ThemaGuido WesterwelleRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.12.2009
 

Debatte über Vertriebenen-Stiftung

CDU-Parlamentarier blamiert sich mit Steinbach-Brief

Von Severin Weiland

Außenminister Westerwelle: Klare Haltung gegenüber Vertriebenen-Präsidenten SteinbachZur Großansicht
AP

Außenminister Westerwelle: Klare Haltung gegenüber Vertriebenen-Präsidenten Steinbach

Es sollte ein Angriff auf Guido Westerwelle werden: Im Zank um Vertriebenen-Präsidentin Steinbach forderte der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary vom Außenminister ein Statement zu polnischen Mitgliedern im Beirat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung". Dabei unterlief ihm ein peinlicher Fehler.

Berlin - Bei seiner Attacke steht der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary nicht allein. Das von ihm initiierte Schreiben trägt die Unterschriften von 16 Unionsvertretern im Europäischen Parlament. Darunter finden sich die Signaturen von hochrangigen deutschen Kollegen wie Markus Ferber, dem Vorsitzenden der CSU-Europagruppe im Europäischen Parlament. Die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier hat ebenso unterzeichnet wie Manfred Weber, Vizefraktionschef der Europäischen Volkspartei.

Der Adressat des Schreibens: Außenminister Guido Westerwelle, FDP.

Das Thema ist heikel. Es geht um die Besetzung des letzten Postens im Beirat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung". Westerwelle ist strikt gegen die CDU-Politikerin Erika Steinbach. Der Liberale verweist unter anderem darauf, dass die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) 1991 im Bundestag den deutsch-polnischen Grenzvertrag abgelehnt hatte. Jüngst bekräftigte Westerwelle seine Position: Er versuche damit "Schaden von unserem Land abzuwenden". Auch ein Gespräch des FDP-Chefs mit Steinbach brachte keine Annäherung - die Fronten bleiben verhärtet.

Weite Teile der Union sind deswegen empört.Den baden-württembergischen Abgeordnete Caspary ärgerten die wiederholten Hinweise des Außenministers auf Steinbachs Vergangenheit. Und so setzte der 33-Jährige nun ein Schreiben an den Außenminister auf: "Vollkommen ausgeblendet bleibt in diesem Zusammenhang jedoch die Fragestellung über die persönlichen Hintergründe und Lebensläufe der polnischen Beiratsmitglieder", heißt es darin. Deshalb wende er sich mit der Frage an den Außenminister, welche Erkenntnisse er beziehungsweise die Bundesregierung darüber habe. Und: "Liegen Ihnen oder der Bundesregierung Erkenntnisse über mögliche Taten, Aktivitäten oder Äußerungen von polnischen Beiratsmitgliedern vor, die einer Berufung in den Beirat entgegenstehen könnten?", lautet eine der Fragen in dem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Der forsche Brief des CDU-Abgeordneten Caspary löst in Berlin nun Erstaunen aus. Denn was er offenbar nicht wusste: In dem 13-köpfigen Stiftungsbeirat findet sich kein einziges polnisches oder ausländisches Mitglied.

Es gibt allenfalls einen "wissenschaftlichen Beraterkreis" der Stiftung, in dem neun Mitglieder aktiv sind - darunter auch ein Vertreter aus Polen. Der Kreis wird demnächst das erste Mal tagen. Doch davon ist in dem Fragenkatalog an den Außenminister keine Rede. Steinbach-Vorkämpfer Caspary geht es um polnische Mitglieder im Stiftungsbeirat.

Die aber gibt es nicht.

Zwölf deutsche Vertreter des Stiftungsbeirates wurden im Frühjahr 2009 von der vorherigen Bundesregierung aus Union und SPD bestätigt, darunter auch die beiden BdV-Vizes. Der Vertriebenen-Bund entschied sich damals bewusst, sein drittes ihm zustehendes Beiratsmitglied - Erika Steinbach - zwar zu nominieren, aber ihren Namen (noch) nicht offiziell der Bundesregierung weiterzureichen. In der Hoffnung, eine schwarz-gelbe Regierung im Herbst würde Steinbach akzeptieren. Dass Westerwelle sich am Ende querstellen würde, war damals für die CDU-Bundestagsabgeordnete und ihre Streiter nicht abzusehen.

Das Schreiben des CDU-Europaabgeordneten Caspary dürfte ihr in der Sache wenig helfen. In Brüssel löste der Brief schon Kopfschütteln aus. Die Vizepräsidentin des Europaparlaments und FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zeigte sich empört. "Ohne jede Sachkenntnis", sagt sie zu SPIEGEL ONLINE, "wird hier der verzweifelte, peinliche Versuch der Aufrechnung unternommen."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 2254 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.01.2010 von ddorfer:

Und wieder schreiben Sie Dinge,von denen Sie keine Ahnung haben.Es gab anfang der 80er Jahre eine Auswandrungswelle aus Polen und zwar im Zuge des dort verhängten Kriegsrechts und der zunehmenden Repressalien seitens des [...] mehr...

13.01.2010 von Onegin:

Es tut mir leid, aber ich muss Ihnen widersprechen. Meine Familie sind Banater Schwaben und nachdem sich die Nachkriegszustände stabilisiert hatten, gab es keine Diskriminierung. Meine Familie hat ungehindert ihre Bräuche [...] mehr...

13.01.2010 von Betonia:

Schon mal die Charta des BdV gelesen? Hier ein Auszug: ... So lange dieses Recht für uns nicht verwirklicht ist, wollen wir aber nicht zur Untätigkeit verurteilt beiseite stehen, sondern in neuen, geläuterten Formen [...] mehr...

13.01.2010 von Betonia:

Schon mal die Charta des BdV gelesen? Hier ein Auszug: ... So lange dieses Recht für uns nicht verwirklicht ist, wollen wir aber nicht zur Untätigkeit verurteilt beiseite stehen, sondern in neuen, geläuterten Formen [...] mehr...

13.01.2010 von delta058:

Und die gilt nur für Dt. oder wie? Und wie lange soll die gelten, solange bis der letzte vor 45 Geborenen gestorben ist, oder besser bis auch alle deren Nachkommen unter der Erde liegen? Und wie siehts z.B. von polnischer und [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Guido Westerwelle

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zentrum gegen Flucht und Vertreibung

Geschichte

Die Bundesregierung beschloss 2008 die Einrichtung eines "sichtbaren Zeichens" gegen Flucht und Vertreibung in Berlin. Im Mittelpunkt eines Dokumentationszentrums soll die historische Darstellung von Flucht, Vertreibung und Integration vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart in Deutschland und Europa stehen.
Die mit der Realisierung betraute Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wird dem Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin angegliedert. In den Stiftungsrat sollen neben Vertretern des Bundestages und der Bundesregierung auch drei Repräsentanten der deutschen Vertriebenen berufen werden. Als der Bund der Vertriebenen seine Präsidentin Erika Steinbach als seine Vertretung im Stiftungsrat benannte, kam es zu einem deutsch-polnischen Streit über Steinbach.

Kontroverse

Ausstellungskonzept

Erika Steinbach






TOP



TOP