ThemaArmut in DeutschlandRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
02.01.2010
 

Kritik an Sozialministerium

Wohlfahrtsverbände halten Armutsprogramm für verfehlt

Sozialministerin von der Leyen: Verbände kritisieren "kein klares Signal gegen Armut"Zur Großansicht
dpa

Sozialministerin von der Leyen: Verbände kritisieren "kein klares Signal gegen Armut"

Das Sozialministerium fördert die Falschen, bemängeln führende Wohlfahrtsverbände. Im Rahmen eines europäischen Projektes zur Armutsbekämpfung käme nur rund die Hälfte des Geldes Kindern und Behinderten zugute. Der Rest fließt unter anderem in Öffentlichkeitsarbeit.

Hamburg - Führende deutsche Wohlfahrtsverbände kritisieren nach Informationen des SPIEGEL ein Aktionsprogramm des Bundessozialministeriums für bedürftige Menschen. Dabei geht es um die Verwendung von etwa 2,3 Millionen Euro an EU- und Bundesmitteln, die im Rahmen des für 2010 ausgerufenen "Europäischen Jahrs zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" zur Verfügung stehen. Es sei "kein klares Signal" im Kampf gegen Armut, wenn nur etwas mehr als die Hälfte des Geldes in konkrete Projekte zum Beispiel für Kinder und Behinderte investiert werde, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Mit der anderen Hälfte des Geldes wird die Arbeit einer von der EU engagierten privaten Agentur bezahlt, die sich zum Beispiel um die Öffentlichkeitsarbeit oder die Organisation einer Abschlussveranstaltung kümmert. So werden von fast 850 deutschen Projekten, die um eine Unterstützung gebeten haben, wohl nur knapp 40 zum Zuge kommen.

Vertreter der Caritas zeigten sich zudem irritiert darüber, welche Projekte das Haus von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) für eine Förderung vorsieht. Am meisten überzeugte das Ministerium ein Programm der Spastikerhilfe Berlin. Dabei sollen behinderte Menschen über Tanzvorführungen in Fußgängerzonen mit nicht behinderten Menschen ins Gespräch kommen.

Zudem kommen etliche Projekte zum Zuge, die armen Menschen helfen sollen, mit ihrem Geld besser zurechtzukommen, zum Beispiel ein Programm zum Thema "Gesunde Ernährung, auch mit wenig Geld". So werde der weitverbreiteten Meinung, dass Hartz-IV-Empfänger nicht mit Geld umgehen können, unnötig Vorschub geleistet, kritisierte eine Caritas-Mitarbeiterin.

Forderung nach einer "Steuer gegen Armut"

Die Nationalen Armutskonferenz (NAK) forderte von der Bundesregierung stärkere Anstrengungen im Kampf gegen soziale Benachteiligung. Eine "strategische Armutsbekämpfung" sei bei der schwarz-gelben Koalition nicht zu erkennen, sagte NAK-Sprecher Wolfgang Gern am Samstag im Südwestrundfunk.

Die Zahl der Armen und Niedriglöhner dürfe nicht weiter steigen. Er unterstütze Ideen für eine Kindergrundsicherung oder eine "Steuer gegen Armut", sagte Gern. "Nur ein starker Steuerstaat kann ein starker Sozialstaat sein." Zu der Armutskonferenz haben sich Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, bundesweite Fachverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen.

kgp/AFP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.02.2010 von fronten: Arbeit muss sich wieder lohnen..

Arbeit muss sich wieder lohnen, deshalb plädiere ich für Mindestlöhne. Immer mehr Arbeitnehmer sind Pauschalkräfte mit geringen Rechten und geringem Lohn, trotz einer festangestellten Vollzeitkraft vergleichbaren Leistung. Für [...] mehr...

02.01.2010 von Klaus.G: Genau so is es....................

man soll endlich mal die Vermögenden heranziehenden damit die ihren Beitag zum Sozialsystem leisten. Es muss dringend umverteilt werden um die Not zu lindern. Nur so kann wieder soziale Gerechtigkeit hergestellt werden. mehr...

02.01.2010 von Weblinger: starker Steuerstaat

---Zitat--- Nur ein starker Steuerstaat kann ein starker Sozialstaat sein. ---Zitatende--- Genau, das sehe ich auch so. Nur durch massive Besteuerung der Arbeitenden erreicht man eine starke Umverteilung. Ich sehe da auch noch [...] mehr...

02.01.2010 von a.weishaupt: Das Problem ist doch..

..dass für jede Million, die bei Hartz4lern landet, eine weitere irgendwo im Verwaltungssystem versickert. Da ist mir das Prinzip des schlanken Staates mit mehr Privatinitiative (die auch direkte Kontrolle über die Ausgaben [...] mehr...

02.01.2010 von luckyjack: .

Die Hartzer bekommen ja auch zu viel, jetzt gibts wieder 2,3 millionen. Man kann einfach nur noch mit dem Kopf schütteln. Hartz4 = Schlaraffenland. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Armut in Deutschland

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration Guy Billout für den SPIEGEL

Heft 01/2010:
Die Schöpfung im Labor

Forscher auf der Suche nach der Formel des Lebens

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien







TOP



TOP