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30.12.2009
 

Debatte um Nacktscanner

Viel Aufwand für wenig Durchblick

Von Veit Medick

Die Politik erhofft sich vom Nacktscanner-Einsatz mehr Sicherheit im Flugverkehr. Doch die Debatte wird unehrlich geführt, lenkt von anderen Gefahren ab - und vernachlässigt wirklich wirksame Mittel zur Terrorbekämpfung.


Berlin - Was es nicht alles schon gibt, um das Fliegen sicherer zu machen. Da ist die herkömmliche Gepäckkontrolle. Da sind die rigiden Flüssigkeitsbeschränkungen. Da ist das Komplettverbot von Messern, Nagelfeilen und allem, was man sonst noch so an scharfen Gegenständen im Handgepäck mit sich führen könnte. Da ist der biometrische Fingerabdruck, um Pässe fälschungssicher zu machen.

Und natürlich wird es an deutschen Flughäfen bald auch den Nacktscanner geben, um die Passagiere zu durchleuchten.

Die Signale aus der Politik sind nach dem gescheiterten Attentatsversuch in Detroit eindeutig. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kann sich den Einsatz der Geräte grundsätzlich vorstellen. Selbst bei der FDP, die ihre freiheitlichen Prinzipien sonst so stolz vor sich her trägt, ist kaum Widerstand zu erkennen. Sofern die Würde des Menschen gewahrt werde, "müssen wir zur Sicherheit der Passagiere auch in solche Systeme investieren", sagt Innenpolitikerin Gisela Piltz.

Natürlich gibt es gute Gründe für den Einsatz von Nacktscannern. Wenn alles so läuft, wie die Erfinder sich das vorstellen, dann entdecken sie Dinge, die in der herkömmlichen Sicherheitskontrolle im toten Winkel liegen. Dann wirken sie auf jene abschreckend, die Böses im Sinn haben. Und nicht zuletzt fühlen Reisende sich dann sicherer. Das ist alles nicht unerheblich im Zeitalter des globalen Terrorismus.

Semantische Schummeleien

Doch ist die Debatte um Nacktscanner gleich in mehrerer Hinsicht problematisch.

Sie ist erstens problematisch, weil sie von den Befürwortern unehrlich geführt wird. Alle wissen, dass der Einsatz von Scannern ein massiver Eingriff in die Privatsphäre wäre. Wie auch immer das letztendliche Bild auf den Monitoren konturiert sein wird - Passagiere werden künftig beim Einchecken das Gefühl haben, von irgendeinem Flughafenbediensteten hüllenlos begafft zu werden.

Statt aber aufrichtig zu argumentieren, dass Privatsphäre dort enden muss, wo es um Leben und Tod geht, glauben die Anhänger von Nacktscannern, die Akzeptanz mit semantischen Schummeleien steigern zu können. Viel ist deshalb inzwischen von "Bodyscannern" die Rede, noch mehr von technischen Details. Und der Innenminister verspricht, die Geräte erst dann einzusetzen, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind. Als ob es darum ginge, die Pilotmodelle zu entseuchen.

Die Debatte ist zweitens problematisch, weil sie die Illusion totaler Sicherheit im Flugverkehr weckt. Nur wird es die nie geben. Weil ein mögliches menschliches Versagen an den Kontrollpunkten immer mitgedacht werden muss. Und weil Terroristen längst dabei sein dürften, nach Wegen zu suchen, die Nacktscanner zu umgehen.

Problematisch ist die Debatte drittens aber vor allem deshalb, weil sie den Blick verengt, von Gefahren an anderer Stelle ablenkt und die eigentlichen Erfordernisse einer effektiven Terrorbekämpfung vernachlässigt.

Al-Qaida denkt explizit in Bildern

Natürlich ist es nicht ungerechtfertigt, ein besonderes Auge auf den Schutz des zivilen Luftverkehrs zu haben. Das Terrornetzwerk al-Qaida pflegt einen regelrechten Flugzeug-Fetisch. Schon in den Achtzigern grübelte Chalid Scheich Mohammed, der spätere 9/11-Chefplaner, über massenhafte Entführungen von Passagierjets. Am 11. September 2001 kamen Flugzeuge dann tatsächlich zum Einsatz - als Waffen, um Tausende Menschen zu töten.

Es gibt einen Grund für diese Besessenheit: Explodierende oder abstürzende Flugzeuge sind spektakulär. Und al-Qaida denkt explizit in Bildern. Wer das bezweifelt, sollte einen Blick auf die Diskussionen richten, die Qaida-Sympathisanten nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn 2005 führten. Sie hätten keine guten Bilder geliefert, kritisierten da nicht wenige - weil alles unterirdisch ablief.

Doch wäre es ein Irrglaube, davon auszugehen, der globale Dschihadismus wäre in seiner Zielauswahl nicht flexibel. Oder zynisch gesagt: Je sicherer die Flüge, desto gefährdeter andere Verkehrssysteme und "weiche" Ziele.

Von anderen Gefahren wird abgelenkt, wahre Erfordernisse vernachlässigt

Denn: Al-Qaida und Co. dürften weiter ihrem Flugzeug-Fetisch frönen, künftig aber gleichzeitig darauf achten, auch andere Ziele anzugreifen, die "Erfolg" versprechen. Züge zum Beispiel. In Deutschland sind sie so gut wie ungeschützt, in Spanien werden Gepäckstücke in manchen Zügen schon durchleuchtet. Und: Es wird auch weiterhin Terrorakte geben, bei denen die Wirkung, nicht nur die Zahl der Opfer, im Vordergrund steht. Beispiele dafür sind Attacken auf internationale Hotelketten, Entführungen und Ermordung von Geiseln vor laufender Kamera.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden diskutieren über derartige Szenarien, ohne das offen zu sagen. Als al-Qaida im Herbst 2009 mit Terror in Deutschland drohte, ließ sich an den öffentlich sichtbaren Maßnahmen erkennen, welche Befürchtungen die Beamten haben: Neben den Flughäfen wurden auch Bahnhöfe von bewaffneten Polizisten bewacht, Hubschrauber beobachteten die Infrastruktur-Knotenpunkte von oben. Der Schutz des Oktoberfests wurde massiv verstärkt, weil es in einer Drohbotschaft vorkam.

Gewisse Szenarien dürften unwahrscheinlicher bleiben als andere. Die Sprengung eines Kindergartens oder eine Attacke auf ein gefülltes Fußballstadion wären zwar ohne Zweifel spektakulär, sind aber selbst für al-Qaida nicht ohne weiteres an die eigenen Sympathisanten vermittelbar. Das Oktoberfest mit seinen zahlreichen angetrunkenen Besuchern ließe sich wiederum besser "rechtfertigen". Garantien lassen sich aus solchen Erwägungen keinesfalls ableiten, aber in dschihadistischen Zirkeln und in den Strategiepapieren von Terrorgruppen dürften solche Argumente eine Rolle spielen.

Terror basiert auch auf dem Moment der Überraschung, weil diese den erzielten Schrecken verstärkt. Deshalb bitten al-Qaida und ähnliche Organisationen ihre Kader und Anhänger oft explizit darum, sich neuartige, beispiellose Terroranschläge auszumalen und vorzuschlagen. Es gehört gewissermaßen zum Wesen des Terrorismus, dass er nicht zu verhindern ist. Zumindest aber hat Terrorismusbekämpfung immer zwei Aspekte: die Vereitelung einer geplanten Tat - und die Beseitigung der Ursachen von Terrorismus.

Wer sich nur auf Nacktscanner stützt, droht den wichtigeren, zweiten Ansatz zu vernachlässigen.

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21.01.2010 von renen75:

Zja, da sieht man ja welcher Tenor in der Bevölkerung gesungen wird.... Wenn Sie meinen, das Ihr Sicherheitsgefühl dadurch gestärkt wird - okay. Das haupt Einfallsfeld für terroristische Angriffe bleibt noch IMMER das [...] mehr...

21.01.2010 von matbhm: Wendehälse!

Erstaunlich die Wendefähigkeit des Spiegels. Einige Zeit früher in SPON: Klare Forderung der Einführung von Nacktscannern! mehr...

21.01.2010 von Achill:

Für mich alles glatte Hysterie. Will mir wirklich einer erzählen, dass über 1000 Polizisten (lt. Pressemitteilung) den Münchner Flughafen absperren und die flüchtige Person nicht finden? Für mich ist das alles fingiert, um [...] mehr...

21.01.2010 von wolfi55: was hilft es, wnen der gescannte danach stiften geht?

Siehe gestern in München. Der Typ ist einfach weg und schon gibt es ein Riesentheater. Das beste dürfte sein: Dem kann man kaum was anhängen. Wenn der keinen Sprengstoff dabei hatte, dann ist es ein Fehlalarm und dafür kann der [...] mehr...

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Nacktscanner

Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?

Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.

Wie funktioniert das Gerät?

Warum ist der Scanner umstritten?

Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?






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