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17.11.2009
 

Linke-Chef erkrankt

Lafontaine überrascht selbst seine Freunde

Von Markus Deggerich

Linke-Parteichef Oskar Lafontaine: "Es handelt sich um eine Krebserkrankung"Zur Großansicht
DDP

Linke-Parteichef Oskar Lafontaine: "Es handelt sich um eine Krebserkrankung"

Oskar Lafontaine muss operiert werden - er hat Krebs. Erst zu Beginn des neuen Jahres will der Parteichef der Linken entscheiden, wie seine politische Zukunft aussieht. Die Genossen rechnen fest mit einem Comeback.

Berlin - Die Mitteilung ist kurz. Er habe Krebs, ließ Linke-Chef Oskar Lafontaine am Dienstag kurz nach 15 Uhr verbreiten. In seiner Partei löst die Nachricht ein mittleres Beben aus. Freund und Feind sind völlig überrascht: "Ich bin fast vom Stuhl gefallen", sagte der prominente Thüringer Linke Bodo Ramelow. Er habe in den vergangenen Tagen mehrfach mit Lafontaine telefoniert, da sei nichts erkennbar gewesen. Der kranke Parteichef habe jetzt seine ganze Anteilnahme. Auch andere zeigen sich bestürzt.

Bereits an diesem Donnerstag wird Lafontaine sich einer Operation unterziehen. An welcher Art Krebs er leidet, ist bislang unbekannt. Zu seiner politischen Zukunft erklärte er: "Nach überstandener Operation werde ich zu Beginn des neuen Jahres unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe."

Das kann vieles heißen. Ist Lafontaines politische Karriere damit beendet? Nein, glauben viele in der Linkspartei. Sie hoffen auf seine Rückkehr. Dass er sich ganz zurückziehen werde, halten sie für unwahrscheinlich. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch rechnet damit, dass Lafontaine Anfang 2010 seine Ämter wieder aufnehmen werde, sagte er der "Ostsee-Zeitung": "Wenn Oskar Lafontaine wieder da sein wird, werden wir miteinander reden und alles Weitere entscheiden". Einen Zusammenhang zwischen Lafontaines Verzicht auf den Fraktionsvorsitz im Bundestag Anfang Oktober und der jetzigen Krebserkrankung schloss Bartsch der Zeitung gegenüber aus.

Erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme des Linke-Chefs gab es bereits am Montag. Da hatte Oskar Lafontaine in der Linksfraktion im Saarland von einem "chirurgischen Eingriff" berichtet. Danach werde er für eine Weile nicht zur Verfügung stehen. Konkrete Angaben darüber, um welche Krankheit es sich handele, machte er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht. Nachfragen seien nicht gestellt worden, berichten Teilnehmer der Sitzung.

Am Mittwoch noch ein Auftritt, am Donnerstag der chirurgische Eingriff

Zumindest an diesem Mittwoch will Lafontaine erst einmal so weitermachen, als wäre nichts gewesen. Er ist für einen öffentlichen Auftritt eingeplant - im saarländischen Landtag. Der dortige Linksparteichef Rolf Linsler geht davon aus, dass Lafontaine trotz des Eingriffs zur ersten Regierungserklärung der neuen schwarz-gelb-grünen Landesregierung sprechen wird. "Ich habe nichts anderes gehört", sagte Linsler in Saarbrücken. Er rechne zudem damit, dass Lafontaine nicht allzu lange im Krankenhaus bleiben müsse. Die Erkrankung sei rechtzeitig erkannt worden und der Eingriff seit längerem geplant, sagte Linsler.

Früheren Spekulationen über seinen Gesundheitszustand war Lafontaine in diesem Jahr energisch entgegengetreten: "Oskar Lafontaine ist gesund, treibt regelmäßig Sport", ließ er den Bundestagsfraktionssprecher am 14. April dieses Jahres schriftlich dementieren, es habe einen Eingriff am Herzen gegeben.

Lafontaines Erklärung kommt kurz nach einem Bericht des SPIEGEL, zu dem er sich vergangene Woche vor Drucklegung nicht äußern wollte und der an diesem Montag zu einem Krisentreffen von führenden Linken in Berlin führte. Nach Informationen des SPIEGEL wurden in der Parteispitze andere Gründe für Lafontaines Rückzug ins Saarland diskutiert: Lafontaine sei seiner Parteigenossin Sahra Wagenknecht nicht nur inhaltlich näher gekommen, hieß es, von einem Verhältnis sei die Rede. Daher habe er sich auf Druck seiner Ehefrau vom Vorsitz der Bundestagsfraktion in Berlin zurückgezogen.

Das Ehepaar Lafontaine und sein Parteikollege Gregor Gysi wollten zu den Gerüchten keine Stellung nehmen, Wagenknecht dementierte eine private Beziehung.

Mitarbeit: Florian Gathmann und Veit Medick

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