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31.01.2010
 

Frühstück in Davos

Brüderle sauer auf Guttenberg

Aus Davos berichtet Anne Seith

Guttenberg in Davos: "Da muss niemand eine beleidigte Leberwurst sein"Zur Großansicht
REUTERS

Guttenberg in Davos: "Da muss niemand eine beleidigte Leberwurst sein"

Zoff in Merkels Kabinett: Wirtschaftsminister Brüderle ist verärgert über seinen Amtsvorgänger Guttenberg. Der Verteidigungsminister hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos 20 Spitzenmanager zu einem Frühstück empfangen. Der CSU-Politiker versteht die Aufregung nicht.

Krach in der schwarz-gelben Koalition: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ist sauer auf seinen Amtsvorgänger Karl Theodor zu Guttenberg. Denn der CSU-Politiker hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 20 Spitzenmanager zu einem Empfang geladen, berichtete die "Bild am Sonntag". Das Thema: Das Wechselspiel zwischen Sicherheitspolitik und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands. Mit dabei unter anderem: Bundesbank-Chef Axel Weber und Politikberater Roland Berger.

Nicht mit dabei war Brüderle. Der frühstückte zu dieser Zeit der "BamS" zufolge friedlich mit Forumsgründer Klaus Schwab - und fühlt sich jetzt von seinem populären Amtsvorgänger düpiert: "Das geht nicht, es gibt klare Kabinettszuständigkeiten", zitiert das Blatt den empörten FDP-Politiker. Laut Teilnehmern eines Empfangs soll Brüderle gestänkert haben, er lade schließlich auch keine Generäle zum Essen ein.

Guttenberg reagiert verschnupft auf den ganzen Ärger. Jeder Interessierte wäre bei dem Treffen willkommen gewesen, sagt der Bundesverteidigungsminister. "Da muss niemand eine beleidigte Leberwurst sein." Er meine das allgemein, fügt er später noch hinzu. Nicht dass am Ende irgendwo steht, Guttenberg nenne Brüderle eine beleidigte Leberwurst.

Es ist Sonntag, der letzte Tag des Weltwirtschaftsforums. Und in gewisser Weise stiehlt Guttenberg Brüderle schon wieder die Show: In Skiklamotten sitzt er bei einem Pressefrühstück in einer Hütte - an seiner Seite RWE-Chef Jürgen Großmann. Es geht um Energiethemen, Großmann trommelt wieder einmal für die Verlängerung von Restlaufzeiten von Atomkraftwerken. Gleich im Anschluss findet das Skirennen statt, das Großmann mit einigen anderen Forumsveteranen vor vielen Jahren für deutsche Manager und Journalisten ins Leben gerufen hat. Auch Guttenberg wird mitfahren.

Der wachsende globale Energiebedarf erhöhe die weltweite "Konfliktträchtigkeit", sagt Guttenberg aber erst einmal. Viele Ölstaaten seien instabil, die Gefahr von Terroranschlägen auf Pipelines beachtlich. Die Frage, was ein Verteidigungsminister noch mit Energiethemen zu schaffen hat, will er offensichtlich gar nicht aufkommen lassen.

Trotzdem dürfte sein Auftritt für den empfindlichen Brüderle ein erneuter Nadelstich sein. Und dann holen der populäre Amtsvorgänger und seine Familie beim anschließenden Rennen auch noch beachtliche Ergebnisse: Guttenberg wird zweiter bei den Männern, seine Frau macht Platz zwei bei den Frauen.

Der "BamS" zufolge gab es schon zu Wochenbeginn mächtig Krach in der schwarz-gelben Koalition. Beim Treffen zum Afghanistan-Einsatz zwischen Merkel, Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Guttenberg und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Montag im Kanzleramt seien die Koalitionäre hart aneinandergeraten. Westerwelle sei verärgert gewesen über eine Vorlage Guttenbergs für die Runde, in der von insgesamt 1000 zusätzlichen Soldaten für den Afghanistan-Einsatz die Rede war. Die Vorlage habe Merkels Sicherheitsberater Christoph Heusgen abgesegnet. Das wollte der Außenminister auf keinen Fall akzeptieren. Westerwelle sei richtig laut geworden, bestätigten Vertraute der Kanzlerin der Zeitung. Am Ende einigte sich die Koalition auf 850 zusätzliche Soldaten in ihrem Afghanistan-Konzept.

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