ThemaFranz Josef JungRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
27.11.2009
 

Rücktritt des Arbeitsministers

Von der Leyen als Jung-Nachfolgerin im Gespräch

Unionspolitikerin von der Leyen: Nachfolgerin für Jung?Zur Großansicht
DDP

Unionspolitikerin von der Leyen: Nachfolgerin für Jung?

Franz Josef Jung musste aufgeben: Der CDU-Politiker hat seinen Rücktritt als Arbeitsminister erklärt. Als mögliche Nachfolgerin ist nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen unter anderem Familienministerin Ursula von der Leyen im Gespräch.

Berlin - Am Ende ging alles ganz schnell: In einer kurzen Erklärung teilte Franz Josef Jung an diesem Freitag in Berlin "nach reiflicher Überlegung" seinen Rücktritt mit. Er übernehme "die politische Verantwortung für die interne Informationspolitik" im Verteidigungsministerium nach dem Luftangriff in Kunduz. Er habe die Öffentlichkeit und das Parlament über seinen Kenntnisstand immer korrekt informiert. Er wolle mit dem Schritt Schaden für die Bundeswehr abwenden und die Truppe vor unberechtigten Angriffen in Schutz nehmen, sagte er in seiner kurzen Erklärung.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Donnerstag berichtet, dass Angela Merkels Minister der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten hatte. Jung versuchte danach noch, den Bundestag von seiner Unschuld zu überzeugen, doch das Ganze geriet zum Debakel.

Merkel will möglichst noch an diesem Freitag über die Nachfolge entscheiden. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ist als Nachfolgerin unter anderem Familienministerin Ursula von der Leyen im Gespräch. Ihre Nachfolgerin als Familienministerin könnte die hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler werden.

Entschieden ist aber noch nichts. Auch andere Namen kursieren: Hessens CDU-Fraktionschef Christean Wagner wird zum Beispiel genannt oder Innenminister Volker Bouffier.

Dem Jung-Rücktritt vorausgegangen war ein Gespräch zwischen der Kanzlerin und Jung im Kanzleramt. Dabei waren sich Merkel und der Minister einig, dass der Rücktritt auch deshalb notwendig ist, weil sich Jung angesichts der Kunduz-Untersuchung nicht mit voller Aufmerksamkeit auf sein Amt als Arbeitsminister konzentrieren könne.

Zuvor hatte auch beim Koalitionspartner die Sorge vor einer Belastung der Koalition durch die Jung-Affäre zugenommen. Der FDP-Generalsekretär von Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, sah den kommenden Landtagswahlkampf belastet. "Wir sehen mit Sorge, dass der Start der neuen Koalition im Bund durch Altlasten beschwert wird", sagte der FDP-Politiker am Freitagmorgen SPIEGEL ONLINE. Das sei eine "gewisse Hypothek" für die Landtagswahl im nächsten Jahr. "Daher sollten wir die Problemlösung nicht zu lange ins kommende Jahr verlängern". Im Mai wird in Nordrhein-Westfalen gewählt.

Bei dem Luftangriff am 4. September nahe Kunduz waren bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden (siehe Chronologie im Kasten links). Die Bundeswehr hatte selbst früh Angaben zu zivilen Opfern, diese aber nicht öffentlich gemacht. Auch Jungs Nachfolger im Verteidigungsministerium, Karl-Theodor zu Guttenberg, steht in der Kritik, weil er den Angriff als militärisch angemessen bezeichnet hatte.


Trotz des Rücktritts von Jung will die SPD in einem Untersuchungsausschuss die Hintergründe der Luftschläge auf zwei Tanklaster in Afghanistan Anfang September aufklären. "Ein Untersuchungsausschuss hat sich damit natürlich nicht erledigt", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann SPIEGEL ONLINE.

Die Linksfraktion schloss sich an. "Auch wir sind der Auffassung, dass jetzt ein Untersuchungsausschuss her muss", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linke-Fraktion, Dagmar Enkelmann, SPIEGEL ONLINE. "Es ging ja nicht nur um den Rücktritt, sondern um umfassende Aufklärung. Außerdem muss verhindert werden, dass künftig Berichte zurückgehalten werden." Bereits am Donnerstag hatten auch die Grünen einen Untersuchungsausschuss gefordert.

Damit droht die Debatte über den Luftschlag die schwarz-gelbe Bundesregierung auf Wochen oder Monate zu belasten. Voraussichtlich wird sich der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss konstituieren. Dies ist die übliche Vorgehensweise bei parlamentarischen Untersuchungen aus diesem Ressort.

ron

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 228 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.12.2009 von kdshp:

Hallo, sicher war das richtig und deswegen sollte herr guttenberg auch zurücktreten. Wenn der wirklich was gewußt hat und gelogen hat JA dann tschüs herr guttenberg ! mehr...

05.12.2009 von jolip:

Einen wunderschönen guten Morgen Jordan Sokol, ich habe den guten alten Karl Theodor noch als politischen Rechtsaußen der CSU erlebt. Der hat gegen alles gewettert, das links von ihm steht und fdas war naturgemäß eine Menge. [...] mehr...

04.12.2009 von screwyou: Jung

ja, definitiv der richtige Schritt ist ein Rücktritt und wenn er schon dabei ist soll er doch gleich ein paar von seinen Artgenossen mitnehmen. mehr...

03.12.2009 von Jordan Sokoł: Widerstand der Familie von und zu Guttenberg

Guten Abend jolip, nachstehend konkrete Hinweise zum Widerstand gegen Adolf Hitler - Zitat aus Wikipeda, der freien Enzyklopädie: (Großvater des heutigen Verteidigungsministers ist) "Karl Theodor Freiherr von und zu [...] mehr...

02.12.2009 von Jordan Sokoł: Hinterfragen

Hallo jolip, das habe ich aus den Medien. Ich werde nach Quellen suchen. Lassen Sie mir bitte etwas Zeit. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Franz Josef Jung

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)


Chronologie der Bombennacht

Klicken Sie auf die Zeiten für Details der Bombennacht vom 3. auf den 4. September 2009...

20.00 bis 22.30 Uhr Ortszeit

22.30 bis 1.30 Uhr

1.30 bis 2.30 Uhr

Im Morgengrauen

Mittags

Was nach dem Luftangriff geschah

4. September 2009

AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster. Den Angriff, bei dem auch Zivilisten sterben, hat der deutsche Oberst Georg Klein angefordert. Die Taliban hätten gedroht, "auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr" zu verüben, erklärt Jung. "Deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben." An den folgenden Tagen bezeichnet Jung den Luftangriff wiederholt als "geboten".

Mehr über die Kunduz-Affäre auf der Themenseite...

5. September 2009

8. September 2009

11. September 2009

29. Oktober 2009

6. November 2009

26. November 2009

27. November 2009

2. Dezember 2009

3. Dezember 2009

16. Dezember 2009

9. März 2010

18. März 2010

19. März 2010

19. April 2010

19. August 2010




TOP



TOP