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Präsident beschrieb dies als Modell: "Wenn der Zusammenklang von friedlichem Aufbau, gegenseitigem Vertrauen und generationenübergreifendem Engagement überall auf der Welt gelingt, dann hat die Menschheit die Chance, den Teufelskreis immer neuer Kriege und bewaffneter Konflikte endlich zu durchbrechen."

Die Deutschen hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten ihrer Verantwortung in der Welt gestellt. Köhler nannte die Einsätze gegen Armut, Not und Katastrophen, aber auch die Entsendung von Polizisten und Soldaten dorthin, "wo der friedliche Aufbau und die Freiheit erst noch mit Waffen geschützt und durchgesetzt werden müssen".

"Abzugsperspektive muss in Sicht geraten"

Dabei sei vor allem an die Männer und Frauen in Afghanistan zu denken. "Sie brauchen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich mit Anteilnahme und Vernunft für die Ziele und Bedingungen des Auslandseinsatzes der Bundeswehr interessieren", sagte er. Darum sei es wichtig, dass sich möglichst alle "Klarheit darüber verschaffen, was die Ziele des Einsatzes sind, was auf dem Spiel steht".

So klar die politischen Bekenntnisse zum Afghanistan-Engagement der Bundeswehr auch sind - ein Dauer-Einsatz soll daraus nicht werden. Deshalb will Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in den nächsten vier Jahren die Voraussetzungen für einen Abzug der Bundeswehr aus dem Land schaffen.

"Wir müssen in dieser Legislaturperiode mit dem Konzept der selbsttragenden Sicherheit in Afghanistan so weit kommen, dass eine Abzugsperspektive in Sicht gerät", sagte der FDP-Chef am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". "Wir wollen nicht auf ewig in Afghanistan bleiben."

Das sei auch die Meinung aller Verbündeter, mit denen er in den Tagen seit seinem Amtsantritt gesprochen habe, sagte der Minister. Deutschland werde dafür Sorge tragen, dass die Demokratie in Afghanistan wachse und die Korruption in dem Land vernünftig bekämpft werde. "Das erwarten wir auch von der afghanischen Regierung."

böl/AFP/AP/ddp/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5467 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.04.2010 von ANDIEFUZZICH: Mobat war besser

In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...

12.04.2010 von nachthai:

Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...

12.04.2010 von archelys: Das Verbrechen ist aus der Sicht der Verbrecher nicht unsinnig

Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...

12.04.2010 von triztan: ..., darunter auch Kinder und Frauen.

Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...

12.04.2010 von viceman: "wir" kämpfen nicht für ein

"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Afghanistan-Krieg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Karzai und Afghanistan

Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren

Hamid Karzai

Präsidentschaftswahlen

Isaf-Einsatz

Probleme in Afghanistan

Opium-Wirtschaft

Afghanistan-Krieg






TOP



TOP