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09.12.2009
 

Poker ums Wachstumspaket

Ministerpräsident Müller bietet Steuer-Deal an

Foto: DPA

Überraschender Vorstoß im Ringen ums Wachstumspaket: CDU-Ministerpräsident Peter Müller verlangt im Interview mit SPIEGEL ONLINE als Ausgleich vom Bund mehr Geld aus der Mehrwertsteuer. Kommt kein Angebot von der Kanzlerin, will der Saarländer im Bundesrat gegen das Gesetz stimmen.

Berlin - Im Poker um die geplanten Steuersenkungen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und den störrischen Ministerpräsidenten drängt Saarlands Regierungschef Peter Müller (CDU) auf Kompensation: Die Länder könnten mehr Geld als bisher aus der Mehrwertsteuer erhalten. Deren Aufkommen wird zwischen Bund, Ländern und Kommunen aufgeteilt.

Müller, der Merkels Steuererleichterungen für Eltern, Erben, Unternehmen und Hoteliers bisher ablehnt, deutet nun im Interview mit SPIEGEL ONLINE neue Verhandlungsbereitschaft für den Fall an, dass der Bund die Länder bei den Bildungsausgaben stärker unterstützt - allerdings nicht über direkte Investitionen, sondern über die Umsatzsteuer: "Die Länder könnten als Ausgleich fürs Wachstumsbeschleunigungsgesetz einen erhöhten Anteil der Mehrwertsteuer erhalten und damit Bildung finanzieren."

Seit Tagen wird bereits von möglichen Gegengeschäften gemunkelt, um kritische Bundesländer zu überzeugen.

Merkel kann sich nicht auf die knappe schwarz-gelbe Ländermehrheit im Bundesrat verlassen. Insbesondere Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen stellt sich stur. Der renitente Friese hat sich bisher allem Werben der Bundesregierung verweigert, will kein Minusgeschäft für sein Land machen und fordert ebenfalls Kompensationen. Für den 13. Dezember, fünf Tage vor dem Showdown in der Länderkammer, hat er zum erneuten Mal einen Termin im Kanzleramt - zusammen mit Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki und Parteichef Guido Westerwelle.

Merkel strebt aber offenbar eine Gesamtlösung statt eines maßgeschneiderten Angebots für Schleswig-Holstein an - denn das würde prompt Begehrlichkeiten bei den übrigen Ländern wecken. "Es bleibt dabei, dass es kein Herauskaufen einzelner Länder geben wird", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Für die Kanzlerin geht es um Alles oder Nichts. Deshalb sind auch jene CDU-Fürsten von Bedeutung, die mit andersfarbigen Koalitionen regieren - wie etwa Peter Müller mit seinem Jamaika-Bündnis. Doch bisher steht dort eine ablehnende Phalanx: Neben dem Saarland drohen auch Thüringen, Sachsen-Anhalt (beide Schwarz-Rot) und Hamburg (Schwarz-Grün) mit einem Nein im Bundesrat.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Müller seine Position:

SPIEGEL ONLINE: Die schwarz-gelbe Regierung ist ins Amt gestolpert. Union und FDP streiten um Steuersenkungen, der erste Minister ist schon zurückgetreten, und ein Untersuchungsausschuss steht an. Wie sehr schämt sich dafür das CDU-Mitglied Peter Müller?

Müller: Der Beginn war nicht so schlecht wie dargestellt. Selbst bei Liebesheiraten muss sich das Eheleben einspielen. Natürlich gab es Schwierigkeiten. Jede Koalition braucht eine Phase der Eingewöhnung. Und es gibt Zielkonflikte, die wir noch nicht gelöst haben.

SPIEGEL ONLINE: Welche meinen Sie?

Müller: Die Erwartungshaltung an die Politik ist teilweise nicht erfüllbar: Die Regierung soll zusätzliche Leistungen erbringen, zum Beispiel im Hochschul- und Bildungsbereich. Gleichzeitig soll die Staatsverschuldung gesenkt, und dann sollen auch noch die Einnahmen durch Steuersenkungen vermindert werden. Das passt nicht zusammen, das ist die Quadratur des Kreises. Niemand kann das leisten.

SPIEGEL ONLINE: Konflikte sehen wir vor allem zwischen Union und FDP. Die Liberalen erscheinen als Antreiber der Koalition, Ihre Partei eher als Bremser. Wie sehr stört Sie das?

Müller: Das sehe ich nicht so. Man ist doch kein Antreiber, wenn man Dinge in den Raum stellt, die bei nüchterner Betrachtung unrealistisch sind. Die FDP hat in den zurückliegenden Jahren die intellektuelle Freiheit der Opposition genossen. Die Annäherung an die Wirklichkeit braucht einfach ein bisschen Zeit. Aber die Liberalen sind auf einem guten Weg. Wir verlangen der FDP nichts ab, was jenseits der Grenzen des Zumutbaren liegt. Es wäre schön, wenn der Koalitionspartner dies auch bei uns tun würde.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Müller: Es kann ja nicht das Ziel sein, uns gegenseitig Wähler abspenstig zu machen; sondern wir sollten die gesellschaftliche Basis für die Koalition verbreitern. Da muss man Rücksicht nehmen. Zum Beispiel wünsche ich mir beim Streit um den Sitz für Erika Steinbach im Stiftungsrat des Vertriebenenzentrums mehr Entgegenkommen und Solidarität von der FDP.

SPIEGEL ONLINE: Waren die Steuersenkungsversprechen im Wahlkampf ein Fehler?

Müller: Am Ende kann niemand gegen Adam Riese Politik machen. Es gibt einfach Entwicklungen, die so nicht vorhersehbar waren. Als wir die Schuldenbremse vereinbarten, sind wir von einer durchschnittlichen Zunahme der Steuereinnahmen von drei Prozent pro Jahr ausgegangen. Davon geht jetzt niemand mehr aus. Das verändert die Grundlage für Politik. Vieles von dem, was die FDP da fordert, finde ich ja auch wünschenswert. Aber ist es umsetzbar? Und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?

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insgesamt 140 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.01.2010 von Der Bruddler:

Finck, FDP und Co. reiben sich nur so lange die Hände, bis sie feststellen was mit dem neuen Gesetz angestellt wurde. Dass dieses zu Mehreinnahmen in der Hotellerie führt ist eine Illusion, welche bereits nach ca. einem [...] mehr...

18.01.2010 von maan: Ein sauteurer Deal ...

Schleswig-Holsteins Peter Harry hat sich von Merkel begöschen lassen und dem Gesetz zugestimmt = 130 Millionen Euro Mindereinnahmen für Land und Kommunen. Jetzt denkt Schwarz-Gelb in Schleswig-Holstein darüber nach, dass jüngst [...] mehr...

28.12.2009 von kdshp:

Hallo, das war doch ne PR masche der CDU und die medien wie der spon fallen auch noch drauf rein. Erst macht man was und ganz zum schluß kritisiert das wer aus den eigenen reien. Was dann bild mäßig hängen bleibt beim CDU [...] mehr...

27.12.2009 von DiKi: Die Bundesländer sind scheinheilig!

Das Traurige ist,jedes Bundesland schaut nur auf das eigene Geld,dabei sollte es in der jetzigen Wirtschaftlage für alle staatlichen Haushalte darum gehen,dass Massnahmen er- griffen werden,besonders vom Bund,die zu baldigen [...] mehr...

27.12.2009 von mountbatten: meh

Wenn Lammert das Wachstumsbeschleunigungsgesetz nur kritisieren würde, würde ich das begrüssen, auch wenn es nach der Verabschiedung natürlich reichlich spät ist. Es aber teilweise als nicht vertretbar zu bezeichnen nachdem man [...] mehr...

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Zur Person

DDP
Peter Müller, 54, übernahm 1999 nach langer SPD-Regentschaft die Regierung im Saarland. Zwei Mal holte der CDU-Politiker die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Bei der Wahl im August 2009 hat die Saar-CDU 13 Prozentpunkte verloren, doch Müller kann trotzdem weiter regieren: Als Chef des ersten Jamaika-Bündnisses in Deutschland. In den Neunzigern galt er als "junger Wilder", kritisierte Kanzler Kohl. Der CDU-Linke Müller leitete die Zuwanderungskommission seiner Partei und widersprach dem Begriff von der "Leitkultur". 2005 war er im Kompetenzteam von Kanzlerkandidatin Angela Merkel für die Bereiche Wirtschaft und Arbeit zuständig, doch die dann gebildete Große Koalition vereitelte Müllers Wechsel nach Berlin.

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Steuerentlastung - Eckpunkte der Reform

Kinderfreibetrag

Der Kinderfreibetrag wurde zum 1. Januar 2010 von 6024 Euro auf 7008 Euro angehoben.

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