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29.01.2010
 

Debatte um Krankenkassen

Seehofer warnt vor weiteren Zusatzbeiträgen

CSU-Chef Seehofer: "Wir brauchen verbindliche Vereinbarungen"Zur Großansicht
dpa

CSU-Chef Seehofer: "Wir brauchen verbindliche Vereinbarungen"

"Unsozial", "nicht akzeptabel": Führende Politiker der schwarz-gelben Koalition haben die geplanten Zusatzbeiträge der Krankenkassen verurteilt. CSU-Chef Horst Seehofer fürchtet weitere Belastungen und fordert ein Einschreiten der Regierung.

Berlin - Die Pläne mehrerer gesetzlicher Krankenkassen, Zusatzbeiträge von bis zu acht Euro monatlich zu erheben, haben schnell für Unmut bei der Bundesregierung gesorgt. Auch Tage später reißt die Kritik an den angekündigten Kostenerhöhungen nicht ab. "In der jetzigen Form sind die Zusatzbeiträge unsozial", sagte FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler der "Bild"-Zeitung. Da bei einem Zusatzbeitrag von bis zu acht Euro monatlich kein Sozialausgleich stattfinde und Gering- oder Gutverdiener dieselbe Summe zu zahlen hätten, würden die Menschen dies als ungerecht empfinden.

Rösler mahnte die Krankenkassen deshalb, alles zu tun, um Zusatzbeiträge zu vermeiden. "Hier müssen sich die Kassen mehr anstrengen", forderte er. Im Übrigen gebe es "ja noch genügend Kassen ohne Zusatzbeitrag".

Auch Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer erneuerte seine heftige Kritik an den Krankenkassen. Er forderte ein Einschreiten der Regierung: "Wenn jetzt einige Kassen einen Zusatzbeitrag erheben wollen, ist das nicht akzeptabel", sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Rösler müsse die Beteiligten an einen Tisch holen. "Wir brauchen verbindliche Vereinbarungen über Kostendämpfung und Einsparungen im Gesundheitswesen", so Seehofer.

Wenn es jetzt keine Sparanstrengungen gebe, werde spätestens Ende des Jahres die nächste Runde der Beitragserhöhungen kommen. "Beitragserhöhungen dürfen immer nur das allerletzte Mittel sein. Davor müssen Einsparungen stehen", stellte Seehofer klar.

"Wir haben davor gewarnt"

Der Vize-Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, schlug sich auf die Seite der Krankenkassen und wehrte sich gegen Schuldzuweisungen aus der Politik. "Wir haben davor gewarnt, dass es zu diesen Zusatzbeiträgen kommen wird, wenn die Politik weiter ungebremst das Leistungsversprechen an die Menschen gibt", sagte Montgomery der "Leipziger Volkszeitung". Ein Gesundheitssystem, das allen immer alles verspricht, werde zwangsläufig immer teurer. "Wenn wir nicht mehr genug Mittel haben, allen alles zu geben, dann müssen wir das öffentlich diskutieren", forderte der Ärztefunktionär.

Die Vizepräsidentin des Bundesversicherungsamts, Sylvia Bohlen-Schöning, nahm die Gesetzlichen Krankenkassen in Schutz - zumindest was den Verdacht einer Kartellabsprache anbelangt. "Eine Preisabsprache kann ich noch nicht erkennen", sagte Bohlen-Schöning der "Financial Times Deutschland".

Sie kündigte an, dass ihre Beamten jeden Antrag auf Einführung eines Zusatzbeitrags sehr genau prüfen würden. Dabei werde auch auf Einsparungen gedrungen. Die Sparmöglichkeiten seien aber begrenzt. Derzeit lägen ihrem Amt sieben Anträge von Krankenkassen vor, sagte Bohlen-Schöning.

Jede Kasse sei per Gesetz dazu gezwungen, von ihren Mitgliedern einen Obolus zu kassieren, wenn sie mit den regulären Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr auskomme. "Eine Kasse, die absehbar unterfinanziert ist, muss einen Zusatzbeitrag erheben. Sie hat gar keinen Spielraum, weil sie keine Schulden machen darf", sagte Bohlen-Schöning, die das für die Kassenfinanzen zuständige Bundesversicherungsamt derzeit kommissarisch leitet.

hut/ddp/dpa

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14.03.2010 von zahlenmeister:

Es gibt in Deutschland ebenso wenig wie in den NL ein Gestz, das eine AU bereits am erstenTag der Erkrankung vorschreibt. Das Gesetz (Entgeltfortzahlungsgesetz) scheibt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch [...] mehr...

27.02.2010 von oldrag: Gips nicht

Es bedürfte überhaupt keiner Überwachung, wenn sicher wäre, dass sich jeder an die Regeln halten würde. Eine derartige Einstellung des Menschen hat die Evolution leider nicht mehr hingekriegt. mehr...

27.02.2010 von oldrag: der Käufer zahlt alles

Wir brauchen also ein Gesetz, das die "Käufer" verpflichtet die durch gestiegene Kosten erhöhten Preise zu bezahlen, koste es was es wolle. mehr...

26.02.2010 von jinky:

Das ist völlig unbestritten. Mir ging es nur um eins: wenn die Krankenkassenbeiträge um einen Prozentpunkt steigen, steigen (jedenfalls im System der "paritätischen" Finanzierung, wobei "paritätisch" in [...] mehr...

26.02.2010 von Silverhair: Wirtschaft Teil 2

Vielleicht ist es ja mal aufgefallen was die EU bei der Schweine Grippe äusserte. Nämlich das man befürchtungen hätte das ein "Zuhausebleiben" der AN jeden Tag über 20 Mrd. Ausfall kosten könnte, und das natürlich [...] mehr...

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Der Zusatzbeitrag

Die knapp 200 Krankenkassen in Deutschland bekommen aus dem inzwischen eingeführten Gesundheitsfonds für jedes Jahr eine feste Summe zugeteilt. Diese wird nach komplizierten Regeln ermittelt - unter anderem danach, wieviel Gesunde oder Kranke die Kasse versichert. Kommt die Kasse mit der zugeteilten Summe nicht aus, muss sie direkt bei ihren Mitgliedern zusätzliches Geld eintreiben, den sogenannten Zusatzbeitrag.

Er darf, wenn er über acht Euro beträgt, höchstens ein Prozent des Einkommens ausmachen. Ein Rentner mit 1100 Euro im Monat muss also maximal elf Euro zahlen. Der Zusatzbeitrag muss den Mitgliedern vier Wochen im Voraus angekündigt werden. Diese haben dann ein sofortiges Sonderkündigungsrecht. Hat die Kasse dagegen aus ihrer Zuteilung aus dem Fonds Geld übrig, darf sie ihren Mitgliedern eine Prämie ausschütten. AP


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Die Gesundheitspolitik erwies sich als einer der Knackpunkte in den Koalitionsverhandlungen von Union und FDP. Bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen haben sich die künftigen Koalitionäre nun auf eine grundlegende Neuordnung verständigt - ein Überblick.

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