Berlin - Es ist seine schwerste Niederlage. Doch Franz Josef Jung macht das, was er in brenzligen Situationen immer tut, um die Außenwelt von sich abzuschirmen: Er lächelt. Derart gewappnet, betritt der CDU-Politiker am Freitagmittag das Podium im Erdgeschoss seines Ministeriums.
Jung erklärt seinen Rückzug als Arbeitsminister wegen seiner Vergangenheit als Verteidigungsminister - nach einer 36-stündigen Hängepartie, in deren Verlauf der Mann mehr und mehr unter Druck geraten ist.
Nach "reiflicher Überlegung" habe er die Kanzlerin am Morgen "unterrichtet, dass ich mein Amt des Bundesministers für Arbeit und Soziales zur Verfügung stelle". Er übernehme damit "die politische Verantwortung für die interne Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums gegenüber dem Minister" mit Blick auf die umstrittenen Luftangriffe auf zwei Tanklastzüge in Afghanistan.
Doch mehr sagt Jung nicht. Selbst jetzt, wo er nichts mehr zu verlieren hat, leistet er keinen Beitrag zur Aufklärung all der Ungereimtheiten: Wer wusste wann was von den zivilen Opfern beim Bombardement im September? Warum haben ihn Militärberichte aus Afghanistan offenbar nicht erreicht?
Jung bunkert sich ein: "Ich habe sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet."
Der Minister geht. Schuldlos, wie er offensichtlich meint. Er hinterlässt Angela Merkel einen Scherbenhaufen. Selten hat eine Regierung ihren Start so verstolpert wie die schwarz-gelbe. Nach gerade einmal vier Wochen in Amt und Würden gibt es Dauerstreit um die Steuerreform, die Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach oder die Bevorteilung der Hotel-Lobby. Und jetzt hat Merkel ihren ersten Minister verloren. Das hat selbst Rot-Grün in dieser Kürze nicht fertiggebracht.
Webfehler in Merkels Polit-Management
Die Causa Jung beleuchtet zudem einen Webfehler im Polit-Management der Kanzlerin: Ihr Warten im Hintergrund, bis sich die Dinge klären, in der ein oder anderen Weise. Doch gerade diese Eigenschaft, kombiniert mit der Bunkermentalität Jungs, hat ihr das aktuelle Problem beschert.
Ganz anders Jungs Nachfolger im Amt des Verteidigungsministers. Karl-Theodor zu Guttenberg verkündet an diesem Freitag vorm Verteidigungsausschuss "ein Höchstmaß an Transparenz", um die Vorfälle in Afghanistan "lückenlos" aufzuklären. Schon am Vortag hatte er den Generalinspekteur und einen Staatssekretär geschasst. Warten ist Guttenbergs Sache nicht.
Jung dagegen dachte gar nicht daran, von sich aus die Initiative zu ergreifen und weitergehend aufzuklären. Als er am Donnerstagabend eine letzte Chance zur Rechtfertigung im Bundestag ungenutzt verstreichen ließ und die Opposition nicht mehr nur ihn, sondern plötzlich Merkel selbst attackierte, da wusste die Kanzlerin: Es geht nicht mehr.
Sie musste nun selbst die Reißleine ziehen.
Am Freitagmorgen kam es zum Gespräch im Kanzleramt zwischen Merkel und Jung. Dabei waren sich Merkel und der Minister nach Informationen von SPIEGEL ONLINE einig, dass der Rücktritt auch deshalb notwendig ist, weil sich Jung angesichts der Afghanistan-Untersuchung nicht mit voller Aufmerksamkeit auf sein Amt als Arbeitsminister konzentrieren könne.
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Dann besinnt sich Jung. Und tritt ab.
In Hessen schließen sie derweil prompt die Reihen. In diesen "schweren Stunden" gelte "unser Mitgefühl unserem Freund Franz Josef Jung, der mit Leib und Seele, mit großer Leidenschaft Bundesminister war", erklärte der hessische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Roland Koch. "Die Ereignisse der letzten 36 Stunden und insbesondere der Amtsverzicht meines Freundes" gingen ihm "auch persönlich sehr nahe".
Nur mal zur Erinnerung: Bundesminister ist ein vom Souverän auf Zeit verliehenes Amt. Trauerbekundungen zum Abschied sind da fehl am Platze.
Doch die hessische CDU ist eben ein besonderer Verein, bestimmt vom Freund-Feind-Schema. Koch, Jung und Co. sind sozialisiert worden durch Hessen-Hardliner wie Alfred Dregger oder Manfred Kanther. Die hätten sich mit Sicherheit nicht wirklich anders verhalten als Jung in den letzten Stunden.
Merkel hat innerhalb von Stunden über die Nachfolgefrage entschieden: Es wird Ursula von der Leyen. Ins Bundesfamilienministerium zieht die erst 32 Jahre alte hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler ein. Beide Personalien sind echte Überraschungen.
Mitarbeit: Philipp Wittrock
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Wo können Sie bei dieser Dame "Stil" entdecken? Bei mir hat sich in der letzten Zeit ein regelrechter Reflex entwickelt, immer wenn sie irgendwo im Fernsehen auftaucht betätige ich mittlerweile ganz automatisch den [...] mehr...
Stil nennen Sie das ? Wer dem Bürger ein Milliardenpaket für "Bildungsgutscheine" als Erfolg suggeriert und auf mehrmaliger Nachfrage - bei Anne Will- durch Herrn Spreng: "Was denn 1 Stunde Nachhilfe- bei 30 [...] mehr...
das, was Sie meinen, nennt man "Fletschen", und hat mit Grinsen oder Fröhlichkeit grad gar nix zutun! Außerdem tritt dieser Eindruck verstärkt auf, wenn Frau Schwesig mal wieder von Frau v. d. Leyen unterbrochen oder [...] mehr...
Übelster Populismus, der dem obersten Gericht nicht standgehalten hat, kam von Schröder und Grün - schon vergessen? Wenn Schröder und Hartz nciht gewesen wären, um den Unernehmern Arbeitskosten zu ersparen, dann hätten wir die [...] mehr...
Also, ich finde die Minister, die permanent in neue Ressorts eingesetzt werden werden doch verheizt. Da gehören Fachleute hin und da niemand alles kann, ist das Ergebnis entsprechend, aber , diese Schwesig ist ganz unmöglich , [...] mehr...
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