• Drucken
  • Senden
  • Feedback
13.01.2010
 

Arbeitsmarktreform

Von der Leyen will Hartz IV komplett überarbeiten

Arbeitsministerin von der Leyen: "Wie können wir es gerechter machen?"Zur Großansicht
DPA

Arbeitsministerin von der Leyen: "Wie können wir es gerechter machen?"

In der Union mehren sich die Stimmen für eine grundsätzliche Korrektur der Hartz-IV-Gesetze. An der Reform sei vieles "hastig" gemacht worden und müsse gerechter werden, sagte Arbeitsministerin von der Leyen. CSU-Chef Seehofer verlangt eine generelle Neuordnung.

Berlin - Die Reform der Hartz-IV-Gesetze soll umfassender ausfallen als erwartet. Die Überarbeitung solle genau vorbereitet und erst im Sommer abgeschlossen werden, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Vieles an Hartz IV sei "hastig" gemacht. Daher stelle sich die Frage: "Wie können wir es gerechter machen, wie können wir es verständlicher machen?" Arbeit müsse sich lohnen. "Es muss der Anreiz da sein zu sagen: Ich verdiene so gut ich es kann, und wenn es nicht reicht, dann zahlt die Gemeinschaft - die Steuerzahler zusammen - was dazu, dass es für den Lebensunterhalt reicht."

Unterm Strich sei der Sockel der Langzeitarbeitslosigkeit gesunken, räumte die CDU-Politikerin ein. Nur habe man bei "bestimmten Gruppen nicht genug hingeschaut", etwa bei Alleinerziehenden oder Jugendlichen. Besonders schwierig sei es, wenn einfache Arbeiter weniger verdienten als Hartz-IV-Empfänger.

Die Kombination von Hartz-IV-Leistungen vom Staat und eigenem Zuverdienst sei schwierig, weil Arbeitnehmer dies ebenso wie Arbeitgeber von vornherein mit einkalkulieren könnten.

Seehofer für Totalreform von Hartz IV

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer plädierte im Bayerischen Fernsehen für eine umfassende Neuordnung. "Hartz IV muss aus meiner Sicht generell neu gemacht werden. Das sollte alles einfacher und gerechter werden - jetzt kennt sich überhaupt kein Mensch mehr aus", sagte er in der Sendung "Münchner Runde".

Union und FDP hatten sich bereits in den Koalitionsvereinbarungen auf eine deutliche Anhebung der sogenannten Schonvermögen und der Zuverdienstgrenzen für Hartz-IV-Bezieher geeinigt. Zudem wird im Februar eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Sätze vor allem für Kinder erwartet. Diese könnte auf eine deutliche Anhebung der Bezüge hinauslaufen.

Gabriel für Besserstellung von älteren Arbeitslosen

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel plädierte für deutliche Korrekturen an der unter Rot-Grün verabschiedeten Arbeitsmarktreform. Generell sprach er sich für eine Besserstellung von älteren Arbeitslosen aus. So sollten sie künftig ihr Vermögen behalten dürfen, wenn sie 30 Jahre oder länger gearbeitet hätten. Das ginge über die von der schwarz-gelben Koalition geplante Anhebung der Freibeträge von 250 auf 750 Euro pro Lebensjahr hinaus. "Warum darf jemand, der 30 Jahre lang gearbeitet hat, im Fall der Arbeitslosigkeit nicht das behalten, was er für das Alter angespart hat, zum Beispiel seine Lebensversicherung?", sagte Gabriel der "Süddeutschen Zeitung".

Diese Pläne und zum Teil weitergehende Forderungen aus den Landesverbänden sollen auch Thema der Klausurtagung des SPD-Bundesvorstands am kommenden Wochenende in Berlin sein. So fordern die hessischen Sozialdemokraten, das vor Hartz IV fällige Arbeitslosengeld I länger zu zahlen, wenn sich Beschäftigungslose in dieser Zeit beruflich qualifizieren. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll Gabriel intern Sympathie für diese Idee gezeigt haben.

hen/ddp/AFP/apn

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 8402 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.01.2010 von Neurovore:

Das hatte nichts mit Personalpolitik zu tun. Die Einführung von Fahrkartenautomaten war zwingend nötig, da das "neuere und viel einfachere Tarifsystem" nur noch von Mathematikern auf Nobelpreisniveau verstanden werden [...] mehr...

27.01.2010 von seyinphyin: ...

Es gibt schnelle Katastrophen und langsame... mehr...

27.01.2010 von Gast100100:

Dann war ja die Abwrackprämie etwas Geniales... mehr...

27.01.2010 von andkathjajo: Geplante Marktwirtschaft

Warum werde ich das Gefühl nicht los,daß wir heute auch in einer verkappten Planwirtschaft leben- mit all den negativen Folgen für einen Großteil der Bevölkerung-insofern ist der Beitrag von rosiweissnix ein wenig daneben. mehr...

27.01.2010 von SIBO:

Crom, lesen Sie die Beiträge anderer Teilnehmer überhaupt oder reagieren Sie auf bestimmte Reizworte? Der Teilnehmer hatte Krebs. Die genannten Dinge bekommt man nicht verschrieben. Was Sie hier reflexartig [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Merkels schwarz-gelbe Regierung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Streitthemen der Koalition

Steuern

dpa
Die geplanten Steuersenkungen bleiben vermutlich das zentrale Streitthema zwischen Union und FDP. Ab 2011 soll es weitere Entlastungen im Umfang von rund 20 Milliarden Euro geben. Die Liberalen drängten in den vergangenen Tagen vehement, an den Plänen festzuhalten. Die Union macht dagegen finanzielle Vorbehalte geltend. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will zudem ein milliardenschweres Sparpaket vorlegen. Konkrete Verhandlungen dürften allerdings erst nach der Steuerschätzung im Mai beginnen - und damit nach der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai.

Vertreibungsstiftung

Afghanistan

Sicherheit

Kindergeld

Gesundheit







TOP



TOP