• Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.12.2009
 

Afghanistan-Mission

Guttenberg spricht notfalls auch mit Taliban

Guttenberg (in Afghanistan): "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft"Zur Großansicht
DPA

Guttenberg (in Afghanistan): "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft"

Gespräche mit gemäßigten Taliban in Afghanistan sind für Verteidigungsminister Guttenberg nicht tabu. "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft", findet der CSU-Politiker. Auf die US-Wünsche nach mehr deutschen Soldaten reagiert er zurückhaltend: Strategie gehe vor Truppenverstärkung.

Berlin - Schon der damalige SPD-Chef Kurt Beck wollte mit den gemäßigten Taliban in Kontakt treten, und auch US-Präsident Obama hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der nächste ist Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft", sagte Guttenberg der "Welt am Sonntag" auf die Frage, ob Gesprächskanäle auch zu Talibangruppen errichtet werden müssten.

Er sei dafür, zu Volksgruppen und Stämmen offene Kommunikationskanäle zu halten, solange man sich dadurch nicht selbst eine Falle stelle. "Es gibt Unterschiede zwischen Gruppen, die aus der radikalen Ablehnung des Westens die Bekämpfung unserer Kultur zum Ziel haben, und etwa solchen, die sich ihrer Kultur vor Ort verbunden sehen."

Zu einer möglichen Aufstockung der Bundeswehrtruppen in Afghanistan äußerte sich der CSU-Politiker zurückhaltend. Vor einer solchen Entscheidung müsse zunächst eine Strategie formuliert werden. "Ob man mehr Soldaten braucht oder im bestehenden Rahmen zurechtkommt, ist noch offen", sagte der Minister. "Ich wäre vorsichtig mit dem Satz ,Man muss Obama folgen'. Wir sollten den Anspruch haben, eine Strategie anzustreben, die eigene Erfahrungswerte einbringt."

SPD will Guttenberg unter Eid aussagen lassen

Die Nato fordert von Deutschland mindestens zwei zusätzliche Bataillone für den Einsatz im Norden Afghanistans, nachdem Obama 30.000 zusätzliche US-Soldaten für den Einsatz am Hindukusch angekündigt hat. Kanzlerin Angela Merkel und ihre Koalition wollen erst Ende Januar nach der internationalen Afghanistan-Konferenz in London über das weitere Vorgehen entscheiden.

Einen Rücktritt wegen der Kunduz-Affäre lehnt Guttenberg indes weiterhin ab. "Ich messe die Rücktrittsforderungen an der Qualität der Vorwürfe. Es hat sich ja gezeigt, dass das alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt."

Die SPD hat derweil angekündigt, Guttenberg und den ehemaligen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan im Bundestagsuntersuchungsausschuss vereidigen zu lassen, wenn sie bei ihren gegensätzlichen Aussagen über die Umstände von Schneiderhans Entlassung bleiben. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte "Bild am Sonntag": "Dann werden beide ihre Aussagen unter Eid wiederholen müssen. Wenn beide dann bei ihren Aussagen bleiben, schwört einer einen Meineid. Das ist dann ein Fall für den Staatsanwalt." Es gehe "um eine sehr grundsätzliche Frage. Nur weil der Verteidigungsminister gerade so populär ist, können für ihn keine anderen Spielregeln gelten, als für jeden sonst."

Dem Verteidigungsminister warf der SPD-Vorsitzende sogar Feigheit vor: "Herr zu Guttenberg stellt sich nicht vor unsere Soldaten, sondern er versteckt sich hinter ihnen. Das nenne ich feige. Wer von unseren Soldaten Tapferkeit fordert, darf sich als Minister nicht in Ausreden flüchten."

Die Bundesregierung wird nach Einschätzung von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auf der Afghanistan-Konferenz unter Druck geraten, mehr deutsche Soldaten an den Hindukusch zu schicken. "Wer ohne eigene Linie verhandelt, wird später zu den Getriebenen gehören", sagte der frühere Außenminister in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung "Das Parlament".

Steinmeier kritisierte, dass die Regierung nicht eine offenere Diskussion über ihre Afghanistan-Politik mit dem Bundestag geführt habe: "Sie ist der Frage ausgewichen, mit welcher Strategie Deutschland zur Afghanistan-Konferenz fahren soll", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.

als/Reuters/

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 3561 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
20.01.2010 von Rums: Alle anderen sind doof.

Bei Ihrer überragenden Intelligenz dürfte es für Sie doch eine Kleinigkeit sein, uns in ein paar Sätzen eine zusammenfassende Zusammenfassung der "einfachsten Zuammenhänge" zu liefern. Vielen Dank im voraus. mehr...

20.01.2010 von Alter_Reservist:

Sehen Sie das nennt man *politische Mehrheit* mehr...

20.01.2010 von adama.:

Das widerspricht sich nicht. Während der Angriff auf die Tanklastzüge überwiegend als gerechtfertigt angesehen wird, wollen sie generell keine Luftangriffe denen sie selber zum Opfer fallen könnten. Die Einsatzregel der [...] mehr...

20.01.2010 von adama.:

Die Taliban sind sehr wohl mit Amokläufern vergleichbar und darum auch eine Gefahr die man ausschalten sollte. Ob die Tanklaster wirklich feststeckten oder am Ziel angekommen waren, nämlich in einem Lager der Taliban, ist eine [...] mehr...

20.01.2010 von nachthai:

Karriere - was soll das denn für ein Motiv für einen Soldaten im Einsatz sein? O Klein setzte die Mittel ein die er hatte - wenn Bomben nicht gewünscht sind muss man andere Mittel bereitstellen. Allerdings ist es Aufgabe [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Bundeswehreinsatz in Afghanistan

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration Tim O'Brien für den SPIEGEL

Heft 52/2009:
Wer hat den stärkeren Gott?

Islam und Christentum - Der ewige Zwist

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Die wichtigsten Kunduz-Berichte

Klicken Sie auf die Überschriften für Details...

Der Nato-Bericht

Die zweiseitige Meldung von Oberst Klein

Der Bericht der Feldjäger

Der Bericht des Roten Kreuzes

Der "Initial Action Team"-Report





TOP



TOP