Ein Kommentar von Jan Fleischhauer
Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, zeigt sich irritiert, dass ihre Neujahrspredigt so viel öffentliche Aufmerksamkeit und Widerspruch erfährt, ja, sie ist geradezu "schockiert", wie ihre Worte zu Afghanistan von manchen verstanden werden. "Sie knallen auf meine Person", klagte sie dieser Tage in einem Gespräch mit einer Reporterin der "Süddeutschen Zeitung".
Zunächst einmal ist dazu anzumerken, dass es fraglos komisch wäre, von einer Bischöfin, einer evangelischen zumal, ein Bekenntnis zum beherzten Kriegführen zu erwarten. Die neuzeitlichen Vertreter der Kirche stehen dem militärischen Einsatz, auch wenn er im demokratischen Auftrag erfolgt, naturgemäß skeptisch gegenüber. Was bei den Einlassungen der Ratsvorsitzenden zum Widerspruch reizt, ist der Empfehlungscharakter ihrer Predigt, die politische Sprechhaltung, die auf Reformen zielt und Forderungen erhebt, in diesem Fall, nicht weitere "Einsatztruppen" nach Afghanistan zu schicken, weil dies den "zivilen Teil" der Operation weiter schwächen würde, an dem aus Käßmanns Sicht die Legitimation des ganzen Unternehmens hängt.
Ganz grundsätzliche Gedanken
Wer sich auf das politische Geschäft einlässt, muss sich fragen lassen, wie denn die Alternative aussehen könnte zu dem von ihm verworfenen Weg, im Konkreten: Wie die westlichen Verbündeten mit Höhlenkriegern umgehen sollen, die lieber Bomben auf Marktplätzen zünden als friedlich über eine Zukunft für ihr schönes Land zu debattieren. Die Antwort darauf, nämlich die Forderung nach "mehr Phantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen", mag in ihrer Teestubeneinfalt schlichtweg albern klingen. Aber das bekümmert die Bischöfin nicht, sie hat sich zu dem Thema ganz grundsätzliche Gedanken gemacht, um nicht zu sagen: Ihre Überlegungen führen sie zu einer moralischen Neubewertung des Kriegsgeschehens auch auf europäischem Boden.
Wer wissen will, wie Margot Käßmann über die Deutschen und den Krieg denkt, dem sei in diesem Zusammenhang ein Interview zur Lektüre empfohlen, das die "Berliner Zeitung" unlängst mit der EKD-Vorsitzende führte und das bislang keineswegs die Beachtung gefunden hat, die es verdient. In diesem Interview wiederholt Käßmann nicht nur ihre Position, dass Krieg für sie nicht zu legitimieren sei; auf konkrete Beispiele angesprochen, bezieht sie den Einsatz der Alliierten zur Beendigung der Nazi-Herrschaft in Europa in ihr Verdikt ausdrücklich mit ein.
Eine neue und aufregende Sicht
Das ist nun allerdings eine neue, aufregende Sicht auf den Zweiten Weltkrieg und die Lehren, die aus ihm zu ziehen sind. Bislang hatten wir immer gedacht, dass wir für die Befreiung durch die alliierten Truppen dankbar sein müssten, die sich Hitlers Mordmaschine zu Wasser, zu Luft und am Boden unter Hinnahme hoher eigener Verluste in den Weg stellten (allein auf amerikanischer Seite 170.000 Soldaten). Offenbar müssen wir umdenken, jedenfalls solange wir Schäfchen der Evangelischen Kirche Deutschlands sind.
Folgt man der Argumentation der Bischöfin, dann wäre der Zweite Weltkrieg zu vermeiden gewesen. "Warum wurde die Opposition in Deutschland nicht gestärkt?", fragt sie. Welche Opposition, mag der Unbedarfte denken. Nicht jedem fallen auf Anhieb die Zigtausenden im Widerstand ein, die nur auf ein Signal aus London oder Washington zum Losschlagen gewartet haben.
"Warum wurden die Gleise, die nach Auschwitz führten, nicht bombardiert", legt Käßmann nach. Was will sie damit sagen? Dass die Alliierten insgeheim mit Hitlers Plänen ganz einverstanden waren? Und weiter: "Warum gab es vorher keine Strategien?"
Eine Antwort auf letztere Frage könnte lauten, dass es ja durchaus eine gab, der mit Namen Chamberlain verbundene Versuch nämlich, den deutschen Diktator mit Zugeständnissen von seinem Weg abzubringen. Das naheliegende Argument, dass alle Appeasement-Politik Hitler wenig beeindruckt habe, lässt die Ratsvorsitzende freilich nicht gelten, da bleibt sie standhaft: "Krieg setzt ein Gewaltpotential frei, für das ich keine Rechtfertigung sehe", erwidert sie unbeirrt auf den entsprechenden Einwand. "Krieg hat Unrecht, Zerstörung, Vergewaltigungen im Schlepptau. Krieg zerstört alle, die an ihm beteiligt sind."
So sind in Käßmanns kleiner Geschichtsstunde am Ende irgendwie alle schuld, Sieger und Besiegte, Angreifer und Verteidiger, Täter und Opfer. Wo es nur Schuldige gibt, weil Krieg in der bischöflichen Auslegung nun einmal keine moralischen Unterschiede kennt, ergibt auch das Rechten und Richten keinen Sinn. Das haben die Heimkehrer und Vertriebenen nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht anders gesehen, sie haben es nur nicht so schön auszudrücken gewusst.
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wenn es nicht als Vorwurf gegen jemand (unsere Kriegsgegner von damals) empfunden ist, sondern aus Betroffenheit einzelne Bürgerinnen und Bürger unseres Landes diesen Fällen nachgehen und die Lücken schliessen, ist es schon [...] mehr...
Ich bedanke mich fuer den Hinweis. Vewirrt ja, verwirrt nein. Urspruengliche erwartete ich unter dem Eintrag www.cottbus.de eine vernuenftige und historisch wissenschaftlich erarbeitete Darstellung der Geschehnisse von 1933 - [...] mehr...
........zu erklären, weshalb niemand Sie mehr begleitet im Thread. Ihre Ausführungen scheinen mir zu wirr. Localpatriotisch auf Cottbus konzentriert. Ich denke, bei 100 000 Kriegsepisoden, inkl. 1000ende Bombardierungen [...] mehr...
Frage: Weis jemand ueber das Schicksal der am Kriegsende verschollenen Cottbusser bescheid? Was ist aus den 52000 Bewohnern des Stadt geworden die zwischen August 1939 und Mai 1945 verschollen sind? Nichts neues vom Osten, [...] mehr...
Bitte Dr. Kaessmann, gehen sie am 25. Februar nach Cottbus, und vergiessen sie ein Traene fuer die vergessenen denn 'Ich beneide sie alle die vergessen koennen die sich beruhigt schlafen legen und keine Traeume haben.' Guenter [...] mehr...
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