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30.01.2010
 

Kunduz-Affäre

Nato-Bericht prangert Fehler von Oberst Klein an

Ausgebranntes Wrack bei Kunduz: Oberst Klein "isolierte sich vom System"Zur Großansicht
AP

Ausgebranntes Wrack bei Kunduz: Oberst Klein "isolierte sich vom System"

Der Nato-Abschlussbericht zum Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kunduz legt die Fehler des deutschen Obersts Klein offen. Nach SPIEGEL-Informationen verstieß der Bundeswehr-Offizier gegen etliche Regeln. Dabei ist die Rolle der Spezialtruppe KSK größer als bisher bekannt.

Hamburg - Die Beteiligung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) bei dem Bombardement von zwei Tanklastern bei Kunduz spielte nach Informationen des SPIEGEL eine größere Rolle als bisher bekannt. Die Nato kommt in ihrem geheimen Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die vielen Verstöße des deutschen Obersts Georg Klein gegen Nato-Vorschriften nur möglich wurden, weil dieser ausschließlich vom Gefechtsstand der deutschen Spezialeinheit Task Force 47 aus agierte.

Die Task Force 47 agiert strikt abgeschirmt auf dem Gelände des deutschen Feldlagers in Kunduz. Die Einheit besteht zur Hälfte aus KSK-Elitesoldaten und zur anderen aus Aufklärern der Bundeswehr.

Klein, so das Urteil des Abschlussberichts der Nato, "isolierte sich vom System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung". Die Bundeswehr hat die Rolle der Task Force und damit des KSK bisher stets heruntergespielt. Die Nato hingegen konstatiert in ihrem Bericht, "dass der Einsatz hauptsächlich vom Personal der Task Force 47 initiiert und ermöglicht wurde".

Zudem haben Oberst Georg Klein und sein Fliegerleitoffizier den Piloten der zwei F-15-Kampfjets vor der Bombardierung der beiden von Taliban entführten Tanklaster entscheidende Informationen vorenthalten. Dem SPIEGEL sagte einer der Piloten jetzt, er habe die ganze Nacht kein gutes Gefühl gehabt. Der US-Pilot erwog sogar, den Einsatz über Kunduz abzubrechen, da er spürte, dass der deutsche Kommandeur am Boden das Bombardement um jeden Preis wollte. Bei dem Angriff am 4. September 2009 kamen bis zu 142 Menschen ums Leben, darunter auch Zivilisten.

Einer der beiden Tanklasterfahrer war noch am Leben - dann kam der Angriff

Aus dem geheimen Nato-Bericht über den Vorfall geht hervor, dass die Bundeswehr von einem Informanten wusste, dass mindestens einer der beiden Fahrer der Tanklastwagen noch am Leben war, als die Laster die Sandbank im Fluss erreicht hatten. Der Übersetzer der Task Force 47, ein Afghane mit deutschem Pass, der in der Nacht mindestens siebenmal mit dem afghanischen Informanten gesprochen hatte, sagte dies als Zeuge vor Nato-Ermittlern aus. Als die US-Piloten per Funk bei den Deutschen nach dem Schicksal der Fahrer fragten, sagte der Fliegerleitoffizier von Oberst Klein dennoch, er habe darüber keine Informationen.

Den Nato-Ermittlern berichtete einer der beiden US-Piloten, wenn sie gewusst hätten, dass einer der entführten Tanklasterfahrer unter den Menschen im Zielgebiet sei, "hätten sie ihre Waffen nicht eingesetzt".

Im Zuge der Kunduz-Affäre war Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU), der zum Zeitpunkt des Angriffs Verteidigungsminister war, von seinem Amt zurückgetreten. Auch den jetzigen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatten die Untersuchungen zum Hergang belastet.

Karzai lobt Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan

Der afghanische Präsident Hamid Karzai sieht die Beziehungen zu Deutschland durch das Tanklaster-Bombardement aber nicht gefährdet. "Keine andere Regierung hat sich so um die zivilen Opfer gekümmert wie die deutsche", sagte er dem SPIEGEL. Karzai zollt den deutschen Truppen sogar großes Lob. "Sie haben ihre Sache gut gemacht."

Bei der Londoner Afghanistan-Konferenz habe der Westen sich dem Kurs der afghanischen Regierung angeschlossen, behauptet Präsident Hamid Karzai in dem SPIEGEL-Interview. Das Ergebnis der Konferenz fasste er mit den Worten zusammen: "Das Neue daran ist, dass die internationale Gemeinschaft endlich begreift, wie wichtig ein Aussöhnungsprogramm" mit den Taliban für das Land sei. Neu sei auch, "dass die Vereinigten Staaten, Europa und Japan ein solches Programm mittragen wollen". Erst jetzt habe der Westen erkannt, dass sich der Anti-Terror-Kampf nicht gegen afghanische Dörfer richten dürfe, sondern gegen die "Rückzugsgebiete, die Trainingscamps, die finanziellen Unterstützer" der Terroristen. Karzai: "Hätten die Verbündeten das schon vor acht Jahren eingesehen, stünden wir heute besser da. Leider haben nicht alle auf uns gehört."

Die neue Strategie des amerikanischen Oberbefehlshabers, General Stanley McChrystal, unterstützt Karzai vor allem, weil sie "dem Schutz von Zivilisten" diene. "Wenn wir uns an dieses Prinzip halten, werden wir Erfolg haben. Wenn nicht, ist ein Scheitern sicher."

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insgesamt 114 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.02.2010 von localpatriot: Auf einem anderen Gleis

Die BW und die US Army fahren getrennt, Die BW ist auf einem anderen Gleis. Der grosse dunkle Schatten der Uebeltaten der ehemaligen Wehrmacht erstreckt sich ueber alle BW Aktionen. Viele Foristen sind sich dessen bewusst [...] mehr...

06.02.2010 von uwepramann: Oberst Klein und andere Verantwortliche müssen angeklagt werden

Nach den letzten Bericht im Spiegel hat der Oberst leider einen abgrundtiefen Mist gebaut und muss sich dann auch dafür verantworten. Bei der Gelegenheit sollten vielleicht auch die Einsatzregeln geprüft werden. Ich weiss auch, [...] mehr...

04.02.2010 von vergiesmein: Schlafe gut Deutscher Michel

Ein Graus diese Ansicht, Wem gehört die Republik? Wer macht Meinung und wer schweigt sie tot? Doch Geldadel und Politik. Freiheit verteidigen am Hindukusch? Oder ist es nicht vielmehr die Ölleitung im Süden des Landes? Wieviele [...] mehr...

02.02.2010 von MHein: Kein Verbrechen

Wann hört der SPIEGEL eigentlich mit dieser unerträglichen Berichterstattung auf? Die Bombardierung der Tanklastzüge in Afghanistan war weder ein deutsches noch irgendein Verbrechen sondern eine notwendige Maßnahme gegen [...] mehr...

01.02.2010 von pourroy: Soldaten und die warme Stube in Deutschland

Jeder Soldat weiß, dass sich eine Gefechtslage nicht nachträglich völlig klären lässt. Sieben Kilometer vom Bundeswehrlager wurden gemäß Lagebeurteilung zwei Tanklastzüge zu gefährlichen Bomben umgearbeitet. General McCrystal [...] mehr...

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Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion von Taliban-Überfall und Nato-Luftschlag bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)


Chronologie der Bombennacht

Klicken Sie auf die Zeiten für Details der Bombennacht vom 3. auf den 4. September 2009...

20.00 bis 22.30 Uhr Ortszeit

22.30 bis 1.30 Uhr

1.30 bis 2.30 Uhr

Im Morgengrauen

Mittags


Was nach dem Luftangriff geschah

4. September 2009

AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster. Den Angriff, bei dem auch Zivilisten sterben, hat der deutsche Oberst Georg Klein angefordert. Die Taliban hätten gedroht, "auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr" zu verüben, erklärt Jung. "Deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben." An den folgenden Tagen bezeichnet Jung den Luftangriff wiederholt als "geboten".

Mehr über die Kunduz-Affäre auf der Themenseite...

5. September 2009

8. September 2009

11. September 2009

29. Oktober 2009

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26. November 2009

27. November 2009

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