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01.01.2010
 

Terrorscanner

Wie wir uns dem Attentäter menschlich nähern

Von Henryk M. Broder

Umstrittener Check am Flughafen: Scannen bis auf die Haut
Fotos
DPA

Dank Körperscanner sollen Fahnder unter braven Passagieren den Attentäter sofort erkennen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Terroristen auch diese Technik austricksen können. Da hilft nur eines: Nacktflüge.

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann war es die "Titanic", in der vor ein paar Jahren eine hübsche Zeichnung zum Thema "Kriminalität und wie man sie bekämpft" erschien. Da sah man einige Gangster, die nach einem Banküberfall mit einem Geländewagen davonrasen, während ihnen zwei Polizisten auf Fahrrädern nachsetzen. Sagt der eine Polizist zum anderen: "Moped müsste man haben."

Mit dem Kampf gegen den Terror verhält es sich genauso. Die Terroristen sind den Terrorbekämpfern immer um mindestens eine Nasenlänge voraus. Sie haben entweder die bessere Ausrüstung oder die besseren Einfälle. Die Attentäter von 9/11 waren mit Teppichschneidern "bewaffnet", der Nigerianer vom Delta Flug 253 hatte eine Dosis explosiven Materials in seiner Unterhose platziert. Ein junger Mann, der vor kurzem einen Anschlag auf den König von Saudi-Arabien begehen wollte, soll den Sprengsatz in einer Körperöffnung deponiert haben, die von der Natur eher als Ausgang konzipiert ist.

Nun sollen die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verschärft werden, der Ganzkörperscanner, dessen Einsatz erst vor kurzem als mit der Menschenwürde unvereinbar abgelehnt wurde, ist wieder im Gespräch. Er soll Objekte sichtbar machen, die am menschlichen Körper versteckt wurden.

Fahnder kommen menschlich näher

Da kann man den Fahndern nur viel Erfolg und viel Spaß bei ihrer Arbeit wünschen.

Bis jetzt mussten sie nur wildfremden Menschen unter die Arme und in den Schritt greifen. Demnächst werden sie den Reisenden, die allein dadurch zu Verdachtsobjekten avanciert sind, dass sie ein Ticket gelöst haben, um von A nach B zu fliegen, menschlich noch näher kommen. Aber nur so lange, bis die Terroristen einen Weg gefunden haben, die Nacktscanner auszutricksen. Und sie werden einen Weg finden, weil sie in der taktisch und strategisch günstigeren Position sind.

Während die Terrorbekämpfer - zumindest in der Theorie - um einen Ausgleich zwischen Menschenwürde und Sicherheit bemüht sind, kommt es den Terroristen nur auf eine Sicherheit an - ihre Mission auszuführen. Die Menschenwürde ihrer potentiellen Opfer ist ihnen so egal wie die Zahl der Einzelteile, mit denen sie nach getaner Tat im Paradies ankommen.

Auch das gehört zu der Asymmetrie des Konflikts: dass man Menschen, die den Tod mehr als das Leben lieben, nicht abschrecken kann, indem man ihnen die Todesstrafe androht. Die einzige Möglichkeit, potentielle Märtyrer wie den jungen, im Wohlstand aufgewachsenen Nigerianer von ihren Mordplänen abzubringen, wäre wohl, ihnen zu versprechen, dass im Falle eines Misslingens alles getan würde, um sie am Leben zu erhalten: in einem Gefängnis mit Frauen als Aufseherinnen, die nur aus Schweinefleisch zubereitete Gerichte servieren, während im anstaltseigenen Fernsehen Videoclips von Russ Meyer und Reden von Geert Wilders als Dauerschleife laufen.

So etwas wäre natürlich mit der Menschenwürde der Attentäter nicht zu vereinbaren, die sofort den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anrufen und mit einer Beschwerde recht bekommen würden. Andersherum ist noch kein Fall bekannt, dass ein bei einem Anschlag ums Leben gekommener Passagier mit einer Beschwerde gegen die finale Verletzung seines Rechts auf Leben Erfolg gehabt hätte. Er war eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Shit happens.

Und nun also der "Ganzkörperscanner". Seine Einführung wird Millionen kosten und neue Arbeitsplätze schaffen, was in Zeiten der Wirtschaftskrise auch als ein Beitrag zum Konjunkturbeschleunigungsprogramm gesehen werden kann. Ob die Regierungen "Bad Banks" und Auffanggesellschaften für arbeitslos gewordene Mitarbeiter von Versandhäusern einrichten oder den Sicherheitsapparat bis zum Horizont ausbauen, macht volkswirtschaftlich keinen Unterschied. Es kommt nur darauf an, dass möglichst viele Menschen beschäftigt werden, die sonst die Arbeitslosenstatistik belasten würden. Und dass die Reisenden das Gefühl haben, es werde alles für ihre Sicherheit getan. Schon heute empfinden sicherlich viele Passagiere das Abgetastetwerden nicht als eine Zumutung, sondern als ein Kompliment - welcher Rentner , der daheim nix zu sagen hat, wäre nicht geschmeichelt, wenn man ihn für einen potentiellen Terroristen hält?

Um das Fliegen wirklich todsicher zu machen, sollte man alle Passagiere nur noch vollkommen nackt an Bord gehen lassen, sie an Armen und Beinen für die Dauer des Fluges festschnallen, um sie intravenös zu ernähren, während Mario Adorf über Bordlautsprecher aus Erica Jongs Klassiker "Angst vorm Fliegen" vorliest. Dermaßen versorgt und sicher vergeht jeder Flug wie im Fluge.

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insgesamt 38 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.01.2010 von newtaxas: Finger in den Poppo

Warum fragt sich hier denn keiner wo das ganze hinführt? Der Terror gehört mittlerweile zum Alltag wie Autounfälle. wir müssen mit der Gefahr lerne zu leben es gibt keine 100% Sicherheit. das Leben ist nun mal so. Irgendwann kommt [...] mehr...

01.01.2010 von newtaxas: oh man .......

Was bist du denn für ein liberaler Fanatiker? Das ist ja fürchterlich....wie kann man den für die ganze Welt kämpfen? Komm mal auf den Boden der Tatsachen ! mehr...

01.01.2010 von caraya: Mit den Füßen fest auf dem (Lehm-)Boden

Also Herr(Frau?)wika, Im Prinzip sehe ich ihre gereiften APO Apelle ähnlich und stimme durchaus zu. Bürgerrechte wiederum sollten nicht durch Magazine agiert werden, sondern tatsächlich von Bürgern wahrgenommen werden. Ich [...] mehr...

01.01.2010 von Meckermann: Bevölkerungsgruppen...

Oder vereinfacht gesagt - und damit wir nicht irgendjemand übersehen - MÄNNER. Damit senken wir die Terrorquote locker um 90%. Würde aber glaub ich vielen nicht gefallen... mehr...

01.01.2010 von abumachuf: diskriminieren - aber sicher

Eine sehr hohe Sicherheit vor Terrorismus im Flugverkehr liesse sich einfach dadurch erreichen, daß man diejenigen Menschheitsgruppen, welche alle Terroranschläge der letzten Jahrzehnte begangen haben, einfach nicht mehr an Bord [...] mehr...

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Zur Person

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Henryk M. Broder, Jahrgang 1946, ist Autor für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, unter anderem "Erbarmen mit den Deutschen" (1993) und "Hurra, wir kapitulieren", eine Attacke auf die Appeasement-Politik Europas gegenüber dem aggressiven Islamismus, sowie zuletzt "Kritik der reinen Toleranz".

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Nacktscanner

Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?

Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.

Wie funktioniert das Gerät?

Warum ist der Scanner umstritten?

Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?






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