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15.12.2009
 

Kunduz-Affäre

Merkel verweigert eine Regierungserklärung

Bundeskanzlerin Merkel (CDU): "Im Untersuchungsausschuss ergibt sich das gesamte Bild"Zur Großansicht
DDP

Bundeskanzlerin Merkel (CDU): "Im Untersuchungsausschuss ergibt sich das gesamte Bild"

Kanzlerin Merkel lehnt die Forderung der Opposition ab, zum Luftangriff bei Kunduz Stellung zu nehmen. Das gesamte Bild werde sich im Untersuchungsausschuss ergeben, teilte ihr Sprecher mit. Die SPD will sie schon im Januar vorladen.

Berlin - Mehr als drei Monate nach dem umstrittenen Luftangriff bei Kunduz gerät auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck. Die Opposition fordert eine Stellungnahme der Kanzlerin - doch diese lehnt eine Regierungserklärung ab.

Merkel habe sich schon im September in einer Regierungserklärung positioniert, betonte der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, nach einem Treffen des Koalitionsausschusses am Dienstag in Berlin. "Sie hat gar nichts von dem, was sie damals gesagt hat, zurückzunehmen." Er warnte die Opposition davor, die Kunduz-Affäre zu innenpolitischen Zwecken zu instrumentalisieren.

Die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin hatten die Kanzlerin am Montag " eindringlich" um eine Regierungserklärung zu dem Bombenangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster am 4. September gebeten. Ihr Regierungssprecher wies diese Forderung am Montag umgehend zurück: "Diese Antwort wird sich ergeben im Untersuchungsausschuss, nachdem wir die Unterlagen, die im Kanzleramt dazu vorhanden sind, dem Ausschuss zur Verfügung stellen", sagte Sprecher Ulrich Wilhelm. "Dann wird sich das gesamte Bild ergeben, in welcher Weise im Kanzleramt diese Frage begleitet wurde und auch welche Informationen es zu welchem Zeitpunkt gab."

Für Mittwoch wurde stattdessen auf Antrag der Union eine Aktuelle Stunde zu den Vorfällen und der umstrittenen Informationspolitik der Bundesregierung anberaumt - Merkel wird zu diesem Zeitpunkt aber an dem Bildungsgipfel mit den Ministerpräsidenten der Länder teilnehmen. Am Donnerstag will sie vor dem Bundestag eine Regierungserklärung zum Europäischen Rat und dem Klimagipfel von Kopenhagen abgeben.

Merkel soll im Januar vor den Untersuchungsausschuss

Am Mittwoch konstituiert sich der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss, um die Hintergründe des umstrittenen Luftangriffs zu durchleuchten. Die SPD will Merkel bereits im Januar vor den Ausschuss laden. "Angesichts der Brisanz der Fragen wollen wir Kanzlerin und Minister ganz am Anfang hören", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Damit könnte Merkel unmittelbar vor der Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London ein heikler Auftritt bevorstehen.

Arnold drohte zudem mit einem zweiten, regulären Untersuchungsausschuss, sollte die Regierung sich weigern, das Gremium "in politischen Fragen" öffentlich tagen zu lassen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist in den vergangenen Tagen wegen der Kunduz-Affäre immer stärker unter Druck geraten. Warum hat er nicht von Beginn an deutlich gemacht, dass eigentlich Taliban-Kämpfer statt der beiden Tanklastwagen das Ziel des Bombardements vom 4. September nahe Kunduz waren? Und auf welche neuen Fakten stützt er seinen Schwenk bei der Bewertung jenes Luftangriffs, den er anfangs noch "militärisch angemessen" nannte? Dies sind die Fragen, mit denen er bestürmt wird.

Guttenberg lehnt Rücktritt ab

Der CSU-Politiker wehrte sich gegen die Anschuldigungen der Opposition - zuletzt in der ARD-Sendung "Beckmann". Seinen Kritikern aus der Opposition warf er vor, die Details des Luftangriffs von Kunduz schon lange zu kennen. Einen Rücktritt lehnt Guttenberg ab. Nach Überzeugung des Ministers ist das militärische Vorgehen der Bundeswehr im Norden Afghanistans durch das Mandat des Bundestags gedeckt.

Der Bundeswehrverband plädiert indes für eine Änderung des Mandats. Der Bundestag müsse sich "ganz zeitnah damit beschäftigen, ob wir einen bewaffneten Konflikt haben", sagte Verbandschef Ulrich Kirsch am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. "Von diesem Parlament erwarte ich, dass diese Dinge geklärt werden." Gefordert sei "im Übrigen auch die Kanzlerin, die sich hier artikulieren muss".

Kritik an der Entscheidung Merkels, keine Regierungserklärung abzugeben, kam indes von einem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten. "Das ist ein Angriff auf die demokratischen Strukturen unseres Landes. In welchem Staat leben wir eigentlich?", erklärte am Mittwoch der frühere parlamentarische Staatssekretär Willy Wimmer. Es sei nicht hinnehmbar, dass Merkel nur in einem weitgehend geheim tagenden Untersuchungsausschuss aussagen wolle. Der CDU-Politiker gehörte bis zur letzten Legislaturperiode dem Parlament an und war dort einer der wenigen Gegner des Afghanistaneinsatzes innerhalb der CDU/CSU-Fraktion.

kgp/sevdpa/ddp/AFP

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13.01.2010 von lebenslang:

der verteidigungsminister von guttenberg hat die kunduz-affaire gut überstanden. man kann den thread jetzt schließen. mehr...

13.01.2010 von Brand-Redner: Genau!

Auf dieses Patentrezept warte ich schon lange: Merkel weg und dafür die Firma Merz & Koch: "Brutalstmögliche" "Bierdeckel" für alle! Wenn das nichts ist... Im Ernst: Glauben Sie wirklich, den Teufel mit [...] mehr...

13.01.2010 von woscho: Showman Karl-Theodor zu Guttenberg

und seine erheblichen Probleme sind überall. Was passiert mit dem selbsternannten afghanischen Kunduzopfer-Anwalt POPOL, der sich für die zivilen Bombenopfer deftig an der staatl. Wiedergutmachung bereichern möchte. Näheliegend [...] mehr...

11.01.2010 von mkwie:

Frage: geht es um Afghanistan oder um Gutenberg? Ich antworte mal so als ginge um unseren geschätzten Verteidigungsminister. Der Mann kann einem schon leid tun. Gefangen in der typisch diplomatischen Rolle eines Politikers - man [...] mehr...

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Kunduz-Affäre: Die offenen Fragen

Welches Ziel hatte die Bombardierung?

AP
Das Bombardement nahe Kunduz galt offenbar mehreren Taliban-Kommandeuren. Der als geheim eingestufte Nato-Bericht über den Luftangriff kommt nach Informationen des SPIEGEL zu dem Ergebnis, Ziel der von Oberst Georg Klein befohlenen Bombardierung seien weniger die entführten Tanklaster als eine Gruppe von Taliban und ihre Anführer gewesen.

"Es ist schwer zu ergründen, warum der Fokus des PRT-Kommandeurs auf die Taliban in dem Zielgebiet gerichtet war und nicht allein auf die gestohlenen Tanklaster, die doch wohl die größte Bedrohung waren für die Sicherheit der PRT-Kräfte", zitiert der SPIEGEL den Bericht. PRT bezeichnet "Provincial Reconstruction Team", ein zivil-militärisches, regionales Wiederaufbau-Team.

Oberst Klein selbst schrieb demnach am 5. September an den Generalinspekteur, er habe die Tanklastwagen sowie die versammelten Aufständischen "vernichten" wollen. Bislang war von der Regierung vor allem die Sicherheit der Soldaten des nahegelegenen Feldlagers als Grund für den Abwurf zweier Bomben genannt worden.

Was wussten Kanzleramt und Kanzlerin?

Was wusste Minister Guttenberg?


Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)



Chronologie der Bombennacht

Klicken Sie auf die Zeiten für Details der Bombennacht vom 3. auf den 4. September 2009...

20.00 bis 22.30 Uhr Ortszeit

22.30 bis 1.30 Uhr

1.30 bis 2.30 Uhr

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