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27.11.2009
 

Schwarz-gelber Chaos-Start

Merkel schrödert

Ein Kommentar von Roland Nelles

Bundeskanzlerin Merkel: Fehlstart mit Hängen und WürgenZur Großansicht
ddp

Bundeskanzlerin Merkel: Fehlstart mit Hängen und Würgen

Die schwarz-gelbe Regierung steht vor einem Scherbenhaufen. Nach dem Durcheinander bei den Koalitionsverhandlungen muss Kanzlerin Merkel nun auch noch ihre Regierung umbauen. Wann wird eigentlich regiert?

Diese Regierung "trickst und täuscht". Sie hat einen "Fehlstart" hingelegt. Die ersten Tage sind eine Abfolge von "Pleiten, Pech und Pannen". Die Regierungspolitik ist "dilettantisch". Harte Urteile. Gefällt wurden sie vor gut zehn Jahren von Wolfgang Schäuble, Michael Glos und Wolfgang Gerhardt. Inbrünstig geißelten die damaligen Oppositionspolitiker die taufrische rot-grüne Bundesregierung. Zu Recht. Meine Güte, was war das damals für ein Chaos!

Jetzt wird zurückgeschrödert. Der Abgang von Franz Josef Jung vom Amt des Arbeitsministers nach Hängen und Würgen passt zum Bild, das die neue Bundesregierung seit ihrem Start abgibt. Erst stritten sie während der Koalitionsverhandlungen wie die Kesselflicker. Dann wunderte sich das halbe Land, weil die neuen Koalitionäre etliche frisch gemachte Zusagen teilweise wieder einsammelten. Und nun auch noch Jung. Dass Merkel sich bei einer kurzen Stellungnahme nach Jungs Rücktritt verhaspelt und vom "Verteidigungsminister" statt vom Arbeitsminister Jung redet, ist ein dummer Zufall. Aber es ist auch symptomatisch für das Durcheinander, das ihre zweite Amtszeit bisher bestimmt.

Nun könnten sich Angela Merkel und ihr Co-Pilot Guido Westerwelle beruhigt zurücklegen und sagen, jeder Sturm hört einmal auf, in der Reiseflughöhe gehen die Turbulenzen vorüber. Aber ist das ein Naturgesetz?

Die wichtigste Ressource dieser neuen Regierung ist Vertrauen. Bei der Bundestagswahl glaubte eine Mehrheit der Wähler, dass Schwarz-Gelb die Probleme dieses Landes besser lösen kann als jede andere Regierungskonstellation. Dieser Regierung wurde viel Vertrauen geschenkt, vor allem der FDP. Aber so ein Vorschuss ist endlich. Er kann schnell aufgebraucht werden, er löst sich auf, wenn die Wähler den Eindruck gewinnen, dass eine Regierung überfordert ist. Anfängerfehler werden verziehen. Doch irgendwann festigen sich Eindrücke, dann bleiben irreparable Schäden am Ansehen. Diese Regierung geht mit dem Vertrauensvorschuss ihrer Wähler um wie eine Gruppe Betrunkener, die im Spielcasino ein Vermögen verjubelt.

Von der Leyen ist eine überzeugende Lösung

Das Schöne für Merkel ist: Noch ist es nicht so weit. Sie kann den miesen Eindruck der Anfangszeit wettmachen. Sie kann durch Taten überzeugen. Die Berufung von Ursula von der Leyen ist eine solche Tat. Es ist eine überzeugende Lösung, weil von der Leyen in ihrem bisherigen Amt Geschick bewiesen hat. Sie ist beliebt.

Merkel hat weitere wichtige Wegmarken vor Augen, die ihr helfen können. Wenn es ihr gelingt, beim anstehenden Kopenhagener Klimagipfel ein belastbares Ergebnis zu erzielen, kann das Vertrauen in ihre Regierung gestärkt werden. Das Gleiche gilt, wenn Anfang Januar tatsächlich die versprochenen Maßnahmen aus dem "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" greifen. Dann haben die Bürger Anfang nächsten Jahres mehr Geld auf dem Konto, unter anderem durch die geplante Erhöhung des Kindergeldes oder durch die Absetzbarkeit der Krankenkassenbeiträge. Zwar murren noch einige Ministerpräsidenten. Doch die Chancen stehen gut, dass die Koalition ihr Paket am Ende durchsetzen kann.

Chaos bei Schwarz-Gelb macht Rot-Grün wieder stärker

Aber es gibt auch Risiken: Die größte Gefahr geht von der Opposition aus. Noch profitiert Merkel davon, dass die SPD in einem katastrophalen Zustand ist. Die Wähler sehen in ihr keine vertrauenerweckende Alternative. Die Partei ist "aus der Mode", wie es Franz Müntefering ganz treffend formuliert hat. Aber das kann sich schon bald ändern. Mit jedem Tag Chaos bei Schwarz-Gelb wird Rot-Grün stärker.

Angela Merkel muss das wissen: Als Gerhard Schröder 1998 an die Regierung kam, war sie CDU-Generalsekretärin. Auch die Union war damals aus der Mode. Doch nachdem die Spendenaffäre überstanden war, erholte sie sich schnell. So kann es der SPD auch gehen. Viel mehr Chaos-Tage darf sich diese Regierung nicht erlauben.

Wenn bei Gerhard Schröder etwas schieflief, bemühte er einen schönen Euphemismus, er passt auch für die Aufführung der Merkel-Truppe: "Das war suboptimal."

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insgesamt 165 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.11.2009 von rabenkrähe: Göttinendämmerung

.... In unserer Chaos-Tigerente hat unser aller Angie aber auch einen viel schwereren Stand, als in der vorhergehenden GroKo. Schließlich will sich ihr Wunschpartner um jeden Preis profilieren. Und unser aller Angie hat [...] mehr...

29.11.2009 von Beutz:

Nein, gegen substanzielle Kritik spricht nichts, Herr raka lohnschreiber. Sie führen aus, dass die Versager der alten Regierung in neue Ministerien überstellt worden sind. Mir ist bekannt, dass Versager nicht noch einmal auf [...] mehr...

29.11.2009 von raka:

Das haben Sie aber schon mitbekommen, dass Schäuble, de Maizière, und jetzt auch von der Leyen anderen Ministerien vorstehen, oder? Und dass der alte Koalitionspartner weg ist und an deren Stelle viele neue Minister in Amt [...] mehr...

29.11.2009 von worm80: Objektiv...

"Objektiv betrachtet" ist Frau Merkel jetzt beinahe 1500 Tage Bundeskanzlerin (auch Schäuble, v.d.Leyen, Schavan, deMaiziere sind ja auch schon so lange Mitglieder dieser Chaostruppe), die von Ihnen geforderten [...] mehr...

29.11.2009 von raka: .

Lassen Sie es lieber, denn selbst da liegen Sie falsch. Im Gegensatz zu Ihnen versuche ich die Lage objektiv und mit der gebotenen Distanz zu betrachten. Aufgeregt und uninformiert zu sein überlasse ich Ihnen. mehr...

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Was nach dem Luftangriff geschah

4. September 2009

AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster. Den Angriff, bei dem auch Zivilisten sterben, hat der deutsche Oberst Georg Klein angefordert. Die Taliban hätten gedroht, "auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr" zu verüben, erklärt Jung. "Deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben." An den folgenden Tagen bezeichnet Jung den Luftangriff wiederholt als "geboten".

Mehr über die Kunduz-Affäre auf der Themenseite...

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