Von Matthias Gebauer
Berlin - Welche Rolle spielte das KSK? Diese plakative Frage der "Bild"-Zeitung erregt seit dem Morgen die Gemüter in der Hauptstadt. "Maßgeblich", so der Bericht, hätten die geheimen Elitekräfte in das Bombardement von Kunduz eingegriffen. Im deutschen Feldlager Kunduz wurde demnach der gesamte Einsatz - vom ersten Hinweis eines afghanischen Informanten bis zur abschließenden Entscheidung für das Bombardement - aus einem Kommandostand der geheimen "Task Force 47" gesteuert, die zur Hälfte aus KSK-Kämpfern bestehe.
Die scheinbaren Enthüllungen über die Beteiligung des weitgehend geheim agierenden Kommandos Spezialkräfte (KSK) an dem Bombardement sorgten für Aufregung. Wie vor zwei Wochen, am Donnerstag vor dem Rücktritt von Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), war es wieder eine Meldung von "Bild"; dieses Mal berichtete das Blatt groß aufgemacht von der "wichtigen Rolle" der sagenumwobenen Eliteeinheit bei der Aktion und von Details, die "der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt" waren.
Die Antwort auf die Frage liest sich für eine KSK-Geschichte eher unspektakulär: So war bei der Planung des Einsatzes und dem Befehl zum Bombenabwurf gegen 1 Uhr 50, den nur der kommandierende Oberst Georg Klein geben konnte und auch gab, nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ein einziger Angehöriger des KSK im Kommandostand in Kunduz. Hauptfeldwebel V. hatte bei der gesamten Operation in Sachen Tanklaster eine untergeordnete Rolle. Der KSK-Mann führte das "storyboard", ein Protokoll der Ereignisse der Nacht vom 3. auf den 4. September.
Dass das KSK bei der Operationsführung in Sachen Tanklaster anwesend war, soll laut Insidern mehr oder minder Zufall gewesen sein. Zum Zeitpunkt der Entführung der beiden Laster südlich des Camps steuerte die sogenannte "Task Force 47", eine kombinierte Einheit aus Aufklärungssoldaten der Bundeswehr und KSK-Kräften, einen B1-Bomber weiter nördlich. In Anwesenheit von Kommandeur Klein suchten die Aufklärer aus der Luft nach einem zuvor beschossenen "Dingo" der Bundeswehr, der im Gelände zurückgelassen werden musste.
"Task Force 47" schützt das deutsche Camp
Die "TF 47" ist eine durchaus klandestine Einheit. Gemeinsam mit ein paar Dutzend KSK-Männern sollen Aufklärer aus verschiedenen Teilen der Bundeswehr den Schutz des Camps in Kunduz sicherstellen. Sie überwachen die Umgebung, suchen nach Raketenpositionen, werten Drohnenbilder aus, werben lokale Informanten an oder hören mit Dolmetschern den Funkverkehr möglicher Feinde ab. Alle Soldaten sind unter Isaf-Mandat eingesetzt. Kenner des Lagers, auch der ein oder andere Politiker, kennen die Truppe. Vor Journalisten wird sie freilich eher abgeschirmt.
Dass die "TF 47" am 4. September beteiligt war, ist kein Geheimnis. Zwar wimmelte Ex-Minister Jung nach dem Bombardement Fragen zu Spezialkräften ab. Spätestens in den beiden Nato-Berichten aber, der erste datiert vom 6. September, wird die "Task Force 47" mehrmals erwähnt. Im Abschlussbericht ist sogar von Spezialkräften die Rede. Auch die Obleute des Parlaments wurden von Minister Guttenberg über die "TF 47" informiert, allerdings erwähnte er den KSK-Mann nicht.
Die erfahrenen Obleute gingen davon aus, dass auch das KSK eine Rolle spielte. Gleichwohl will SPD-Mann Rainer Arnold mehr Informationen über den Einsatz des KSK in der "Task Force" und nutzte die Gelegenheit für Angriffe gegen Minister Guttenberg. "Die Zusage, dass wir umfassend informiert werden, wurde nicht eingehalten", sagte Arnold. Dies müsse nun schnell nachgeholt werden. Die Linke nahm die Schlagzeilen zum Anlass, grundsätzlich mehr Informationen zu verdeckten Einsätzen deutscher Soldaten zu bekommen.
Die Kommandozentrale der "TF 47", in der Militärsprache "OpCen" oder TOC" genannt, ist getrennt von der normalen Befehlszentrale im Camp und besser ausgestattet. Als hier gegen 20 Uhr Ortszeit der Hinweis eines Informanten der "TF 47" auf die LKWs einging, "genehmigte COM PRT (Oberst Klein Anm. d. Red.), dass Asset (B1-B) zu nutzen", um aus der Luft nach den Lastern zu suchen und "die Meldung eines Kontakts zu verifizieren", so ein internes Protokoll. Klein verließ die Kommandozentrale, wollte aber informiert werden, wenn die Aufklärer etwas fänden.
Klein beriet sich hauptsächlich mit dem Flugleitoffizier
Nach Darstellung mehrerer Kenner der Operation und der diversen deutschen und Nato-Untersuchungsberichte wurde die folgende Operation weiter aus der Befehlsstelle der "TF 47" geführt, da diese bereits den B1-Bomber dirigiert hatte und zudem über ein besseres Gerät zur Sichtung der Live-Bilder aus den Jets verfügte. Im Kontakt mit dem Piloten stand der Joint Terminal Air Kontroller (JTAC), ein Luftleitoffizier, ein Oberfeldwebel der Luftlandebrigade 26. Er und die drei anderen Soldaten, ein Hauptmann, ein Ober- und ein Hauptfeldwebel, waren keine KSKler.
Ob der KSK-Protokollant die "maßgebliche Rolle" ("Bild") bei der Operation hatte, geht aus keinem der Untersuchungsberichte hervor. Gegen 0.14 Uhr kehrte der Kommandant des Camps, der auch die "TF 47" unter sich hat, in den Befehlstand der Gruppe zurück. Gemeinsam mit dem Flugleitoffizier "Red Baron 20" und dem anwesenden Hauptmann, der über einen Dolmetscher mehrmals mit dem afghanischen Informanten sprach, beriet Klein die Lage, schreibt er in seiner Stellungnahme nach dem Vorfall. Der KSK-Mann wird nicht erwähnt.
So viele Fragen es zu den Minuten nach der Rückkehr von Klein auch gibt, betreffen diese kaum das KSK. So bleibt es unstrittig, dass der Oberst und sein Flugleitoffizier gemeinsam falsche Angaben machen, um überhaupt Kampfjets anzufordern. Wie sich die beiden für die Einschätzung, das Risiko von zivilen Opfern sei gering, auf einen einzigen Informanten berufen konnten, ist ebenso unklar. Aufschluss über diese Fragen dürfte letztlich die Befragung der vier Soldaten geben, die neben Klein im Befehlsstand waren.
Guttenberg muss aufpassen
Für Verteidigungsminister Guttenberg ist der Vorgang schon der zweite bittere Taghintereinander. Als Vorgeschmack des Untersuchungsausschusses bekommt der einstige Strahlemann der Regierung nun zu spüren, wie man vermeintlich neue und vor allem brisante Details gegen ihn ausspielen kann. Auch wenn er sich in der Frage des KSK inhaltlich keine Sorgen machen muss, kratzen die Schlagzeilen am Image. Guttenberg hat versprochen, die Causa Kunduz restlos und rücksichtslos aufzuklären. Zweimal wurde er nun bereits von scheinbar Neuem eingeholt.
Dem Minister stehen harte Zeiten bevor. Grundsätzlich erscheint seine erste Einschätzung von Anfang November, der Angriff auf die Laster sei "militärisch angemessen", aus heutiger Sicht als grobe Fehleinschätzung und politische Instinktlosigkeit. Je mehr Details aus dem bisher noch geheimen Nato-Report bekanntwerden, den Guttenberg vor seiner Festlegung gelesen hatte, desto mehr wird sein Urteil von damals zur gefährlichen Hypothek. Detail für Detail wird klar werden, wie deutlich der Nato-Bericht den Angriff trotz neutraler Sprache verurteilt hat.
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In Bezug auf das Ausländer raus sind sie sich durchaus einiger, als die bundesrepuplikanische Gesellschaft. Beim Nachlesen ihrer Postings beschleicht mich obendrein der Verdacht, dass sie selber möglicherweise gar nicht vor Ort [...] mehr...
Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...
Sie benutzen den Begriff "Unsinn" hier im Sinne unvernünftigen Handelns. Aus der Sicht der Afghanistan-Krieger ist er nicht unsinnig, man verrät uns allerdings den Eigensinn nicht, der ihm zugrunde liegt, weil wir ihn [...] mehr...
Es gab XX Tote, darunter auch Kinder und Frauen. Ein vermeintlicher Standardsatz. Doch was will er uns sagen? Sind (a) keine Männer gestorben? Oder ist es (b) halb so schlimm, wenn Männer sterben?? In Zeiten der [...] mehr...
"freies afghanistan" - sie auch nicht! wenn sie was vom aktuellen krieg sehen wollen, dann empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688532,00.html das ist die freiheit , der frieden ( o.ä. dummschwätz ) [...] mehr...
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