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19.11.2009
 

Erkrankter Lafontaine

Gegner wünschen Genesung

Linke-Chef Lafontaine im Saar-Landtag: Hoffnung auf schnelles GesundungZur Großansicht
dpa

Linke-Chef Lafontaine im Saar-Landtag: Hoffnung auf schnelles Gesundung

Gute Wünsche über alle Lager hinweg: Die Krebserkrankung von Oskar Lafontaine rückt frühere politische Kämpfe in den Hintergrund. Die Wut sei vergangen, schrieb Altkanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf dem Linke-Chef, der an diesem Donnerstag im Saarland operiert wird.

Berlin - Es schien ein Bruch für immer zu sein: Erst flüchtete Oskar Lafontaine 1999 im Streit mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder aus Finanzministerium und SPD-Vorsitz, dann machte er die Linkspartei auf Kosten der Sozialdemokratie und Schröders Kanzlerschaft stark. Doch die Krebserkrankung Lafontaines lässt nun die alten politischen Kämpfe in den Hintergrund rücken.

"Lieber Oskar, die Zeit ist vergangen, die Wut auch. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. Liebe Grüße", zitiert die "Bild"-Zeitung eine Mail, die Altkanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf an den Erkrankten schrieb. Auch Rudolf Scharping, den Lafontaine auf dem Mannheimer Parteitag 1995 aus dem SPD-Vorsitz drängte, äußerte sich: "Seine Politik ist rückwärtsgewandt und schädlich für Deutschland. Aber wenn es um die Gesundheit geht, muss man über politische Gräben hinwegsehen." In diesem Sinne wünsche er "gute Besserung".

Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber sagte, es mache ihn betroffen, "dass Oskar Lafontaine nach dem schweren Attentat erneut vor einer großen gesundheitlichen Herausforderung steht". Er wünschte dem Linke-Chef "Gottes Segen für eine rasche und volle Genesung". Auch der CSU-Politiker Peter Gauweiler, der mit Lafontaine befreundet ist und gemeinsam mit ihm gegen den Lissaboner EU-Vertrag klagte, nannte ihn "den herausragendsten Parlamentarier in ganz Deutschland" und sagte: "Du wirst noch gebraucht - unabhängig vom langweilig Parteipolitischen, das uns beiden sowieso immer egal war. Dein Herz schlägt links und auf dem rechten Fleck! Dein alter Freund Peter Gauweiler."

Ramelow befeuert Nachfolgediskussion

Der an Prostatakrebs erkrankte Lafontaine wird an diesem Donnerstag in der Uniklinik im saarländischen Homburg operiert. Saar-Linke-Chef Rolf Linsler wollte keine Einzelheiten zur Behandlung nennen. Lafontaine habe ein Recht auf seine Privatsphäre. Unklar ist, wie lange der 66-Jährige in der Klinik bleiben muss und wann genau die Operation stattfindet. Lafontaine hatte der Öffentlichkeit am Dienstag mitgeteilt, dass er sich behandeln lassen müsse.

Als Lafontaines Zwangspause bekannt wurde, flammte eine Nachfolgedebatte in der Linken auf. Bodo Ramelow, Linke-Fraktionschef in Thüringen, rief seine Partei zu einem Generationswechsel auf. "In die nächsten Bundestagswahlen werden wir ohne Lafontaine gehen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Mit dem Krebsleiden habe das aber nichts zu tun, Lafontaine sei dann schlicht zu alt. "Wir brauchen einen Generationswechsel." Er wünsche sich, dass Lafontaine im kommenden Jahr noch einmal die Kraft habe, für den Parteivorsitz zu kandidieren, "aber wir müssen auch über die Zeit nach ihm nachdenken". Er selbst denke zwar "derzeit nicht" über eine eigene Kandidatur nach, schließe das aber "auch nicht generell aus".

West-Linke zeigten sich empört: "Ich kann alle in der Partei nur davor warnen, jetzt Personaldebatten zu beginnen", wies der stellvertretende Parteivorsitzende Klaus Ernst seinen Kollegen aus Thüringen zurecht. "Das wäre schädlich für die Linke und außerdem moralisch verwerflich." Es sei "geschmacklos, jetzt ungefragt Namen ins Spiel zu bringen, wo wir einen amtierenden Vorsitzenden haben". Er könne auch "unsere politischen Konkurrenten nur davor warnen, sich falschen Hoffnungen hinzugeben".

Im ZDF-Morgenmagazin am Donnerstag beteuerte Ramelow, dass der Parteivorsitz nicht auf der "zeitlichen Agenda" stehe: "Es ist nicht tagesaktuell." Es gebe keine Nachfolgedebatte und er wünsche sich, dass Lafontaine im kommenden Jahr kraftvoll als Parteivorsitzender zur Verfügung stehe.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte den Linken eine schwierige Zukunft für den Fall voraus, dass Lafontaine seine Ämter aufgeben müsse. "Dann wird diese Partei zerfallen in Radikale um Sahra Wagenknecht und einer ganzen Reihe von ostdeutschen PDSlern, die Regierungsverantwortung anstreben." Dies werde "eine Belastungsprobe erster Ordnung" für die Linke werden.

Am Tag vor der Krebs-OP hatte Lafontaine noch einen fulminanten Auftritt im Saar-Landtag. Mit seiner ersten Rede an dieser Stelle seit elf Jahren antwortete er auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Peter Müller (CDU), ohne auf seine Erkrankung einzugehen. Die Saar-Linken hoffen, nur kurze Zeit ohne Lafontaine auskommen zu müssen. Landesparteichef Linsler sagte, er rechne damit, dass Lafontaine Anfang kommenden Jahres wieder zur Verfügung stehen werde.

sef/AP/dpa

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07.01.2010 von andreas13053:

Wow, der erste Beitrag 2010 und dann gleich soviel Qualität. Ganz großer Sport. mehr...

07.01.2010 von uli67:

che ist mindestens genau so lange tot wie Ihr revolutionäres Geseiere. Insofern passt ja der Nick... mehr...

07.01.2010 von yogtze:

Für alle anderen hat er doch kreative Alternativnamen gefunden? mehr...

07.01.2010 von Morotti:

Welchen sollte er denn nehmen? mehr...

06.01.2010 von yogtze:

Knut, wie kommst Du bei Honecker auf den Vornamen Erich? Wenigstens ist da der Nachname falsch geschrieben, das gleicht es immerhin wieder ein bisschen aus;-) mehr...

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