
Augusto Pinochet
London - Der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet (84) hat am Donnerstagmorgen das Haus in der Nähe Londons verlassen, in dem er seit 16 Monaten unter Hausarrest stand. Ein Konvoi von mehreren Autos in Polizeibegleitung setzte sich auf dem Anwesen in Wentworth südwestlich von London in Bewegung und verließ das Gelände über eine Nebenzufahrt. Das Ziel Pinochets war zunächst unklar.
Nur kurz zuvor hatte der britische Innenminister Jack Straw mitgeteilt, dass er den im Oktober 1998 verhafteten Pinochet wegen schlechter Gesundheit nicht an Spanien ausliefern wird. Spanien hatte die Auslieferung wegen Verbrechen während der Militärherrschaft Pinochets in Chile von 1973 bis 1990 beantragt.
Es war auch unklar, wo sich das chilenische Armee-Flugzeug befand, das am frühen Donnerstagmorgen den britischen Fliegerhorst Brize Norton mit unbekanntem Ziel verlassen hatte, nachdem es vier Wochen lang dort auf Pinochet gewartet hatte.
Anhänger des Ex-Dikatators in Chile reagierten mit Jubel auf die britische Entscheidung. Das chilenische Fernsehen zeigte am Morgen Bilder von tanzenden Menschen in der Hauptstadt Santiago.
Pinochet war im Oktober 1998 in London festgenommen worden. Spanien forderte die Auslieferung des ehemaligen Gewaltherrschers wegen der Verbrechen unter seinem Militärregime von 1973 bis 1990. Später beantragten auch Belgien, Frankreich und die Schweiz eine Auslieferung.
Eine Untersuchung Pinochets Anfang Januar ergab, dass der 84- Jährige nach mehreren leichten Schlaganfällen an Gedächtnisverlust und unter Konzentrationsschwierigkeiten leidet. Auf Grund dieses Befundes entschied Straw, dass Pinochet nicht verhandlungsfähig sei.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH