Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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18.11.2009
 

Besuch aus Hollywood

Guttenbergs Gladiator

Von Sebastian Fischer

Foto: Getty Images

Bodybuilder trifft Baron: Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller organisierte deutschen Soldaten in Afghanistan Fitnessgeräte. Dafür will Verteidigungsminister Guttenberg dem Actionheld jetzt mal Danke sagen. Dass ihn der Muskelmann gleich zum Kanzler kürt, geht dem CSU-Politiker aber doch zu weit.

Berlin - Was für ein Gegensatz. Der eine macht mit in Film- und Fernsehspielen wie "Gladiator", "Conan" oder "Der Superbulle und die Halbstarken". Der andere liest Platon, im Original. Zwischen Ralf Moeller und Karl-Theodor zu Guttenberg liegen Welten. Und doch nennen sich der gelernte Bodybuilder und der geborene Baron Freunde.

Deshalb steht jetzt Moeller neben dem deutschen Verteidigungsminister im Berliner Bendlerblock - einen guten Kopf größer, doppelt so breit - und ist einfach beeindruckt. Nach militärischem Gruß ("Ich bin Obergefreiter UA") lobt er Guttenberg als "in jedem Bereich einsetzbar". Moeller schaut den Nebenstehenden von oben nach unten und wieder nach oben an: "Viele sehen ihn irgendwann mal als Kanzler, auch ich." Breites Grinsen. Freundschaftliches Augenverdrehen bei Guttenberg. In Amerika, sagt Moeller, habe man längst vom Baron gehört, vom "Wunderminister".

Und Moeller muss es wissen. Denn er kommt direkt aus Amerikas Traumfabrik: Von Hollywood in den Bendlerblock.

Naja, eigentlich kommt Ralf Moeller aus Recklinghausen. Da hat er als Bademeister angefangen, Erfolge bei Schwimmwettkämpfen gehabt und ist schließlich ins Bodybuilder-Fach gewechselt, wo er seinem Idol Arnold Schwarzenegger nacheifert. Moeller schafft es schließlich bis zum Mister Universum der Amateure. Das ist jetzt aber auch schon mehr als 20 Jahre her. Über Nebenrollen kommt er nach Hollywood, lebt heute mal in München, mal in Malibu, gleich um die Ecke von Schwarzenegger.

Guttenberg sagt "Danke"

Sein Weg zu Guttenberg allerdings führt über Afghanistan. Weil er so viele Autogrammwünsche von deutschen Soldaten bekam, wollte er etwas für sie tun, wo ihr Leben in den Kasernen doch eingeschränkt sei: "Die können ja nicht einfach ins Café nach Kabul gehen". Nein, "die brauchen Fitness". Moeller organisierte also im vergangenen Jahr Fitnessgeräte, machte sich um den Muskelaufbau der deutschen Truppe am Hindukusch verdient und war ein paar Tage vor Ort.

Guttenberg sagt, Moeller werbe wie er um "Verständnis für den deutschen Einsatz". Dafür wolle er Danke sagen. Nun habe man sich "gegenseitig angedroht", nächstes Jahr mal gemeinsam nach Afghanistan zu fliegen. Moeller nickt kräftig. Es gefällt ihm hier im Ministerium, wo er die Offiziere konsequent duzt. Der neue Minister habe "klare Worte", jetzt fühle sich auch die Truppe besser.

"Jetzt"? Moeller kennt auch Guttenbergs Vorgänger Franz-Josef Jung ganz gut. Der war recht glücklos in Amt und Kommunikation.

An klaren Worten herrscht beim Bodybuilder nun wirklich kein Mangel. Wie er denn das bezeichne, was in Afghanistan geschehe? "Das ist auf jeden Fall ein Krieg, da fallen Soldaten. Wir befinden uns in einem Krieg, das muss man ganz klar sagen." Guttenberg verzieht keine Miene, sein Mund ist ein Strich. Vor kurzem hatte er die bisherige deutsche Krypto-Kommunikation entkrampft, indem er von "kriegsähnlichen Zuständen" in Teilen Afghanistans sprach.

Kanzlerkür im Bendlerblock

Das war das Maximum. Moeller aber geht noch kräftig darüber hinaus - und artikuliert damit möglicherweise das, was deutsche Soldaten in Afghanistan wirklich fühlen: eben dass sie in einem Krieg stehen. Zwar bleibt Guttenberg an dieser Stelle stumm, widerspricht aber auch nicht. Nur die Sache mit der nahenden Kanzlerschaft, die muss er natürlich zurückweisen: "Der Verteidigungsminister sieht sich als Verteidigungsminister."

Als was sich Moeller in Zukunft sieht, wird nicht ganz klar. Vor vier Jahren lernte er Angela Merkel auf der Berlinale kennen, am nächsten Tag bekam er einen Anruf aus der CDU-Zentrale: Ob er nicht Wahlkampf machen wolle für Merkel. Eigentlich favorisierte er den damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder, "wegen seiner Zigarren und seinem Geschmack für gute Anzüge" - dann aber machte er doch bei Merkel mit.

Moeller wurde politisch. Kurz darauf kokettierte er damit, dass er nicht den gleichen Fehler wie Schwarzenegger begehen werde, der zwar Gouverneur von Kalifornien geworden sei aber als nicht gebürtiger Amerikaner nie Präsident werden kann: "Ich werde deswegen lieber Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dann kann ich später auch Bundeskanzler werden."

Guttenberg lernt er in Hannover kennen, "als ich mit Merkel und Schwarzenegger auf der Cebit war". Das "Ich" steht vorn bei Moeller. Auch an diesem Berliner Novembertag habe er schon mit dem Gouverneur telefoniert: "Ich hab' ihm mitgeteilt, was wir hier so machen." Und Schwarzenegger? Der habe Guttenberg grüßen lassen.

Der transatlantische Dialog geht herrlichen Zeiten entgegen.

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