Von Florian Gathmann
Berlin - Die Autorin Andrea Nahles kommt sehr klassisch daher. Nadelstreifen-Anzug, dazu ein schwarzes Top. Nur die große Gürtelschnalle mit silbernen Strass-Steinchen erinnert daran, dass Nahles zu den Jungen in ihrer Partei gehört. Nahles, 39, stellt an diesem Donnerstagmorgen ihr erstes Buch vor. Und auch ihr Auftreten lässt erkennen, dass die neue SPD-Generalsekretärin auf dem Weg zu einem anderen Image ist.
Früher galt sie als "Königsmörderin" der SPD, beispielsweise wegen ihrer Rolle beim Rücktritt Franz Münteferings als Parteichef 2005. Sie galt als links und laut.
Aber das war gestern. "Frau, gläubig, links" heißt Nahles' Buch, "Was mir wichtig ist" steht in der Unterzeile.
Offenbar ist der Buchautorin Nahles in erster Linie wichtig, ihre Religiosität einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Dass die SPD-Generalsekretärin gläubige Katholikin ist, mag dem einen oder anderen schon geläufig gewesen sein. Aber Nahles war eben auch Messdienerin in Weiler, ihrem Eifel-Heimatdorf, wie man erfährt - als eine der ersten in Deutschland. Und der Glaube, das macht Nahles an diesem Vormittag deutlich, spielt für sie eine ebenso große Rolle wie ihre politische Orientierung. Eben "gläubig und links".
Nahles und Gabriel wollen in die Mitte
Was offensichtlich ist, ohne dass es Nahles bei der Präsentation anspricht: Ihr Buch-Bekenntnis zielt auf die Mitte der Gesellschaft. Da, wo auch ihr Parteichef Sigmar Gabriel hin will. "Ich bin im Kern konservativ" ist ein aktuelles Nahles-Porträt im "Focus" überschrieben. Für ein Interview mit der "Bild am Sonntag" ließ sie sich in einer Merkel-haften roten Joppe ablichten, mit beiden Händen umfasste Nahles dabei ihr Glas mit dem Glühwein.
"Es soll kein Generationen-Manifest sein, aber sehr wohl eine Aufforderung an meine Altersgenossen, nun endlich auch politisch Verantwortung zu nehmen", schreibt Nahles im Vorwort ihres Buches. Sie hat das früh getan und nie einen Hehl aus ihren Ambitionen gemacht, seit der Wahl zur Juso-Bundesvorsitzenden 1999. Aber Nahles nimmt für sich in Anspruch, auch im Streben um Macht die Maßstäbe ihres Glaubens beherzigt zu haben. "Ich selber habe auch schon hart agiert", sagt Nahles. "Aber was ich in Anspruch nehme: Ich hab es immer durch die Vordertür gemacht."
Fest steht, dass in der neueren Geschichte der SPD wenig durch die Vorder- und viel durch Hintertür agiert wurde. Und das, glaubt Andrea Nahles, sei für die Partei fatal gewesen. "Ich nenne nur das Beispiel Schwielowsee." Zur Erinnerung: An diesem malerischen brandenburgischen Gewässer wurde im Spätsommer 2008 der damalige SPD-Chef Kurt Beck zum Rücktritt getrieben. "Das ist menschlich unanständig gewesen", sagt Nahles. Und das sei vielen Sozialdemokraten inzwischen klar: Bei jeder Basis-Veranstaltung, die sie mit Sigmar Gabriel im Vorfeld des Dresdner Parteitags besucht habe, sei heftige Kritik an der Schwielowsee-Aktion laut geworden.
Attacken gegen Schröder und Müntefering
Was ihr als Christin eigen sei, davon könne die Partei auch sonst einiges lernen, glaubt Nahles. "Für eine Kultur des Zweifels" ist ein Kapitel ihres Buchs überschrieben. "Davon hat es in der SPD zu wenig gegeben", sagt sie. Stattdessen habe man immer wieder "Stopp-Schilder überfahren".
Das war schon seit der Bundestagswahl die Kommunikationslinie von Nahles und Gabriel. Aber das Buch enthält doch einige Passagen, in denen sie Ex-Kanzler Gerhard Schröder und seinen Getreuen Franz Müntefering explizit und hart angreift: Schröder habe mit der Agenda 2010 die Sozialdemokraten von ihrer klassischen Klientel nachhaltig entfremdet, der vom damaligen SPD-Chef Müntefering verantwortete Bundestagswahlkampf 2009 die Wähler noch weiter von der Partei entfernt.
Die alten SPD-Alphatiere werden ordentlich abgewatscht. Ob sie mit den Männer-68ern nicht ein wenig zu barsch umgehe? "Ooooch" macht Nahles da und lacht. "Ich hab nichts gegen die." Schließlich habe sie auch sehr von ihnen profitiert, sagt Nahles. Aber jetzt sei es auch gut, "sie nerven mich."
"Frau, gläubig, links", das wird bei der Buchvorstellung deutlich, ist nicht nur Nahles' persönliches Bekenntnis und ein sozialdemokratisches Angebot für die Mitte im 21. Jahrhundert. Sondern auch eine Kampfansage an die alte SPD.
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ach nä.... wen wollen sie denn dann wählen... jede partei in deutschland hat dreck am stecken mehr...
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