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02.01.2010
 

Protestaktion

Ex-Häftlinge besetzen ehemaliges Stasi-Gefängnis

Protestplakate am Gebäude: "Eure faulen Tricks haben wir satt. Wir fordern Mitsprache!"Zur Großansicht
dpa

Protestplakate am Gebäude: "Eure faulen Tricks haben wir satt. Wir fordern Mitsprache!"

Ehemalige Häftlinge eines berüchtigten Stasi-Knastes halten seit Silvester ihr einstiges Gefängnis besetzt, ein Besetzer ist im Hungerstreik. Die Protestaktion richtet sich gegen Pläne der Landesregierung Thüringen, den Knast als Gedenkort auszubauen. Die Betroffenen wollen stärker an der Aufarbeitung beteiligt werden.

Erfurt - Ehemalige Häftlinge haben ein früheres Stasi-Gefängnis in Erfurt besetzt. Damit wollen sie eine stärkere Beteiligung an der künftigen Arbeit der Gedenkstätte erzwingen, wie Joachim Heise, der Vorsitzende des Vereins Freiheit e.V., sagte. "Wir sind der Spielball der Landesregierung. Bei wichtigen Entscheidungen werden wir immer ausgegrenzt."

Die Besetzung habe in der Nacht zum 1. Januar begonnen und sei derzeit unbefristet. Zudem sei ein Mitglied in den Hungerstreik getreten. In dem Gefängnis soll die DDR-Staatssicherheit von 1952 bis 1989 rund 5000 Menschen psychisch und physisch gefoltert haben.

Noch 1989 wurden 352 Menschen in die sogenannte Andreasstraße eingewiesen, die meisten von ihnen, weil sie "fluchtwillig" waren, also aus der damaligen DDR ausreisen wollten. Seit 1952 war dies das häufigste Vergehen, für das man in dem altertümlichen Gefängnisbau hinter Gittern landete. Ahndungswürdig waren den Behörden außerdem sogenannte Verbrechen wie "ungesetzliche Verbindungsaufnahme", "staatsfeindliche Hetze", "Rowdytum", "Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit", "Staatsverleumdung" oder die Zugehörigkeit zu missliebigen Parteien oder Religionsgemeinschaften.

Neben ausgeübter gezielter Folter galten auch die Haftbedingungen selbst als körperlich wie psychisch extrem belastend: Der bereits 1874 errichtete, niemals auf den Stand des 20. Jahrhunderts gebrachte Bau war wegen seiner engen Zellen, Feuchtigkeit, schlechter Heizung, Belüftung und sanitärer Zustände berüchtigt.

Betroffene wollen beteiligt werden

Der Gebäudekomplex in der Erfurter Andreasstraße steht seit Ende 2002 leer. Der Verein "Freiheit e.V." hatte erfolgreich gegen den Abriss protestiert und bietet seit 2005 Führungen und Ausstellungen an.

Nun soll das einstige Gefängnis zum Gedenk- und Lernort ausgebaut werden. Dazu wurde vom Land die Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gegründet. Unter ihrem Dach sollen außer dem Aufbau der Gedenkstätte auch die Arbeit von drei Grenzlandmuseen und anderen Gedenkstätten konzentriert werden. Durch die verschiedenen Projekte befürchtet Heise einen Interessenkonflikt. Nach seinem Willen soll die Gedenkstätte im früheren Stasi-Gefängnis von dem Zeitzeugen-Verein unter dem Dach der Stiftung geführt werden.

pat/dpa

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03.01.2010 von Hans aus Jena: Ein paar Hintergrundinformationen

Vielleicht tun ein paar Hintergrundinformationen gut, auch wenn das Thema schon wieder vergiftet diskutiert wird. Das Thema Andreasstraße schwelt schon lange in Thüringen. Zuerst hat sich in Erfurt die Gesellschaft für Thüringer [...] mehr...

03.01.2010 von someone_one: Nein, sie...

Nein, sie...wurden nicht eingesperrt. Sie sitzen jetzt in den Parlamenten der ostdeutschen Bundesländer! ;-))) mehr...

03.01.2010 von amarildo: Frage

Ich dachte immer das die Stasi Gefaengnisse nach 1989 dazu benutzt wurden um Stasi Mietglieder einzusperren. Aber ich bin ja nur ein Auslaendischer Spiegel Leser und 1989 ist ja schon lange her. Habe deswegen wohl keine [...] mehr...

03.01.2010 von Parzival v. d. Dräuen: Thermidor

Im Grundsätzlichen ist Ihre Kritik berechtigt. Nun ist es aber Revolutionen eigen, dass sie für gewöhnlich nicht friedfertig ablaufen. Dass in der historischen Nachbetrachtung sich einige Opfer des SED-Staates eine [...] mehr...

03.01.2010 von JDR: Bürokraten sind keine Aufarbeiter

Nun, wenn ich denn Text richtig deute, kann es diesen Opfern einer menschenverachtenden Dikatur wohl nur bedingt übel genommen werden, dass sie, nachdem sie den Abriss der Stätte ihres Leidens selbst verhindern mussten und in [...] mehr...

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