Von Philipp Wittrock und Ole Reißmann
Berlin - Die Empörung in der Opposition ist groß: Käuflichkeit wirft SPD-Chef Sigmar Gabriel Teilen der Regierung vor. Die FDP mache sich den Staat zur Beute, zürnt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Linken-Vize Klaus Ernst wettert gar: "Deutschland ist zu einer Demokratie der gekauften Parteien verkommen." Der "Hotelspendenskandal" sei nur die Spitze des Eisbergs.
Dem Vorwurf der Klientelpolitik sieht sich die FDP schon länger ausgesetzt. Nun aber müssen sich die Liberalen auch noch vorhalten lassen, dass sie sich für ihren politischen Einsatz finanziell belohnen lassen. Hintergrund: Insgesamt 1,1 Millionen Euro haben die Freien Demokraten binnen eines Jahres von der Düsseldorfer Substantia AG erhalten. Das Unternehmen, berichtet der SPIEGEL, gehört zum verzweigten Imperium des 79-jährigen August von Finck. Der öffentlichkeitsscheue Bankier und Industrielle gilt als einer der reichsten Deutschen. Vor Jahren verlegte er seinen Wohnsitz auf das Schweizer Schloss Weinfelden - angeblich, um sein Milliardenvermögen vor den deutschen Steuersätzen zu schützen. In den neunziger Jahren hatte Finck sein Geld in der Schweiz reinvestiert - so auch bei der Hotel- und Restaurantkette Mövenpick. Fincks Familie ist mittlerweile Haupteigentümer der Gruppe, die in Deutschland 14 Dependancen betreibt.
FDP weist Vorwürfe zurück
Nun kommen Fragen auf: Ist die satte Spende der Dank dafür, dass sich die FDP so eifrig für die gerade beschlossene - und unter Ökonomen sehr umstrittene - Mehrwertsteuersenkung für die Hotelbranche stark gemacht hat? Gab es direkte Kontakte zwischen der Finck-Firma Substantia und der FDP? Und war die Spitze der Liberalen möglicherweise in den Vorgang eingebunden?
Die FDP wehrt sich und bestreitet einen Zusammenhang. Der Vorwurf der Sozialdemokraten sei "absurd", sagt Parteichef Guido Westerwelle am Montag. "Wie groß muss die Verzweiflung der SPD sein, dass sie solche absurden Vorwürfe erhebt." Generalsekretär Christian Lindner verteidigt seine Partei: Die FDP vertrete schon "sehr lange Zeit, dass wir im Bereich des Beherbergungsgewerbes einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz brauchen". Alles ein ganz normaler Vorgang, sagt Lindner, die Spende sei ordnungsgemäß verbucht.
Damit hat der FDP-Mann Recht. Doch das Geschmäckle wird der Vorgang dadurch auch nicht los. Das deutsche Parteiengesetz verbietet ausdrücklich Geldzuwendungen, "die erkennbar in Erwartung oder als Gegenleistung eines bestimmten wirtschaftlichen politischen Vorteils gewährt werden". Diesen Zusammenhang nachzuweisen, ist allerdings kaum möglich.
Großzügige Spenden für CDU und FDP
Aufregung um die Großspender der Parteien gibt es immer wieder. Und meist stehen Union und FDP als wirtschaftsnahe Parteien im Zentrum. Erst kurz vor der Bundestagswahl mussten sich CDU und Liberale wegen der üppigen Zuwendungen aus der Wirtschaft rechtfertigen.
Im TV-Duell mit Angela Merkel ätzte SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier, damals noch Außenminister und Vizekanzler, über die freundlichen Zuwendungen von Banken und Unternehmen an die christ- und freidemokratische Konkurrenz: "Die Bankenwelt scheint auch ein bisschen auf die schwarz-gelbe Diskussion zu setzen." Im Blick hatte er dabei die zögerliche Haltung der beiden Parteien bei der Begrenzung von Managergehältern und Bonuszahlungen. Es sollte der Eindruck entstehen, Banken und Finanzdienstleister würden sich für die Standhaftigkeit erkenntlich zeigen.
Tatsächlich konnten sich gerade CDU und FDP im Juli und August 2009, also in den Monaten vor der Bundestagswahl, über einen wahren Geldsegen freuen - nicht nur aus der Finanzbranche:
Insgesamt sind bisher Großspenden von 2,9 Millionen Euro im Jahr 2009 für die CDU bekannt.
Die FDP erhielt rund 1,7 Millionen Euro - da fällt die Spende des Hotelmilliardärs entsprechend ins Gewicht. Kurz vor der Bundestagswahl im Juli und August bekamen die Liberale neben einer der umstrittenen Substantia-Zuwendungen in Höhe von 300.000 Euro unter anderem...
SPD und Grüne wurden in den beiden Monaten vor der Wahl lediglich mit je einer 60.001-Euro-Spende der Allianz bedacht. Die Sozialdemokraten erhielten 2009 auch Zuwendungen von Daimler (150.000 Euro) und Evonik Industries (100.000 Euro), beide Unternehmen spendeten aber auch an die CDU. Für die Grünen war die Allianz-Spritze die einzige Großspende im vergangenen Jahr überhaupt. Die Linke konnte gar keine Spende oberhalb der 50.000-Euro-Marke verbuchen. Wohl auch deshalb fällt es der Partei leicht, gleich ein generelles Verbot von Spenden von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden an Parteien zu fordern.
Großspenden von mehr als 50.000 Euro müssen die Parteien dem Bundestag laut Parteiengesetz unverzüglich mitteilen, sie werden veröffentlicht. In den Rechenschaftsberichten sind dann auch Spenden ab 10.000 Euro aufgelistet. Diese liegen jedoch erst gut anderthalb Jahre nach Ablauf des jeweiligen Jahres vor.
Auch CSU erhielt Spenden aus dem Finck-Imperium
Auf die Rechenschaftsberichte verweist am Montag auch die Union. Er sehe "überhaupt kein Problem", lässt Unionsfraktionschef Volker Kauder im Sender N24 wissen und springt der FDP damit zur Seite. Im Übrigen sei die Forderung nach der Mehrwertsteuerreduzierung für Hotels alt. Und sie werde auch in der CSU erhoben.
Genau deswegen beeilt sich Horst Seehofer mit seiner Rechtfertigung. Seine Partei habe keine Spende von der Substantia AG erhalten, betont der CSU-Chef - zumindest nicht in seiner Amtszeit. Seehofer ist seit Oktober 2008 Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Er übernahm die Führung einen Monat nach der Landtagswahl.
Unmittelbar vor dem Wahltermin konnte sich die CSU allerdings über einen wahren Geldsegen freuen. Am 22. September 2008, sechs Tage vor der bayerischen Landtagswahl, landeten insgesamt 820.000 Euro auf dem Konto der Christsozialen:
Hinter den beiden Firmen, das berichtete seinerzeit schon die "Süddeutsche Zeitung", soll eine bekannte deutsche Milliardärsfamilie stecken: Die Familie von Finck.
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wo der alte schon keinen Platz findet, Maulkorb für die Pharma-Kritik, Mehrwertsteuersenkung für die Amigos, Bargeld für Krippenverweigerer - man braucht inzwischen eine Art Moral-Ombudsman, der bestimmte Maßnahmen der Regierung [...] mehr...
Also eine Anarchie mit einem starken Anarchen! (Späßchen) mehr...
majik, Rechnung: 14 Hotels a 100 Betten = 1.400 Übernachtungen x 100 € pro Bett = 140.000 € x 365 Tage = 51.100.000 € / Jahr 12 % MWSt.Senkung = 6.132.000 € August von Finck kassiert unter den o. a. Voraussetzungen [...] mehr...
Wer so naiv ist und glaubt daß der Finck nicht rechnet,der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Wer einen derartigen Betrag an der für ihn richtigen Stelle platziert hat das vorher durchgerechnet. Sein Ziel hat er jedenfalls [...] mehr...
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